Freitag der 13., Kapitel 22: ErlebnisKochen

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Hallo Leseratte,

der Grund für die Verzögerung in der wöchentlichen Veröffentlichung ist, dass ich vier Tage aus dem iPhone-Notizbuch versehentlich, statt zu kopieren, mit einem einzigen Buchstaben überschrieben habe und alles neu tippen musste. Erst einen halben Tag später erfuhr ich, dass es eine Rückgängig-Funktion gibt, indem man das iPhone schüttelt. Narf.
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~ Mittwoch, 12.02.2014. ~
Hallo liebes Tagebuch. Heute früh wurde ich von der zarten Meeresbrise und einer Möwe geweckt, die mir auf den Kopf geka... äh, falsches Leben.

Heute ging es in der Physio hoch her. Offenbar waren alle Offiziellen und Sponsoren und sonstige Wichtigtuer da, so dass sich alle im Arschkriecher-Modus befanden und laufend in Personalgespräche gerufen wurden. Mir ging das leicht am Popo vorbei, denn an meinen Übungen änderte das nichts. Jedoch hatte ich etwas geändert, denn in den letzten zwei Tagen hatte ich stets meine leichten weichen Straßenschuhe zum Training an.
Darum habe ich ab heute meine Sportschuhe getragen und das machte sich sofort bezahlt. Wie in den letzten Tagen auch, habe ich im Alter-G wieder die Dauer erhöht und hielt nun 17 Minuten aus. Zwar hatte ich wieder am üblichen Punkt im Knie nach wenigen Minuten Schmerzen, hielt aber eisern durch. Die 17 Minuten gab mir eher der Therapeut vor, weil er mich nach 15 Minuten fragte, ob ich noch zwei weitere Minuten machen möchte, bevor er mich da raus holte.

Auch an diesem Tag fiel mir wieder auf, dass die vorgegeben Zeiten meines Trainingsplans eigentlich nur Empfehlungen sind. Lediglich die manuelle Therapie mit dem Therapeuten musste fest eingehalten werden, alles was die Nutzung der Gerätschaften davor und danach betraf, steht einem irgendwie völlig frei.
Wobei mich auch wundert, wie sich dieses Rehabilitationszentrum halten kann. Alleine das Alter-G Gerät kostet 50.000 Euro und die haben dort ca. 30 dieser hochmodernen Trainingsgeräte stehen. Als Patienten sehe ich in meinem Zeitraum jedoch immer die gleichen 3-6 Leute. Dazu zwei aktive Physiotherapeuten, zwei an der Rezeption, zwei in der Ergo und zwei für den Geräteraum. Die können doch unmöglich ein Plus erwirtschaften. Oder aber deren Gelder laufen aus der Uni und der Berufsgenossenschaft zusammen. Wie auch immer, so schlecht ist es ja gar nicht, dass es vom Gesamtaufkommen eher ruhig ist.

Am Hüftstrecker und an der Beinpresse habe ich ebenfalls die Gewichte erhöht und alles hat wieder fleißig währenddessen gezittert. Und danach. Und überhaupt. Zwischendurch musste ich notgedrungenermaßen pausieren, weil die Geräte belegt waren. Irgendwie scheinen 90% der Patienten dort mit Knie-Problemen aufzulaufen, wodurch alle die selben Geräte nutzen wollen. Anders als in einem Fitness-Studio, sind aber alle Geräte nur einmal vorhanden. So saß ich also da und konnte den Anderen mal zuschauen, was sie so für Probleme haben und wie sie sich anstellen.

Im Hüftstrecker steckend, kam ein älterer Herr mit raspelkurzen weißen Haaren in den Trainingsraum, der seine Nase sehr weit oben trug, die Patienten nicht grüßte, nicht lächelte und die Namen seiner Mitarbeiter nicht kannte. Dafür schleifte er einen Herren im Anzug durch die Räumlichkeiten. Dieser andere Herr, offensichtlich ein Sponsor, sollte das Alter-G testen, um live erleben zu können wie toll das doch ist. Ihm schien die Situation äußert unangenehm zu sein, machte aber gute Mine zum peinlichen Spiel. So zog er über seine Anzug-Hose die Stöpsel-Hose für den Staubsauger-Beutel. Und dann schauten sich die beiden Herren blöd an. Denn bedienen konnte er das Gerät als einziger Mitarbeiter im Raum nicht und musste einen Kollegen rufen. Das war eindeutig der Chef!

