Freitag der 13., Kapitel 15: Terminator-Mobilisierung des Nemesis' beim D-Arzt
Dienstag, 07.01.2014.
Der Tag startet etwas träge. Obwohl die ersten Morgenstunden seit meiner temporären Invalidität immer extrem schnell weg rennen.
Wenn ich gegen 6 Uhr auf die Uhr schaue und 7 Uhr aus dem Bett flüchte, 8 Uhr im Wohnzimmer angekommen bin und 9 Uhr das Licht anschalte, ist es bereits 10 Uhr, wenn ich auf der Couch angekommen bin. Zum Glück bin ich 11 Uhr schon zur Hälfte fertig angezogen, wenn die Physiotherapie 12 Uhr startet. Als ich 13 Uhr noch dabei bin und 14 Uhr erst Zuhause erscheine, bin ich 15 Uhr soweit angekommen, damit ich 16 Uhr den Fernseher einschalten kann. 17 Uhr bemerke ich, dass der Fernseher noch läuft und ich noch nichts davon mitbekommen habe, also schreibe ich 18 Uhr ein paar Texte, beginne 19 Uhr das Abendbrot zu machen und esse gegen 20 Uhr. Schon 21 Uhr schaue ich in die jeweiligen Filme oder Serien rein, 22 Uhr starten meistens die Neuen, 23 Uhr versuche ich die Medikamente zu nehmen und die mittlerweile immer nerviger werdende Thrombose-Spritze anzusetzen. Komischerweise erst 0 Uhr bemerke ich, dass es fast 1 Uhr ist, begebe mich ins Bad und auf die Couch, um dann 2 Uhr ins Bett zu wechseln. Wo ist der Tag hin? Gestern? Heute. Morgen! Alles nur noch eine Masse.
Aber der Reihe nach.
Die Physio sollte gegen 12:35 Uhr starten. Oh, wieder im 5. OG, bei der Dame, die mich initial aufgenommen hatte. Erneut sitze ich im Wartebereich neben 6-8 Greisen, die sich äußerlich und Körperhygiene-technisch gehen lassen oder aufgegeben haben. Hier lassen sich ja direkt ein paar Freundschaften knüpfen... NICHT.
Nur die Therapeuten sind in meinem Alter, aber die interessieren sich natürlich nicht für einzelne Patienten, da sie tagtäglich eine große Anzahl an Leuten abarbeiten müssen. Zumal man sich in medizinischen Berufen ja ohnehin nicht mental auf seine Patienten einlassen sollte. Fällt also weg. Vielleicht wird sich das ja in einigen Wochen bei der Reha ändern...
Wir machen diverse Übungen in einem abgetrennten Doppelzimmer, das den Flair eines alten Schulzimmers versprühte. Ich strecke, beuge, biege, neige, drehe und bewege das Bein, das Knie und den Fuß. Dann beginnt sie wieder zu massieren... äh... mobilisieren.
Sie mobilisiert also die Kniescheibe und... huh.... bewegt ihre Finger plötzlich... uurgh... in Richtung meines Terminator-Skeletts, der Platten und... aaaaargh... Schrauben und beginnt auf ihnen.... WAAAAAAAARGH... herumzukneten. Welch' uuuuuuunglaublich unangenehmes Gefühl. Sämtlicher Knochenschmerz der letzten Wochen sammelt sich nun zwischen ihren Händen und lässt mich auf der Pritsche verkrampfen.
Ich sage ihr das, dass sie direkt auf den Platten und Schrauben ist, und es sich unangenehm anfühlt, doch sie grinst nur und macht weiter. Gehört wohl offenbar dazu. Na toll, ich fühle mich echt mobil... genug um zu flüchten...
Dann folgt mit der Lymph-Drainage wieder der angenehmere Teil der Behandlung... nach 60 Minuten bin ich raus und lasse mich nach Hause bringen. Öhm... ich versuche es zumindest.
Wie auch am Ende der letzten Behandlungen, stehe ich an der Rezeption und lasse mir bei dem üblichen Unternehmen ein Taxi rufen - immerhin ist bei denen mein Transportschein hinterlegt. Fünf Minuten vergehen. Dann kommt ein äußerlich abgewrackter Herr durch die Haupteingangstür. Da über 75% der Taxifahrer/innen so aussehen und am ehesten dadurch auffallen, dass sie bei Temperaturen um den Nullpunkt ohne Jacken herumrennen, habe ich für sie mittlerweile einen Blick entwickelt.
