Hi Team!

- Endspiel -
Zwei Möglichkeiten. Direkt in die Behinderung oder zurück ins normale Leben. Obwohl: Auf der handgeschriebenen ärztlichen Risiko-Liste für den Eingriff prangerte als erste genannte mögliche Komplikation diesmal, groß, mit drei Buchstaben: T o d

Aufbauend. Ich möchte bitte einen blauen Rollstuhl, sagte ich bei der Voruntersuchung. Das Lachen des Arztes wich schnell.

Den Donnerstag gemeistert, Montag 05:50 Uhr mit dem besten Kumpel im Krankenhaus. Angemeldet und wie im Zettel beschrieben (und beim letzten Mal), direkt auf die Station. Der bekannte Herr Schwester lief mir in die Arme. "Was wollen Sie denn hier?" flötet er... ähm, ich gab an, mich ordnungsgemäß zum Appell einzufinden. "Nee, wer hat Sie hoch geschickt? Hier sind Sie falsch, Sie werden über den Eingang zum ambulanten OP abgefertigt, weil Sie jetzt direkt 6 Uhr dran sind." Oh! Auf Nachfrage ließ ich Koffer und Krücken oben und begab mich runter.

Rrrrring, rrrring... an der ambulanten OP-Tür: "Aha, aha, ja, okay. Wo sind Ihre Unterlagen?" Grrrr, auf Station. Wieder hoch, wieder runter. "Schlechte Nachrichten, ihre OP wurde verschoben." Auf? "Naja..." 9 Uhr? Sie nickt verhalten. Super.

12:30 Uhr... werde ich schließlich zurück auf Station geschickt. Kaum hingesetzt, kommt der Anruf. 12:40 Uhr versende ich die letzte Nachricht: Es geht los!


- Gefährlicher Tausch -
Leck-mich-Pille gibt's keine, bringt eh nichts. Mit dem sexy Netz OP-Höschen und Kleidchen geht's den altbekannten Weg zu den OP-Sälen. Im OP-Warteraum treffe ich einen der beiden älteren Herren, die ebenfalls mit mir von 06:00 - 12:30 Uhr gewartet hatten, bevor wir auf unterschiedliche Stationen kamen. Ein kurzes Geplänkel später wird er vorbereitet und kommt in Saal 11.
10 Minuten danach werde ich vorbereitet; für Saal 12. Ich bitte den Mann in Grün am OP-Plan nachzuschauen, ob wirklich mein gewünschter Professor Hepp die OP vornimmt. Er liest laut vor: "D o k t o r Theopolt"

WAAAAS?

Ein Blitz durchfährt mich. Nicht nur nicht Hepp, sondern stattdessen der Gift-Zwerg? Diese kleine sozial-inkompetente Mistkröte von Arzt entscheidet über meine Zukunft?

Zur Erinnerung, aus den alten Kapiteln: Von insgesamt 3 Kontakten fügte er mir 2x direkten unnötigen physischen sowie 1x psychischen Schaden zu; mit seinen Genesungsprognosen eines 85jährigen Drogenabhängigen rauchenden Alkoholikers, so dass ich entschieden hatte: Wenn ich ihn jemals wieder sehen sollte, würde ich ihn als ersten Arzt überhaupt, ablehnen.

Scheiße. Da lag ich nun, das Herz hämmert in der Brust. Angst. Wut. Aufregung. Zukunft? Das EKG piept hektisch im Takt. Ich erwähne, dass ich das Metall wieder mitnehmen möchte, um meine Collage abschließen. Außerdem, dass ich mir am Freitag ein Handgelenk verstaucht und am Samstag einen mittelstarken Stromschlag bekommen hatte; vermerkt. Ein normales Wochenende. Sie spritzen das erste Schmerzmittel, umgehend verschwimmt die Umgebung zu einer wabernden Masse. Der Anästhesist fordert 350mg der Betäubung an, guckt mich nochmal an, korrigiert auf 300. 2... 1... aus.


