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Hallo alle zusammen,
da mein Erlebnisbericht insgesamt wohl sehr gut angekommen ist und nach mehr verlangt wurde, setze ich an exakt dem Timestamp wieder ein.
Vielen Dank für all die lieben Mails, Telefonate und Besuche. Aus aktuell herrschendem Zeitmangel, schaffe ich leider nicht auf alle Mails im großen Stil zu antworten. Viele Antworten werdet ihr im Text finden. Viel Spaß beim Lesen. Wenn du nicht an dem Mist interessiert ist, sag einfach Bescheid, dann nehme ich dich aus dem Verteiler raus. :-)
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Die Nacht von Sonntag zu Montag verlief super.
Also bis auf die völlige Schlaflosigkeit, die Schmerzen, dem Piepen, Kreischen, Grölen, Rauschen, Knacken, Blubb, Dröhn, Laber, etc. pp. und so weiter. Als ich gegen 00:30 Uhr aus unerfindlichem Grund aus dem Schlaf aufwache und sofort hellwach bin, beginne ich die Geräuschkulisse zu analysieren.
Vor dem Fenster musste sich irgendwo eine riesige Lüftung befinden, weil es 24h am Tag so klang, als würde ein Hubschrauber in Standschwebe über der Stadt verweilen. Ich glaubte schon die Amazon-Streikenden hätten bereits die Stadt übernommen und überall brennende Wälle aufgebaut.
Jedes Mal wenn ein Patient den Ruf-Knopf drückte, piepte es alle 10 Sekunden schrill über den Flur, bis sich eine Schwester dessen annehmen würde.
Murmeln an allen Ecken und Enden. Es knarrte, Schmerzensschreie, Sachen wurden fallen gelassen, Betten von A nach B gezogen.
Alle 60 Sekunden ertönte undefinierbar in der Wand ein sanftes Klicke-di-Klicke-di. Hörte sich nach Videospiel an. An der Wand klickt dauernd eine Elektronik. Vielleicht aus dem Nachbarzimmer?
Auf der Straße grölten 4-5 Leute ständig ein Fußballergebnis, zusammen mit NOOOOT-AUF-NAAHMEEE-1-2-3-1-2-3.
Ich versuchte die Punkte an der völlig weißen Decke zu zählen. Ohne Licht. *seufz*
Mein Bettnachbar #1, Christian, quälte sich unterdessen bei jeder Drehung. Bänder-OP in der linken Schulter. Sympathischer Kerl im meinem Alter, wir hatten viel zusammen gelacht die letzten Tage. Es klang so, als könne er auch nicht schlafen. Er bestätigte dies am nächsten Morgen.
Tick-Tack-Tick-Tack... ich versuchte von Einemillion an rückwärts zu zählen. Albern. Bei Neunhundertneunundneunzigtausendneunhundertachtundneunzig breche ich ab. Ich lag einfach nur noch regungslos da, hatte die Augen zu und war wach. Stundenlang. War gar nicht schwer. Na gut, mittendrin habe ich auch mal ein paar Games gezockt.
05:30 Uhr, die Tablettenschwester reisst die Tür auf, rauscht herein, sieht dass ich wach bin, haucht ein Guten Morgen, stellt die Tabletten auf den Tisch und entschwindet mit dem selben Lufthauch, den sie mitbrachte.
06:30 Uhr, ich höre wie vor der Tür unter Anderem mein Name fällt und mehrere Leute in unsere Fälle eingewiesen werden. Die Tür fliegt auf, volle Saalbeleuchtung, im Gleichschritt und im Gänsemarsch zischen drei Doktoren, zwei Schwestern, eine Therapeutin und ein täglich wechselnder zusätzlicher Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen herein. GUTEN MORGEN HERR ZINKE. ICH BIN DOKTOR SIESINDJETZTWACH. WIE GEHT'S IHNEN DENN?