Davon ausgehend, dass das mein Taxifahrer ist, will ich gerade aufstehen, als er mich grüßt und an mir vorbei in Richtung der Rezeption läuft und beim Treppenaufgang verschwindet. Hmm, war offenbar ein Fahrer für jemand Anderes oder ein Kurier.
Weitere fünf Minuten vergehen. Der Typ kommt aus dem Treppenaufgang heraus, steht einige Minuten an der Rezeption und vertieft sich, als er dran kommt, kurz mit den Damen ins Gespräch. Mir war das ziemlich suspekt. War das doch mein Fahrer? Ich versuche ein großes Ohr zu machen, immerhin sitze ich nur ca. 6m entfernt. Doch ich kann meinen Namen wegen den vorbeifahrenden Autos und dem allgemeinen Krach nicht heraushören. Schließlich kommt ein anderer Patient auf Krücken aus dem Treppenaufgang heraus und begrüßt den Taxifahrer. Er grüßt zurück, ich höre ihn noch sagen "schon weg" und er läuft mit dem anderen Patienten an mir vorbei und verlässt die Klinik. Das gibt's doch nicht.
Ich warte weitere fünf Minuten und gehe nach insgesamt 18 Minuten Wartezeit wieder an die Rezeption zu dem Herren, der mir das Taxi auf meinen Namen gerufen hatte und frage, ob er nochmal anrufen kann, weil kein Taxi kommt. Er antwortet: "Ja, der war schon da, hat Sie aber nicht gefunden und uns nach Ihnen befragt. Wo waren Sie denn?"
Mir entfährt ein Lacher und ich gebe an, dass ich die ganze Zeit über geduldig ca. 6m von ihm, in Blickrichtung entfernt, im Foyer saß und frage, wo ich denn groß hin sollte mit den Krücken. Auf die Bahamas? Die hatten also doch über mich geredet und konnten vom Rufen des Taxis bis zur Frage der Taxifahrers meinen Namen nicht mehr mir zuordnen.
Applaus, Applaus.
Er äußert sich nicht mehr und ruft direkt ein neues Taxi, gibt aber am Telefon an, dass der Taxifahrer einfach ohne mich weggefahren wäre. Jaja, Glashaus, Steine und so...
Schon sitze ich wieder auf den Bahamas. Äh, im Foyer. Fünf Minuten vergehen. Grrrr... es war kein einziges Taxi vorbeigefahren. Zehn Minuten sind vergangen. Ich überlege wieder an die Rezeption zu gehen, da tönt es meinen Namen von der Seite aus Richtung der Rezeption. Was zum... der Taxifahrer kam aus der Richtung des Treppenaufganges. Ich folge ihm und wir gehen auf dem Hof, wo das Taxi steht. Komisch, der Innenhof sah nicht so aus, als hätte man ihn mit dem Auto verlassen können. Wir fahren an einen paar Holzaufbauten vorbei in Richtung eines Metalltores, fuhren aber versetzt auf es zu, da es vom Tor aus gerade runter direkt in eine Tiefgarage ging. Oh, jetzt sah ich es... dieser versetzte Weg parallel zur Tiefgarageneinfahrt endete kurz vorm Tor. Links und rechts jeweils nur ein Zentimeter Platz, schiebt er sein Taxi gekonnt da durch.
Wieder Zuhause, bin ich gerade im Haus und die Tür fällt hinter mir zu, als der Hausmeister sie wieder öffnet und mich anspricht. Er wollte gerade bei mir klingeln und fragen, ob ich die Papiertonnen von draußen in den Innenhof tragen könnte. Offenbar hatte er eine Sehnenscheidenentzündung oder irgendeinen Bruch, denn sein rechter Unterarm lag in einer Schiene. Während ich mich fragte, wieso er davon ausging, dass ich tagsüber Zuhause wäre (er weiß doch von meiner Arbeit und wusste nichts vom Unfall), sieht er meine Krücken und meint: "Na da brauche ich dich wohl nicht zu fragen."