- Das, was du zurücklässt -
Vom Eisen befreit sind Knie und Knochen
Durch des Doktors holden, belebenden Schnitt;
Auf der Trage grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Rentner, in seiner Schwäche,
Zog sich ins alternde Heim zurück.

Shaka, als die Mauern fielen... uff... Ich erwache zertreten aus einem kurzen Traum. Der erste Tropf wird angeschlossen. Der Aufwachraum ist ein Anderer. Hier stehen heute mindestens 8 Patienten in separaten Zellen und Reihen. Viele sind verwirrt, schreien orientierungslos, röcheln, überall piept es. Das Personal rennt im Laufschritt von Bett zu Bett. Krankenhaus ist die Hölle.

Ich bewege den Fuß; Check. Kniescheibe angespannt; Check. Bein gehoben; Check. Bein leicht angewinkelt; Check, bis die Bandarierung mich hält. Fußspitze zum Körper ziehen. Uuuh, fühlt sich an wie ein Wadenkrampf. Das kenne ich! Passt. Aber ist das Metall raus? Ich frage danach. Anders als beim letzte Mal, liegt das Tütchen nicht mit im Bett. Mist.

Ist das Metall wirklich raus? Oder haben sie die Schrauben-Köpfe abbrechen müssen? Ich habe kein Manschetten-Gefühl mehr, doch das kann auch der Schmerz überdecken. Ungewissheit. 30 Minuten später geht's auf Station.


- Dies sind die Abenteuer -
Hmm, ein Zimmer auf der gegenüberliegenden Seite und am Ende des Ganges. Abgeschieden. BäM, Fensterplatz. 16:35 Uhr. Ein älterer Herr neben mir. Martin, 67. Sieht man ihm nicht an. Modellflieger und Segelflieger. Wir kommen sofort miteinander klar. Von der Leiter gefallen, Verse gebrochen, wartet seit 3 Tagen auf die OP.
Er plaudert viel. Pausen? Macht er keine. Er redet ohne Unterlass. Ohne Punkt und Komma.

Das stört mich gerade etwas. Jedes Wort dröhnt im Schädel. Mir wird schwindelig, ich unterlasse die sozialen Geräusche, es dreht mich weg. Eine Stunde später. Hundeelend. Kreislauf im Keller. Schwestern kommen herein und sehen wie bleich ich bin. Blutdruckmessung. Fürchterliche Werte. Ich trinke viel. Neben mir läuft die Schallplatte und haut im Minuten-Takt 3 Kalauer heraus. Schlaf. Gegen 22 Uhr stabilisiere ich mich langsam. Mehr Schlaf.

Der nächste Morgen. Ruhige Nacht, eine schöne stille Ecke. Die Visite kommt dank vieler Zimmer erst 7 Uhr an. Alle Schrauben raus? "Ähm, sonst bekäme man die Platte nicht heraus." sagt der sichtbar überrumpelte Arzt. Ungenügende Antwort. Hätten sie die Köpfe abgebrochen, wären die Gewinde noch drin, aber trotzdem die Platte raus.

Die Physio schaut vorbei, macht kurze Tests, an Krücken humpeln funktioniert. Da hat die Mistkröte offenbar zumindest fachlich gute Arbeit geleistet.

11:45 Uhr, röntgen. Und endlich die Gewissheit! ALLES IST RAUS!!!
 
Die Rückkehr ins normale Leben beginnt und die Geschichte ist somit: Aus.

 

 

Der Stadtpark, unendlich Weiten. Dies sind die Abenteuer des nicht-länger-bionischen Mensches Carsten-prise, der unterwegs ist, um fremde Wege zu entdecken, unbekannte Sportreformen und keine Krankenhausstationen. Der Carsten-prise dringt dabei in Physiotherapien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

 

Mit freundlichen Grüßen

 Carsten Zinke

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