In der manuellen Therapie hatte ich statt der Dame und ihren engen schwarzen Leggins ab heute für die nächsten drei Tage einen Herren. Nach meiner letzten Herren-Massage im Kapitel 14 war ich da etwas skeptisch. Doch zum Glück kam es anders.
Denn der Herr mit leicht grauem Haar befand sich in seinen Fünfzigern und strahlte die Bestimmtheit und Ruhe einer Vater-Figur aus, was die Angelegenheit in ein ganz anderes Licht rückte.
Zumal er keine Massage in herkömmlichen Sinne gab, sondern es primär wieder um die Knie-Mobilisierung ging. Die ersten fünf Minuten redeten wir zum kennenlernen nur. Anschließend entspannte ich im Liegen, während er die Kniescheibe bewegte, das Bein beugte und streckte und wir Fuß-Übungen absolvierten.

Nichtsdestotrotz war ich danach auch wieder komplett fertig, obwohl ich weniger erschöpft als am Vortag war. Nach einer kurzzeitigen Downtime verbrachte ich den restlichen Tag wieder auf der Couch. Neu war den in letzten Tagen, dass nach dem Training und dem Verharren für mehrere Minuten in einer Position diese bei Positionsänderung extrem schmerzten. Quasi wie ein Muskelkater, der erst so richtig auffällt, wenn man diese Stelle wieder benutzt, in der sich der Muskelkater befindet.


~ Donnerstag 13.02.2014. ~
Juhu. Zweimonatiges Jubiläum. Ich feiere. Nicht.

Die Taxifahrt war wieder mal etwas Besonderes. Denn wie üblich kamen wir in allen Details auf meinen Unfall zu sprechen. Mittlerweile konnte ich die Geschichte schon perfekt in das Zeitfenster der Hin- und Rückfahrt stecken. Dieses Mal war es etwas schwierig, denn der Taxifahrer war selbst schon leicht betagt und hörte bereits fürchterlich schwer. Noch weitaus ironischer war jedoch, dass er sich ständig über Rentner am Steuer aufregte.

Die Physio fand ausnahmsweise erst gegen 15:30 Uhr statt. Obwohl ich da noch Glück hatte, denn ursprünglich sollte sie erst 17:00 Uhr starten. Einem glücklichen Umstand der Abmeldung eines anderen Patienten verdankend, wurde ich im Laufe des Vormittages darüber informiert, dass ich bereits eher auftauchen könnte. Wobei ich den ersten Anruf direkt verpasste, weil das Telefon nur 4x klingelte und ich aber mindestens 6x klingeln brauche, um ran gehen zu können.

Mit dem Start der manuellen Therapie widmete sich der Therapeut nach der rhetorischen Frage zur Vollbelastung kurz der Kniescheibe, mit dem Ziel an dem letzten bißchen der Streckung zu arbeiten. Dazu hielt er mein Knie mit beiden Händen umschlossen und legte sein Gewicht vorsichtig darauf, oder nahm mein Bein auf seine Schulter und drückte es nach unten. Teilweise unangenehm, ließ sich das dennoch aushalten. Bis er mein Bein in der Ausgangsstellung kurz ablegte und dann sofort ruckartig nach oben in eine Beugung bewegte.
Schlagartig durchzuckte mich ein extremer Schmerz, so dass ich kurz aufschrie. Er erkannte seinen Fehler und entschuldigte sich.

Wie ich einige Tage später erfuhr, liegt das am Gewebe. Das kann nicht mehr mit schnellen ruckartigen Bewegungen umgehen. Das umfasst auch Stellungswechsel, etwa von einer Beugung in eine Streckung, wenn eines von Beidem für längere Zeit gehalten wurde. Weil es das Gewebe nicht mehr besser weiß, reagiert es dann mit einem extremen Schmerz.