Ich erzähle kurz was passiert ist, er klingelt bei einem anderen Hausbewohner, wir wünschen uns gegenseitig gute Besserung und ich schieße wie ein Kanonenkugel nach oben... oder so ähnlich.
Bis in den späten Nachmittag hinein schmerzt das Knie an den mobilisierten Stellen... irgendwann blende ich es schließlich einfach aus... oder schlafe es vor Erschöpfung weg... Tag gelaufen.
Mittwoch, 08.01.2014.
Juhu, der zweite reguläre D-Arzt Termin. Doch da gab es zwei Probleme: Der D-Arzt Termin ist mit 11:05 Uhr angegeben. Wie bereits erwähnt, war die Zeugenaussage bei der Polizei jedoch mit 17:30 Uhr terminiert. Nur 6½ Stunden dazwischen? Guter Scherz.
In dem Wissen, dass die Uhrzeit keine Rolle spielen würde, warte ich, bis das Catering mein Mittag bringt und starte dann in Richtung Universitätsklinikum. Aus dem Erfahrungswert der letzten beiden Male, nehme ich mir eine Packung Leibniz-Kekse, eine Flasche Mineralwasser und den Handheld mit.
Es ist 09:20 Uhr, als ich an der Rezeption auftauche. Oh, wieder die Nette mit der Brille. Sie trägt mich ein, ich zähle durch: 36 Leute, keiner meiner ehemaligen Bettnachbarn dabei.
Wieder sichere ich mir zwei Plätze direkt am Gang zu den Behandlungsräumen, um die Beine hochlegen zu können. Neben mir ein Ehepaar, die Frau ca. 60 Jahre alt, hat eine ganz leichte Schlinge um den Hals sowie Oberkörper, stiert lethargisch vor sich hin, fängt dauernd an zu heulen und schniefen. Ihr Mann beruhigt sie immer wieder. Mir gegenüber ein paar außerordentlich maskuline ältere ungepflegte dicke Frauen und ein dürrer nerdig aussehender leicht debil rumgrinsender junger Mann, der auf dem Netbook irgendein Strategie-Spiel zockt und alle um sich herum blöd vollsülzt. Dazu einige ältere Leute in Rollatoren. Mal sehen, wer heute zuerst die Nerven verlieren würde.
Die ersten 30 Minuten vergehen und ich habe soweit alle Mails durch. Ich will gerade den Handheld aus dem Rucksack holen, da fällt mir ein, dass ich noch fünf Stunden sitzen würde und seit zwei Tagen noch nicht eine Zeile zum aktuellen Kapitel geschrieben hatte. Hmm, das ist doch die ideale Gelegenheit. So beginne ich im Stil der stationären Behandlung erneut im Notizblock des Telefons das Silvester-Kapitel zu schreiben.
Die Stunden vergehen... 10:30... 11:30... 12:30... 13:30... ich verliere die Lust und pausiere. Hinter mir wurde mittlerweile ein Fernseher eingeschaltet und aktuelle News zu Schumis Gesundheitszustand laufen. Immer wieder rauschen Doktoren, Assistenten und Schwestern an mir vorbei... auch die jungsche Blonde war wieder da.
Und... oh nein... der bekiffte Arzt ebenfalls... verdammt, ich wollte nicht wieder zu dem irren Drogen-Opfer!
Von der Frau neben mir hatte ich mittlerweile rausgehört, dass sie dement ist und der Mann bloß ihr Lebensgefährte. Sie stiert weiter nur sinnlos auf einen Punkt, heult alle 30 Sekunden für 20 Sekunden. Tränen kommen da keine. Immer wieder will sie aufstehen und weggehen, dann setzt ihr Lebensgefährte sie wieder hin, füttert sie und redet ihr gut zu. Fehlte eigentlich nur noch, dass sie sabbert. Und in die Hose macht.
Ich esse, trinke, drehe mich mal auf die andere Seite und fange wieder an zu schreiben... 14:30... 15:00... noch zweieinhalb Stunden... also effektiv nur zwei Stunden, schließlich musste ich noch raus hier, nach Hause und von einem Freund dann zur Polizei gefahren werden. Oha, heute war ich der Erste, der die Nerven verlieren würde... nach gerade mal sechs Stunden...!