Mir lag kurz auf der Zunge, zu sagen: Waaas? Gewitter???
Ich nannte die 30 Minuten Schlaf, den konstanten lähmenden Schmerz und die Warterei. Er nannte erneut die Queue und dass die Chance heute gut steht. Zack, zum Nachbarn. Der stellte die Frage, was denn bei seiner Schulter-OP gemacht worden wäre.
Schweigend ins Gespräch vertieft, saßen stehend zu dritt vier kompetent ratlose Ärzte auf einem Schlauch voller Fachwissen.
Sie lasen vor, was auf dem Klemmbrett stand, hatten aber nicht das geringste Detail zum OP-Vorgang. Innerliches bereits dreimalig vorgekommenes Kopfschütteln bei meinem Bettnachbar. Wuuuusch, Tür zu, alle weg, voller Spot an.
06:50 Uhr, Moin. Jemand saust ins Bad und wischt und wienert und duscht und wässert und rutscht wieder nach draußen.
07:00 Uhr, Moin. Jemand stößt die Mülltonne auf, wischt um die Betten, um die Nachti... ach egal, wir gucken ja doch nicht. Raus.
08:00 Uhr, Frühstück! Was wollen Sie denn? Ach Herr Zinke, Sie kriegen ja nichts, wegen der OP heute. Toll, das hatte ich nun schon zu oft von ihr gehört. Bisher brachte sie dann trotzdem immer was.
10:00 Uhr, hmmmm... sie kommt gar nicht wieder.
12:00 Uhr, Mittagesse... äh... Moment. Eine unbekannte Schwester im grünen Kittel bringt einen kleinen Schnapsbecher mit einer noch kleineren Pille drin. "Bitte sofort einnehmen." Meine Leck-mich-am-Arsch-Pille? Sie nickt.
Oh verdammt.
Fünf Minuten vergehen.
Leipzig. 12:05 Uhr. Das Herz rast, die Frisur sitzt. Drei Krankenhaustagebett Taft.
Die Schwester kommt wieder und schiebt mich aus dem Zimmer, ich höre noch ein "Viel Glück". Sie schiebt mich von der Station in den großen Aufzug. Wir fahren ins EG. Einmal rechts, zweimal links und wir sind da. In einer Auffangkammer vor dem OP-Saal. Ich muss vom Bett auf einen viel schmaleren (vermutlich transportablen OP-Tisch? Ich nenne sie jetzt mal:) OP-Trage wechseln. Aber erstmal mussten sie in einem Wendemanöver mit drei Zügen aufgrund Platzmangels das Bett an die Trage bringen.
Weil ich das Anheben und Herumwuchten meines Unterkörpers die letzten Tage etwas geübt hatte, gelang mir das ohne große neue Schmerzen zu erzeugen, zudem die Schwester meine Bein-Schiene sehr synchron mit hob.
Ich wurde eingefahren auf Abstellgleis 1. In der Kammer 2 neben mir lag eine Frau, die mich anschaute, aber die Augen dauernd verdrehte. Ich wunderte mich, ob das hier auch der Aufwachraum sei, das würde aber eigentlich keinen Sinn machen. Vermutlich gäbe es parallele OP-Sääle über einen Hauptkorridor.
Eine neue Anästhesistin stellte sich vor. Denn am Samstag war bereits eine bei mir im Zimmer aufgetaucht und hatte ein zwanzig-minütiges Gespräch mit mir geführt. Dabei hatte ich ihr die Spinal-PDA mit den Rückenmarksnadeln ausgeredet (ihre meist genutzte bevorzugte Methode), so dass ich über die normale Flexüle das Narkosemittel bekommen würde. Sie erklärte mir den weiteren Verlauf, wie man mich dann langsam narkotisieren, eine Sauerstoffmaske aufsetzen, und nach dem Wegtreten den Tubus einsetzen würde.