Anschließend ging es in den Trainingsraum auf's Alter-G und die anderen drei Geräte, also der Beinstemme, dem Hüftstrecker und dem Stepper. Bei allen Geräten erhöhte ich leicht die Gewichte, die Anzahl und/oder die Geschwindigkeit. Auf der Beinstemme bemerkte ich ein ähnliches Problem wie bei dem Versuch in die Hocke zu gehen, denn ich konnte mit angewinkeltem Bein links die Ferse nicht komplett absetzen, wenn ich einen gewissen Winkel überschritt. Auf dem Hüftstrecker und dem Stepper zitterte ich wieder fleißig herum. Später redete ich noch mit einer zufällig anwesenden Therapeutin über den Unterschied vom Bewegungsbad zum Alter-G, während ich in ihm lief. Sie verschwand dann, so dass ich nach 20 Minuten das Gerät selbst anhielt, herunter fuhr, offline schaltete, mich selbst befreite und es dann zurücksetzte. Entgegen den Therapeuten, die das Gerät wie Hexenwerk behandelten, war es zum Glück doch recht selbsterklärend.

Der Taxifahrer auf der Rückfahrt war mal eine echte Plaudertasche und ließ mich überhaupt nicht zu Wort kommen. Er erzählte von Unfällen, wie sich Fahrradfahrer mit Pkw und Lkw anlegen, dass er selbst Fahrrad fährt und wo und wie und wann und dort und ach genau, außerdem noch dies und das und überhaupt und generell.


~ Freitag 14.02.2014. ~
Auf der Fahrt in die Physio fuhr mich eine bereits bekannte Dame, mit der ich früher schon über Schmerzensgeld geredet hatte. Sie berichtete davon, wie sie mit blutüberströmten Kopf im Schockzustand im Krankenwagen abkassiert wurde und so ihr Portemonnaie vollblutete. Denn obwohl es keine Praxisgebühr mehr gibt, muss man die 10 Euro für einen Notfalltransport weiterhin zahlen. Und welche Kunden sind denn besser, als die im Schockzustand? Mit denen kann man immerhin alles machen. Darauf zu sprechen kamen wir übrigens, weil mir die Krankenkasse eine Rechnung für genau diesen Transport geschickt hatte. Keine fünf Minuten später hing ich am Telefon und stellte die rhetorische Frage, wieso ich denn bei einem BG-Unfall, bei dem ich komplett befreit bin, plötzlich zuzahlen solle. Sie prüfen das. Blutsauger.

Angekommen und umgezogen, bemerkte ich, dass sich mein Physiotherapeut überraschender Weise im Trainingsraum befand. Nachdem ich dort angekommen war, fragte er mich, ob wir den Plan kurzfristig umstellen können und die manuelle Therapie im Trainingsraum auf der Pritsche vor allen Anderen machen können. Äh... ja... von mir aus. Bei mir würde eh nichts anderes gemacht, als bei den Anderen auch. Die waren ohnehin mehr mit sich selbst beschäftigt.

Ich erklärte meine Beobachtungen vom Alter-G, dass bei jedem Schritt meine Hüfte leicht nach links wegknicken würde, so dass er manuelle Therapie umgehend darauf umstellte. Ich stellte mich dazu auf, die Pritsche rechts neben mir, die Hand zum Abstützen aufliegend.
Dann sollte ich mich mit dem linken Fuß immer nur von hinten nach vorne bewegen und wieder zurück. Quasi die Bewegung, wie ein Schritt startet. Dazu griff er mir bei jedem Schritt von hinten an die Wade in den Muskel und drückte von oben nach unten den Muskel durch. Zwar schmerzte das, fühlte sich jedoch auch angenehm im Zuge des fortlaufenden Schrittes an und machte ihn leichter.