Das Wartezimmer ziemlich leer, nehme ich die Krücken und gehe an die Rezeption. Dort frage ich, wie lange es noch dauern würde und gebe an, dass ich 17:30 Uhr bei der Polizei zur Zeugenaussage müsse und deshalb gerne in spätestens eineinhalb Stunden raus wäre. Die Nette schaut in die Abarbeitungsliste und meint: "Hmmmmmmmm, wird knapp, aber könnte klappen." Ich setze mich wieder hin.
Eine Dame, nur unwesentlich älter als ich, saß bereits seit 8:45 Uhr. Kurz vor 15 Uhr kam ein Freund vorbei, mit dem sie sich in Rage redete. Nach mir nahm sie nun ebenfalls die Gelegenheit wahr und fragt an der Rezeption. Plötzlich ruft sie laut durch den Raum: "WAAAS? IMMER NOCH FÜNF LEUTE VOR MIR??? DAS IST DOCH WOHL EIN SCHERZ!!!???" Sie zetert an ihren Platz zu ihrem Freund zurück und sagt: "Fünf Leute? Die spinnen. Das tue ich mir nicht an." Ahja... nach sechs Stunden Wartezeit fünf Minuten vor der Angst abhauen. Das macht Sinn!
Die maskulinen Dicken verspüren nun auch den Drang und fragen nach. Sie bekommen die Info, dass sich noch 7 Patienten in der Warteliste vor ihnen befinden würden. Mist, warum hatte ich nicht nach der Anzahl der Leute gefragt?
15:30 Uhr... ich sitze auf glühenden Kohlen. Ich bemerke eine gewisse Bewegung. Oh achso... das kam nur von der Schichtablösung. Die Nette und die Dicke von der Rezeption packen zusammen, die Dünne bleibt da. Mist, auch die junge Blonde verschwindet! Obwohl... das hieße ja, dass auch der Drogen-Arzt Feierabend haben könnte... hmm...
Es ist 15:43 Uhr, mittlerweile sind von den ursprünglich 36 Leuten vor mir, immerhin... äh... 54 Leute in die Behandlungszimmer gegangen, da werde ich endlich aufgerufen. Wieder Behandlungsraum 3. Und siehe da, da sitzt die korpulente Dame von meinem zweiten Besuch. Ich hatte mir einen Notizzettel gemacht, mit Sachen die ich brauche und was ich fragen wollte. Doch mit als Erstes bringe ich den Polizei-Termin an. Weil ich wusste, dass heute dass Knie neu geröntgt werden sollte und das bedeuten würde, dass ich sowohl dort nochmal warten, als auch nochmal im Wartezimmer Platz nehmen um warten zu müssen, erwähne ich den Zeitdruck. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass sie das nur peripher tangieren würde, sollte ich schnell eines Besseren belehrt werden.
Während wir auf den Arzt warten, gebe ich ihr die Rezeptdaten und die benötigten neuen Transportscheine durch. Dann geht alles ganz fix. Der Arzt saust am Zimmer vorbei, die korpulente Dame ruft nach draußen: "STOP, bitte erst hier rein!" Wow, sie half mir ja doch aktiv!
Der Arzt tritt ein und... ups... die Ärztin begrüßt mich, fragt wie es mir geht. Sie schien ebenfalls viel jünger als ich zu sein und könnte genau wie ihr männliches Pendant beim letzten Besuch ebenfalls aus einer Seifenoper stammen. Was es hier wohl für Einstellkriterien... egal. Ich kam mir gerade ein wenig wie in der Fernsehserie Scrubs vor.
Sie schaut die Narben an, liest die Texte, betrachtet die Röntgenbilder. Ich erzähle von den Physio-Erfahrungen. Da erwähnt die Schwester meinen Polizei-Termin und dass geröntgt werden müsste. Sie verspricht, dass sie die Dokumente schon fertig macht und mich sofort wieder rein ruft, wenn ich mich an der Rezeption zurückmelde.