Diese neue Dame fing nun mein ehemals ausgefülltes Datenblatt von vorne an aufzurollen... ich wurde etwas unruhig, blieb aber konzentriert, denn so entstehen Fehler! Sie fragte noch meinen Namen ab, mein Geburtsdatum. Dann sagte sie: So, wir operieren also Ihr rechtes Knie. Wie ein Blitz durchfuhr es mich. Ich setzte mich ruckartig auf und rief: "WAS??? NEIN!!! LINKS!!!" Folgend sagte ich noch: "Oh Mann, hätte ich doch nur, wie geplant, auf mein rechtes Knie einen großen Pfeil nach links gezeichnet."
Unter mir lachte es. Die Anästhesistin hatte sich an einem flachen Tisch hingehockt, unterzeichnete Unterlagen und kicherte vor sich hin: "Keine Angst, war nur ein Test."
Ich versuchte zu entspannen, gab ihr gegenüber allerdings sofort an, dass ich aufgrund meines hämmernden Herzschlages (der mich fast auf der Trage rumhüpfen lies) doch noch moderat aufgeregt wäre und die Zeitspanne wohl zu kurz war, denn nach Leck-mich fühlte ich mich nicht. Sie meinte, sie würde über den Tropf zusätzlich das Mittel verabreichen.
Wobei ich an dieser Stelle erwähnen muss, dass ich mir nicht genau vorstellen konnte, wie sich die Wirkung dieses Leck-mich-Mittels genau äußern sollte.
Auch meine bisherigen zwei Vollnarkosen in meinem Leben verliefen zumindest anders als bei Anderen, so dass ich mich bis zum Ende an alles erinnerte und mit dem Aufwachmittel sofort wieder voll und klar da war, wenn auch müde. Selbst die komplette Erinnerung war stets gegeben, anstatt (wie wohl üblich) die folgenden 30 Minuten zu vergessen und sinnlos vor sich hin zu sabbern. Dadurch war ich neugierig, fragte und beäugte alles. Bei der zweiten Narkose wurde mir das fast zum Verhängnis, denn ich wachte bei 90% der Operation bereits auf und erlebte die letzten 5 Minuten hautnah. Zum Glück wurde da nur kontrolliert und alles aus mir... ähm... herausgezogen.
Der größte Unterschied war diesmal die Zeit. Die letzten beiden Male überstieg die Dauer der Narkose keine 30 Minuten.
Die erste Schwester schnappte sich meine Trage und schob mich mit der Anästhesistin in den Hauptkorridor. Dieser war ca. 5 Meter lang und überall an der Seite waren Geräte aufgebaut. Vor mir befand sich eine große grüne Metalltür mit zwei nebeneinander stehenden Fenstern, ca. 30x30 groß. Ich setzt mich auf. Ohne Brille blickte ich hindurch, in große Halogen-OP-Strahler und sah 5-7 Köpfe, die sich auf eine Stelle konzentrierten. Einer der Köpfe drehte sich laaangsaaam genau zu mir um, schaute mich für 2 Sekunden an und drehte sich wieder weg. Es vergingen 5 Sekunden und plötzlich fuhren in den kleinen Fenstern silberne Mini-Rollos nach unten.
Grmpf...
Die Anästhesistin hüpfte dauernd um mich herum, schloss rechts an der Flexüle einen Tropf an, dessen Inhalt (die vermutete Leck-mich-Flüssigkeit) sehr kalt war, so dass ich ein kurzes erschrockenes "huch, da war aber komisch" von mir gab. An meinem aufgeregten Zustand änderte sich leider nichts. Sie schaute nochmal und es wurde angenehmer.
Dr. Hepp erschien links neben mir im vollen OP-Dress und begrüßte mich. Vermutlich würde es in ca. 5 Minuten losgehen, wenn die andere OP abgeschlossen wäre.
Noch immer sprang mal rechts, mal links von mir die Anästhe......................
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Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850