Dann wurde es herausfordernder. Denn nun sollte ich mit rechts den Schritt machen. Dazu musste ich mich stets abstützen, er hielt aber mein Becken fest, so dass es nicht wegknicken konnte. So konnte ich die Bewegung viel kontrollierter ausführen. Anschließend begannen wir mit Gewichtsverlagerungen, bis ich bemerkte, wie mein linkes Bein wegknickte und ihm sagte, dass das nicht ginge.
Wieder erwähnte er die Vollbelastung. Erst da bemerkte ich, dass er das Ernst meinte und nicht mehr wusste, dass ich gar keine freigegebene Vollbelastung hatte. Also stelle ich es klar.
Das ist genau der Punkt, warum dauernd wechselnde Therapeuten Scheiße sind. Nie wissen sie den aktuellen Stand und schießen bei ihren Übungen einfach ins Blaue. Damit fühle ich mich als Patient alleine gelassen. Das nervt.

Die Übungen abgeschlossen, steckte er mich ins Alter-G. Kaum losgelaufen, bemerkte ich umgehend, dass ich durch die vorherige Wadenmassage den Fuß nicht ordentlich heben konnte, weil das Bein schon erschöpft war. Dementsprechend stellte ich für den Anfang das Gewicht wieder etwas herunter.
Nach gut acht Minuten hatte es sich normalisiert, weil ich herausgefunden hatte, dass wenn ich die Ferse gezielt nach oben drücke, das Gewicht besser verteilt wird, ich weniger wegknicke und die Schmerzen an der üblichen Stelle nicht so schnell auftreten.
Fünfzehn Minuten sind vergangen, ich schaue auf den Therapeuten-Stuhl. Doch da ist keiner mehr. Na gut, ist ja nicht neu. Also laufe ich weiter. Zwanzig Minuten. Fünfundzwanzig Minuten. Ich bemerke immer mehr Ausfallerscheinungen und stoppe. Was wäre denn passiert, wenn ich jemand gewesen wäre, der die Funktionalität der Maschine nicht hätte nachvollziehen können? Laufen, bis die Füße bluten? Bis zum Ladenschluss? Bis der Arzt kommt?

Dabei fiel mir ein, dass er noch meine Röntgenbilder sehen wollte, nachdem ich es ihm angeboten hatte. An der Rezeption nachgefragt, erhalte ich die Info, dass er die nächsten zwei Stunden eine andere Patientin in der Mache hat. Ich übe an den nächsten Geräten weiter und zufällig kommt er kurz herein, checkt die Bilder und verschwindet wieder. Hmm, nächste Woche würde er Urlaub haben, das hätte ich mir also sparen können.

Die Rückfahrt gestaltete sich außerordentlich nervtötend. Zwar hatte ich den bereits bekannten Taxifahrer, der mir seinerzeit den Transportschein empfohlen hatte, doch dieses Mal meinte er mir einen weitaus längeren Vortrag über BG-Fälle zu halten. Es gab da nur ein Problem: Er hat gar keine Ahnung davon und wirft mit gefährlichem Halbwissen aus der Erfahrung eines anderen Taxifahrers um sich.

Das begann damit, dass er die Abkürzung "VBG", die für "Verbundsberufsgenossenschaft" steht, für Berufsgenossenschaft-Verwaltung hält und mich dann mehrmals korrigierte, wenn ich es korrekt benannte. Mittendrin meinte er, dass es falsch wäre, dass ich mit meiner Krankenkasse kommuniziere und sie mit mir, weil das alles nur und ausschließlich über die Berufsgenossenschaft läuft (was es nicht tut)! Es endete damit, dass er der Meinung war, dass nur die BG Geld auszahlt (die Krankenkasse zahlt für die BG das Geld aus) und ich für die gesamte Krankheitsdauer mein komplettes Nettogehalt bekomme (nach der 6. Woche erhält man nur noch einen prozentualen Anteil, i.d.R. 80%). Ich solle mich doch mal besser informieren.

Idiot!

Am Abend hatte ich noch einen netten Besuch, so dass der Tag wenigstens angenehm endete.


~ Montag 17.02.2014. ~
Gestärkt starte ich in die Woche. Die Physio startet wieder bei der Dame vom Anfang der vorherigen Woche. Sie holt mich aus dem Gang ab und es geht in Kabine 2. Ich biege ab und... hoppla, da steht schon jemand. Vor mir steht eine junge Frau mit Babyface, sieht aus wie eine Schülerin, vermutlich eine Praktikantin. Sie lächelt mich sehr schüchtern an. Umgehend wird sie mir als meine heutige Therapeutin vorgestellt.