Schon bin ich raus, laufe erstmals selbst zum Röntgen, biege kurz bei der Toilette ab und stehe dann an der radiologischen Anmeldung. Da saßen bereits drei Paare und eine Dame im Rollstuhl (vermutlich aus der stationären Behandlung). Mist, nochmal warten.
Ich schaue am Fernseher auf die Uhr... 15:56 Uhr... ich leere die Keks-Verpackung, trinke was und kaue gerade mit vollem Mund, als ich aufgerufen werde... waff tfum... daff ging ja fnell... fnell... äh, schnell hingehumpelt, werden die Bilder gemacht. Außerdem ergreife ich die Chance und frage, ob sie mir die Röntgenbilder zur Verfügung stellen können. Die Röntgen-Dame antwortet, dass sie sowas bei sich leider nicht machen könnten, mir eine CD mit den Röntgen-Bildern zur Verfügung zu stellen.
Grmpf.
Schnell zurück ins Wartezimmer der ambulanten Chirurgie. Ich will der Dünnen gerade von meinem Termindruck erzählen, damit sie den Finger zieht, da sagt sie: "Ja, ich weiß von ihrem Polizei-Termin, ich habe vorhin zugehört."
Nun gut, ich gehe zu meinem alten Sitzplatz zurück, setze mich hin und... werde prompt aufgerufen. Behandlungsraum 2. Ich gehe an Raum 3 vorbei... doch auf der nächsten Tür steht keine Nummer...?!
Hinter mir ertönt ein: "Hier!" Oh, Raum 2 war auf der gegenüberliegenden Seite. Noch eine andere Schwester. Keine Minute später ist die Ärztin wieder im Zimmer. Neuer Termin am 22.01., da ich am 21.01. meinen letzten Tag der ersten Physio-Welle haben würde. Schnell wird mir klar, dass wenn sie wieder N1 der Schmerzmittel aufgeschrieben haben, ich damit nicht lange reichen würde, immerhin musste ich 3 Stück am Tag nehmen. Ich frage nach dem Rezept, sie rechnen mit mir durch und passen es an. Sie will die neuen Röntgen-Bilder anschauen, doch die sind im Intranet noch nichtmal verfügbar. Dadurch nutze ich die Gelegenheit und bringe die Fragen meiner Physiotherapeuten an, was die Beweglichkeit einiger Gelenke anging. Die Ärztin bestätigte, dass so viele Sachen zusammengeschraubt worden sind, dass ich bestimmte Bewegungen gar nicht ausführen können würde für die nächsten eineinhalb Jahre. *seufz*
Noch immer warten wir auf die Bilder, also hake ich wegen den Röntgen-Bildern nach, schiebe aber die Physiotherapeuten vor's Loch, dass sie die Bilder gerne sehen wollten und tue so als hätte ich die ersten nie bekommen. Das würde sicher besser ankommen.
Sie antwortet mir: "Das können die direkt beim Röntgen machen, die brennen Ihnen da eine CD."
Ich erwidere, dass die Dame sagte, sie könne genau das nicht. Sie grinst und sagt: "Hmmmmm... ja, die Schicht um diese Uhrzeit ist da etwas... ähm... komisch!" Ich grinse zurück und frage, ob sie mir die Bilder einfach ausdrucken kann. "Klar, kein Problem."
Das Rezept ist ausgefüllt, sie hat alle Fragen äußerst geduldig und sorgfältig beantwortet, bereits eine neue Verordnung für die Physio-Welle #2 ausgestellt, da sind die Bilder endlich da. Sie vergleicht, meint das sehe gut aus und druckt sie mir aus.
Schwupps, bin ich draußen. Die Uhr zeigt 16:20 Uhr. Zum Taxi gelaufen, durch den Feierabendverkehr gefahren, bin ich 16:45 Uhr Zuhause. 17:00 Uhr werde ich vom Kumpel abgeholt und wir fahren zur Polizei. 17:28 Uhr stehe ich dort an der Rezeption und melde mich an.
BäM, was für'n perfektes Timing!
Na schau mal an, der Polizist, der mich direkt nach dem Unfall im Diako aufgesucht hatte.
Ich erzähle die komplette Geschichte zum Unfall-Hergang, wie ich ihn niedergeschrieben und schon hundertfach erzählt habe. Er schreibt im Zwei-Finger-Suchsystem mit... ich hätte ihm einfach mein erstes Kapitel schicken sollen...
Sogar die Details vom Krankenhaus-Besuch und die völlig verquere Erzählung des Unfallverursachers erzähle ich und er schreibt es mit auf. Dann stellt er noch einige Fragen, bei denen ich mich für eine klare Aussage zu schwammig ausgedrückt hatte. Also beantworte ich ihm alles.
Zweimal klingelt bei ihm das Telefon mit zwei weiteren Vorladungen. Aus den für mich veranschlagten 30 Minuten waren 60 Minuten geworden. Außerdem war ihm ein Fehler unterlaufen und er hatte für 18 Uhr zwei Vorladungen parallel verschickt.
Wir sind soweit durch und er begleitet mich in Richtung Ausgang. Gemeinsam verlassen wir den Aufzug und laufen in Richtung Rezeption. Und da steht er plötzlich: Mein Nemesis.
Naja, eigentlich nur der senile alte Sabberlappen, der mich überfahren hat. Er sollte also direkt nach mir verhört werden. Ich laufe an ihm vorbei, er gewohnt zerstreut, sieht mich kurz an und ist Sekunden später geistig offenbar schon wieder weg. Toll, vermutlich hatte er mich nichtmal erkannt. Schade dass ich nicht erfahren werde, ob er auf seinem Bullshit beharrt. So oder so, Strafanzeige ist gestellt, der Typ gehört aus dem Verkehr gezogen, bevor er als nächstes noch verkehrt herum auf eine Autobahn fährt! Erst 19:30 Uhr bin ich Zuhause, Knie, Bein und Fuß fühlen sich dick und fest an, so schlafe ich direkt ein. Ach, so kurz vorm Abend wegzunicken ist doch blöd für den Nachtschlaf...
Donnerstag, 09.01.2014.
Nach einer Taxifahrt, bei der ich mal wieder bezahlen muss und dessen Fahrer sehr muffelig war, sitze ich bei meinem Anwalt. Wieder muss ich alles erzählen, Unterlagen werden kopiert und so bin ich nach 60 Minuten draußen.
Auf der Rückfahrt ergreife ich die Gelegenheit und lasse mich beim Netto absetzen. Ehemals fünf Minuten Fußweg entfernt, sparte ich so immerhin den Hinweg. Überall steht alkoholisiertes perspektivloses Gesindel herum und beobachtet mich auf Schritt und Lall. Brrrr, schnell rein.
So kaufe ich nach drei Wochen das erste Mal wieder selbstständig ein. Ich nehme eine Mango, dunkle Weintrauben und ein paar Vollmilchkekse. An der Kasse stehe ich geduldig aber ungeduldig hinter zwei älteren Damen mit vollem Einkaufskorb. Sie sehen mich und lassen mich vor. Gefällt mir.
Anschließend gehe ich zum Kiosk und kaufe Briefmarken. Immerhin hatte ich die letzten Tage so viel Schriftverkehr, wie in den letzten fünf Jahren zusammen.
Alles im Rucksack verstaut, schon stehe ich wieder draußen und bewege mich an den Betrunkenen, streunenden Katzen die da gefüttert werden, Hunde-Kot und Abfall vorbei auf die Hauptstraße. Langsam aber beständig bahne ich mir den Weg nach Hause. Alle fünf Minuten muss ich vor Erschöpfung anhalten. Dabei war nicht das Bein das Problem, sondern die Hände, auf denen ich die ganze Zeit mit den Krücken balancierte. Kaum wieder oben, schaue ich auf die Uhr: 13:50 Uhr. Ohje, für den ehemaligen 5-Minuten-Weg hatte ich 20 Minuten benötigt. Gute Entscheidung, mich dort absetzen zu lassen. Den Hin- UND Rückweg hätte ich vermutlich schlechter verkraftet.
Dann stand noch der Physio-Termin um 15:45 Uhr an. Wie üblich rufe ich 25 Minuten zuvor ein Taxi. Statt nach fünf Minuten, kommt es erst nach zehn. Außerdem hatte ich den frühen Feierabendverkehr nicht eingerechnet. 15:55 Uhr stehe ich erst an der Anmeldung. Verdammt, ich hasse es mich zu verspäten.