Hä?

Tatsächlich, sie trägt ein normales Therapeuten-Namensschild. Ich mustere sie nochmal. Kann doch nicht sein, die ist doch nichtmal 18?! Na gut, ich sollte nicht allzu große Töne spucken. Wie einige von euch bereits wissen, musste ich vor knapp einer Woche bei Kaufland wieder mal meinen Ausweis zücken, weil ich ja so minderjährig aussehe...
Mir fällt ihr tiefer, locker sitzender runder T-Shirt-Ausschnitt auf. Prompt geht sie vor mir auf den Boden und... macht... irgendwas... ich glaube sie stellte die Pritsche tiefer.
Also Entschuldigung meine Damen, aber... naja, bedarf wohl keiner weiteren Ausführung.
Als sie aufgestanden ist und ich mich wieder konzentrieren kann, beginnen wir mit einigen Übungen.

Dabei stehe ich gerade und lege das Gewicht abwechselnd auf die linke und rechte Körperhälfte. Sie macht alle Übungen mit und wir beide werden mit Adleraugen von der anderen Therapeutin beobachtet. Mittendrin erwähnt sie von der Seite die Vollbelastung, also muss ich wieder erwähnen, dass ich noch keine Vollbelastung habe!!! Verdammt nochmal...!
Schließlich soll ich die Beine versetzt aufstellen, das linke Bein vorne, das Knie leicht anbeugen und mein Gewicht vorsichtig darauf legen. Vorsichtig lege ich also das Gewicht so weit nach vorne, bis es fast zuviel ist. Dabei halte ich mich nicht etwa an der Pritsche fest, sondern habe die Hände frei. Das Mädel macht die Übung ebenfalls mit, kann aber ihr Gleichgewicht nicht halten und greift mehrmals an die Pritsche. Ich grinse. Da sie nicht weiß worüber, wird sie noch etwas unsicherer. Naja, die Übungen sind okay, aber als dauerhafte Therapeutin könnte ich die Püppi nicht Ernst nehmen.

Nach gerade mal gefühlten 10 Minuten manueller Therapie, geht es weiter zum Gerätetraining. Ich mag die neue Physio immer noch nicht. Nicht nur, dass man dauernd zwischen der Handvoll Therapeuten herumgereicht wird, sie sich nicht das kleinste Detail über einen Patienten merken können... noch nichtmal seine standardisierten 20 Minuten Therapie bekommt man. Es kann doch nicht sein, dass das Alter-G, welches sie erst seit zwei Wochen besitzen, deren einzige "Die-sind-viel-toller-als-die-Anderen-"-Daseinsberechtigung bildet.

Das Alter-G selbst läuft viel angenehmer, die zwei Tage Ruhe vom Wochenende machen sich da unglaublich bemerkbar. So erhöhe ich weiter den Wert und bin bei 40% meines Gewichtes angekommen. An den darauf folgenden Geräten erhöhe ich ebenfalls geringfügig die Gewichte, die Anzahl der jeweiligen Wiederholungen oder die Einheiten.
Bei den Pausen zwischen den Geräten, wenn es besetzt war, kam ich mit den anderen Patienten ins Gespräch. Diese waren allesamt BG-Fälle und dadurch noch in einem Altersbereich, wo das sehr gut ging, so dass wir alle fleißig Informationen austauschten und Witze rissen.

Mit dem Abschluss der heutigen Therapie-Einheit lies ich mir wie gewohnt ein Taxi rufen. Es fuhr eine bekannte Fahrerin vor, die aber heute total komisch war. Am Anfang der Fahrt bevormundet sie mich dauernd und auf Gesprächs-Themen die ich vorgebe, reagiert sie gar nicht. Das letzte Drittel der Fahrt verbringe ich daher schweigend. Am Ende der Fahrt zückt sie einen Notizblock, ich warte kurz und sie faucht mir ein "na los, raus!" entgegen. Blöde Trine.


~ Dienstag 18.02.2014. ~
Zehn Minuten warte ich auf das Taxi. Ich zücke das Handy und frage nach, als... ach du grüne Neune: Es kommt. Und täglich grüßt das Physio-Tier. Der achte Tag seit dem Wechsel und wieder bin ich vor Ort. Überall hängen geschätzte sieben Aushänge herum, dass ein Therapeut krank geworden ist. Bei den sechs Leuten, die da arbeiten, fallen dann natürlich die Termine fast aller fünf Patienten um. So traf es auch mich und ich bekam für Donnerstag einen Termin für 18:15 Uhr verpasst. Waaaas? Warum nicht gleich 23:59 Uhr? Es nervte mich ja schon, dass mein heutiger Termin erst 16:30 Uhr startete.
Das Interessante an meinem ungewöhnlich späten Termin war jedoch, dass die vier anderen Patienten, mit denen ich stets am frühen Mittag trainierte, ebenfalls am späten Nachmittag zugegen waren. Dadurch waren meine drei Trainingsgeräte wie üblich belegt.
Im Alter-G laufe ich mit den Einstellungen von gestern, denn ich hatte am Abend noch etwas vor und wollte mich nicht zu sehr verausgaben. Doch der Ehrgeiz ist wieder größer, darum erhöhe ich wenigstens an der Beinpresse um zwei Kilo.
Später steige ich ins Taxi, erzähle der neuen Taxi-Dame vom Unfall, der Physio und von dem Lokal, wo ich mich gleich mit den Kollegen treffen würde und lasse mich nach Hause fahren. Dort ausgestiegen, gehe ich hoch, lege den Rucksack ab, ziehe mich kurz um und rufe das nächste Taxi. Wieder unten, vergeht genau eine Minute.
Dann kommt das Taxi um die Ecke. Ich erkenne anhand des Taxis und der Silhouette, dass es genau die gleiche Fahrerin ist. Ich steige ein, sie lacht und fragt, warum ich sie nicht gleich habe warten lassen. Ganz einfach, so wie ich das mitbekommen hatte, fahren die eigentlich umgehend zu ihrem alten Standplatz zurück. Oder vielleicht doch nicht? Nun, es zeigt nur, dass ich vom Taxifahrgeschäft null Ahnung habe.

Wir sind da. Zur nachgeholten Weihnachtsfeier meiner Firma. Zum gemeinsamen ErlebnisKochen. Als wir vorfahren, sehe ich einen Kollegen, der einem anderen Kollegen zuwinkt. Hier waren wir richtig. Ich erkenne ein weiteres Taxi vor uns. Ah, mein Chef und seine Frau. Er kommt direkt ans Taxi und wir begrüßen uns. Er hatte sich übrigens zwei Wochen vor meinem Unfall den Ellenbogen gebrochen, daher konnte er recht gut meine Quälerei der letzten Wochen nachvollziehen.
Wir betreten gemeinsam das Lokal, ich werde von allen begrüßt und komme kaum vorwärts, weil es viel zu besprechen gibt. Irgendwann schlage ich mich in die Umkleidekabine durch, und versuche mit den vermaledeiten Krücken im Schlepptau die Jacke auszuziehen. Dabei entgleitet mir eine Krücke, ich greife blitzartig hinter mich, bekomme die Krücke noch zu fangen, aber es macht *klatsch*.
Ich drehe mich um und bemerke, dass ich eine meiner Kolleginnen auf den Po gehauen habe. Hihi. Der erste Tag mit allen seit Langem und direkt eine sexuelle Belästigung. Ich hab's einfach drauf. :-)
Sie nimmt's gelassen und so schauen wir uns das Lokal an. Zwei Damen für die Getränke sind anwesend und zwei Herren, die Köche.

In den nächsten Minuten kommen immer mehr Kollegen, ich unterhalte mich mit allen und unter dem linken Hosenbein flattert mein Unterschenkel samt Knie vor Anstrengung aus der Physio und weil ich nun seit 30 Minuten auf den Krücken stand. Als wir 17 Kollegen sind, geht's los. Der Chef hält eine kurze Ansprache, dann stellt der älteste Koch seine Kollegen vor und verhaut sich direkt beim Namen seines Kollegen. Peinlich.