Weil ich wieder ins 2. OG zum großen Vamp muss, laufe ich gleich die Stufen, mitunter konnte man schonmal 3 Minuten vor'm Aufzug warten, wenn dieser auf jeder Etage hielt. Ich setze mich im langen Gang hin, da kommt sie auch schon und bittet mich herein. Hektisch nehme ich alles zusammen und eile herein. Wir kommen wieder ins Gespräch, machen Übungen und sprechen über mein ordentliches Laufen vom Vormittag und wie ich es übe. Da erwähnt sie doch glatt, dass mein Reinlaufen in den Physio-Raum eben, alles andere als ordentlich war. Touché. Sobald ich in Hektik bin oder der aktuelle Weg zu eng, ist es dahin mit dem ordentlichen Fuß-Abrollen, dann berühre ich mitunter nichtmal den Boden. Und das hatte sie genau mitbekommen!
Während der Behandlung erzählte ich von ihrer Kollegin und wie brutal sie auf meinem Heavy Metall Terminator-Skelett klimperte. Nun, meine Intention das zu erzählen war ja eher, dass sie das so hoffentlich nicht wiederholen würde oder es zu sagen, falls doch. Sie grinst, äußert sich aber nicht dazu. Denn es sollte gleich weitaus schlimmer kommen.
Sie setzt sich auf meinen Fuß und massiert am gebeugten Knie und den Narben. Komischerweise sind wir zu diesem Zeitpunkt genau bei dem Thema angekommen, dass mein Fuß am Ende der Zehen so Schlumpf-blau ist und die Hämatome durch den Fuß in Richtung der Zehen gewandert sind und momentan jede kleinste Berührung am Fuß weh tut. Jeden Wassertropfen unter der Dusche spürte ich unangenehm.
Sie fragt etwas verunsichert, ob es denn weh tun würde, dass sie auf dem Fuß sitzt. Erst in diesem Moment realisiere ich, dass sie auf meinem Fuß sitzt und verneine es, weil es in der Tat eher angenehm war und nicht weh tat. Mir schoss ein Gedanke durch den Kopf: Wenn sich ein Mädel nichtmal mehr auf mich setzen könnte, dann wäre ich wirklich bereit für den Gnadenschuss.
Schlagartig werde ich aus etwas weiterführendem Kopfkino rausgerissen, denn in genau dem Moment greift sie beherzt in meine Wade und krallt sich exakt in dem verkürzten Wadenmuskel fest. Ich bin kurz davor laut aufzuschreien, beherrsche mich aber, verziehe nur das Gesicht, stöhne vor mich hin und winde mich etwas. WHOA, was für ein Schmerz. Deswegen saß sie also auf meinem Fuß... um mich ganz banal zu fixieren... narf...
Statt irgendwann locker zu lassen, bewegte sie sich stattdessen gaaanz langsam von der Mitte nach oben und wieder nach unten den Muskel entlang. Ich werd' bekloppt. Wie eine extreme Überdehnung, ein gewaltiger anhaltender Muskelkrampf, stöhne ich bei jedem festen Griff von ihr. Da überrent mich schon die nächste Schmerzwelle. Nach gefühlten vier Stunden, quasi vier Minuten, erlöst sie mich.
Uff. Alles für den Dackel, alles für den Club! Unsere Anstrengungen für das B-B-B-Bein!
Am Ende tätschelt sie mein Bein, legt sanft ihre Hand aufs Knie und bemerkt wieder, dass das Knie im Gegensatz zum Anderen (kühl) kochend heiß ist. Aber das ist wohl normal im Heilungsprozess. Das war auch der Grund dafür, warum ich trotz des fehlenden Leistungssports aktuell alles an Essen in Unmengen in mich reinschaufeln konnte, ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen. Einige meine Freundinnen, denen ich das natürlich auf die Nase band, waren schon neidisch und sauer. :-)
Total fertig, verlasse ich die Klinik und penne direkt Zuhause wieder ein.
Irgendwie ahnte ich da schon, dass es am nächsten Tag noch weitaus schlimmer werden sollte.
To be continued... nächstes Kapitel: Waaaaahhhde²
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Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850