Während ich mich von Kollege zu Kollege vorwärts rede und erfahre, dass zum Teil meine Kapitel schon ausgefiltert werden (ich hab doch bereits geschrieben, du sollt mir Bescheid geben, wenn dich mein Gekritzel nervt, dann nehme ich dich aus der Liste raus), werden wir in vier Teams aufgeteilt. Vorspeise, Suppe, Hauptgericht und Dessert. Jeder muss dazu einen Stein ziehen, der eine Nummer enthält.
Ich zögere etwas, ob ich nicht nur den Zuschauer gebe, ziehe dann aber doch einen Stein. Team 4, Dessert. Der Koch weist darauf hin, dass alle die Menüs auf Unverträglichkeiten checken sollen. Oh, stimmt. Ich gehe alles durch. Sieht verträglich aus.

Dann geht es direkt los. Alle waschen die Hände, ich zusätzlich die Krücken. Die Teams verteilen sich und alle beginnen mit ihren Aufgaben, die auf Zetteln hinterlegt sind. Ich teile ein paar eingekochte Erdbeeren. Am Ende sieht das Brett aus, als hätte es ein Blutbad gegeben. Einen Kollege aus meinem Team bringt das auf eine Idee. Ich nehme das Messer, patsche mit der Hand in die rote Suppe, winkle den Zeigefinger an, lege das Messer an den gebeugten Finger und fertig ist das perfekte Verstümmel-Foto. Wir lachen uns einige Minuten kaputt und zeigen das Foto den Anderen.

Mir war das eine Glas Begrüßungs-Sekt bereits in den Kopf gestiegen, so dass das Stehen zunehmend schwerer fiel und ich bereits auf einem Barhocker Platz genommen hatte, den mir eine der Damen gebracht hatte. Den Rest des Abends bestellte ich nur noch Nicht-alkoholische Getränke. Da stand noch ein verlockendes Glas Rum rum, doch das diente leider als Zutat und sollte am Ende des Abends einem großen Feuerball dienen. Unsere Zubereitung, die dann den Rum enthielt musste eine Stunde lang ziehen.

Was ich für unser Team tun kann, ist erstmal erledigt, also nutze ich die Gunst der Stunde und laufe die anderen Teams ab, komme immer wieder mit den Kollegen ins Gespräch und schaue bei den eifrigen Zubereitungen zu. Das Hauptgericht ist ein Rinderfilet in Ananas. Das Fleisch wird kurz angebraten und dann in den Ofen gesteckt. Ich schaue auf die Temperatur: 75°C. Oh nein, nur zum warm halten. Erinnerungen von früheren Koch-Events kommen in mir hoch. Diese Profi-Köche mit ihrem Medium-Fleisch.
Zart hin oder her, ich finde das ekelhaft, halb-rohes Fleisch zu essen. Entweder gut durch gebraten, oder komplett roh, wie bei Sushi. Aber rohes Fleisch ist dann doch noch etwas anderes, als roher Fisch.
So gehe ich geschwind zum jüngeren Koch und frage, ob er meins durchbraten kann. Er nickt und meint, dass ich damit der Zweite wäre, der das wollte. Die Kollegin aus meinem Büro war schneller. Mir fällt eine zweite Kollegin ein, mit der ich mich ebenfalls mal darüber unterhalten hatte, also stürme ich zu ihr, hole mir die Bestätigung und kehre mit der Bitte eines dritten durchgebratenen Filets zum jungen Koch zurück. Er reagiert umgehend, wirkt aber leicht genervt. Mirdochegal!

Schließlich sind alle Teams soweit fertig. Ich hatte bereits seit einige Minuten am Esstisch Platz genommen, denn ich hatte einfach keine Kraft mehr zum Stehen. Durch das viele Gestehe und Gesitze, war mein Bein mittlerweile auch schon wieder zu einem Eisbein abgekühlt, was die Sache noch weniger angenehm gestaltete, doch ich hielt durch. Da ich am linken Ende  - aber nicht am unbesetzten Kopfende - des Tisches saß, konnte ich immer mal wieder die Wade massieren und das Knie ausstrecken und beugen, ohne die Anderen zu belästigen. Zwischendrin kam ich mit meinem Chef auf die Physio mit seinem Ellenbogen zu sprechen, denn offenbar wurde bei ihm im Zuge der OP noch gepfuscht, so dass er teilweise noch sehr große Defizite in der Beweglichkeit hat.

Es saßen alle am Tisch, da ruft der Koch das erste Team, um gemeinsam die Vorspeise abzuschließen und zu servieren. Wir essen. Am Ende kommt der Koch, lässt Team 1 nochmal aufstehen, erwähnt einen Pressesprecher des Teams, und dass der- oder diejenige doch einige Worte dazu sagen solle. Sehr ungewöhnlich, denn eigentlich hält man die Ansprache des Teams bei solchen Events vor dem Essen, da sind in Erwartung auf das Essen selbst, alle immer weitaus entspannter.
So wird das eher eine verklemmte Nummer, denn keiner will sich so richtig dazu äußern und wer sich zuletzt setzen will, verliert.

Bei Team 2 läuft es genauso, es wird gemeinsam vorbereitet und serviert. Dann mundet uns die Suppe und es soll wieder aufstanden und etwas gesagt werden.
Team 3 hat die gleiche Prozedur mit dem Hauptgericht. Auch mein durchgebratenes Fleisch ist sehr zart, während die Anderen ihr Medium-Filet verschlingen. Urghs. Naja, Jeder wie er es mag.

Dann ist Team 4 dran. Weil das Spiel mit dem Feuer zu gefährlich ist, macht der Koch selbst mit und schließt unser Essen ab. Weil sich nach dem Hauptgang alle angeregt unterhalten, geht der Feuerball jedoch beinahe ungesehen unter. Allerdings war einer der Kollegen mit seiner digitalen Spiegelreflex so auf Zack, dass er den Moment perfekt auf zwei Bildern festhalten konnte.
Dabei ist zu erwähnen, dass uns groß angekündigt wurde, dass eine der Damen des Lokals den ganzen Abend alles fleißig fotografieren würde. Doch während sie es den ganzen Abend auf vielleicht 10 Fotos brachte, machte unser Kollege die richtig guten Fotos in weitaus größerer qualitativ hochwertigerer Menge und war stets an den Brennpunkten zugegen.

Alle sind soweit satt, der Koch kommt an den Tisch. Team 4 musste am Ende nichtmal aufstehen, vermutlich wegen mir, so fiel bei uns aber auch die Ansprache unter den Tisch. Dann hält er eine Rede über den Abend und unser Chef verkündet das Ende des offiziellen Teils.

Da mein Gesamtzustand rapide schlechter wird, nehme ich die Gelegenheit wahr und rufe ein Taxi.

Insgesamt ein sehr schöner Abend, aber das Lokal kann noch an einigen Details feilen. Denn ich als Gast sollte auch nicht unbedingt die Angestellten darauf aufmerksam machen müssen, dass keine Handtücher mehr für die Toiletten vorhanden sind.

Das Taxi fährt vor. Ich bedanke mich für die Einladung, verabschiede mich von allen und kündige an, in den nächsten Tagen bei schönem Wetter, wenn es mit der Physio passt, mal im Büro vorbeizuschauen, um ein paar Luftaufnahmen unseres Bürogebäudes für die Website zu machen.

Auf der Rückfahrt fallen mir einige Aussagen der anderen Taxifahrer ein, wie mies sich die Klienten Nachts teilweise verhalten, gewalttätig werden und am Ende der Fahrt aus dem Auto flüchten ohne zu zahlen.
Tatsächlich ist der Fahrer unglaublich nervös und beobachtet jede meiner Handbewegungen. Als er an meinem Haus hält, schnallt er sich umgehend ab, legt seine Hand auf den Türöffner und zieht ihn schon leicht. Weil meine Krücken ja nur eine Masche sind und ich jetzt die Zeche prelle und abhaue. Oder so ähnlich.
Oben angekommen, lege ich mich kurz auf die Couch, bringe mein Bein auf Temperatur und verschwinde sofort ins Bett. Denn früh am Morgen stand die nächste Physio an.


To be continued... nächstes Kapitel: Weg mit dem Dreck

 

 

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Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850