Freitag der 14., Kapitel 13 - D-Arzt Irrsinn Light, nur 2 Kalorien
Freitag der 13., Kapitel 14 - D-Arzt Irrsinn Light, nur 2 Kalorien --- Hallo aufmerksame Leser, zwei meiner Notizzettel hatten sich vor mir versteckt, wodurch euch einige wichtige Details von zwei Tagen abhanden gekommen sind, die ich auf diesem Weg nachreiche. Darum setzt Kapitel 14 statt am 03.01. erstmal erneut bei Kapitel 12 ein, am 30.12., kurz nach der ersten ambulanten Physiotherapie. Denn die heutige Kapitelüberschrift bezieht sich auf diesen Tag. --- ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~ Zeit-Sprung zum Montag, 30.12.2013, 09:45 Uhr. ~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Nach der Physiotherapie lasse ich mir wie gewohnt ein Taxi rufen. Es ist erst 10 Uhr Morgens. Auf dem Rückweg nach Hause, unterhalte mich wie gewohnt auch mit diesem Taxifahrer über meinen Unfall in allen Details. Plötzlich fragt mich der Taxifahrer ganz unverhofft, warum ich keinen Transportschein habe und stattdessen bar bezahlen wolle. Etwas erstaunt, frage ich nach, was der Transportschein sein soll. Er erklärt mir, dass bei Unfällen, die über die Berufsgenossenschaft abgerechnet werden, ich einen Transportschein beantragen könnte, der in der Taxi-Firmenzentrale hinterlegt wird und ich dann nur noch eine Unterschrift leisten muss, statt zu bezahlen. Na super, dass mir das weder das Krankenhaus, noch der D-Arzt und selbst der Knilch von der Berufsgenossenschaft nicht sagen konnten. Ich bedanke mich für die Information, humple die Treppen hoch, halte ein kurzes Schläfchen und überlege dann, wie ich weiter verfahre. Denn ich hatte ausgerechnet, dass ich bis zum 03.01. aufgrund des nicht ausgestellten Rezeptes vom ersten D-Arzt Irrsinn mich so oder so einmal unplanmäßig bei denen melden musste. Der nächste reguläre Termin wäre ja erst der 08.01.! Schnell stand die Entscheidung: Heute? Gleich. Jetzt! Ich suche in meiner Kommandozentrale im Schlafzimmer nach der Telefonnummer des D-Arztes. Mist, die stand auf der Verordnung für die Physiotherapie, die ich vor zwei Stunden abgegeben hatte! Weiter durch die Schreiben gewühlt, finde ich die Telefonnummer der chirurgischen Station, auf der ich lag. Ein kurzer Anruf, lasse ich mich direkt zur ambulanten Chirurgie durchstellen und lande - anders als vor einigen Tagen bei der anderen Nummer - direkt im Sekretariat. Ich frage die Dame, ob es möglich ist, dass ich mir die Medikamenten-Rezepte von meinem Hausarzt ausstellen lasse. Sie weiß es nicht und will fragen, schreibt sich meine Nummer auf und ruft fünf Minuten später zurück. "Nein, das ist nicht möglich. Weil es ein BG-Fall (Berufsgenossenschafts-Fall) ist, können nur wir hier die Rezepte ausstellen." Aber ich wollte doch jetzt nicht wieder fünf Stunden dort herumlungern müssen... Also frage ich, ob es möglich ist, dass sie für mich das Rezept ausstellen und ich es mir einfach an der Rezeption abholen kann. Auch das verneint sie, denn die Ärzte würden die Rezepte nur im Beisein des Patienten unterschreiben, ich müsse also vor Ort und in einem der Behandlungsräume sitzen. ARGH! Ich erwähne die fünf Stunden des letzten Besuches und dass ich ungern für ein Rezept diesen Wahnsinn wiederholen würde. Zu meiner Überraschung verspricht sie mir, dass ich nach maximal 30 Minuten wieder raus wäre. Ich konnte es nicht glauben und frage nach. Sie gibt an, dass wenn ich mich an der Rezeption anmelden würde und sie meinen Namen sieht, mich dann in der Liste ganz nach oben schiebt und sofort aufruft. Wow, das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ich erkläre, in ca. 20 Minuten da zu sein. Zum Abschluss frage ich noch nach dem Transportschein. Sie antwortet, dass ich mir diesen an der Rezeption ausstellen lassen kann. Ahja... bei der Dicken und der Dünnen...? Na wohl eher nicht. Fünf Minuten später bin ich angezogen, das Taxi ist gerufen und steht schon da, als ich unten ankomme. So zahle ich meine vorerst letzte Fahrt und stehe 15 Minuten später vor dem Universitätsklinikum. Ruhig, aber bestimmt, humple ich meinen Weg durch die hohen Gänge zur Rezeption der ambulanten Chirurgie. Ich laufe am Wartezimmer entlang und sehe durch die Scheiben an die 30 Leute sitzen. Urgh. Oh, die Dicke und die Dünne sind zwar da, beschäftigen sich jedoch Abseits mit irgendwas. Stattdessen sitzt da eine nett wirkende Dame mit Brille. Und genau das ist sie auch. Ich gebe an, dass ich da wäre, um ein Rezept abzuholen und dass ich erwartet würde, um direkt aufgerufen und vorgezogen zu werden. Sie nickt und antwortet, dass sie davon wisse und mich sofort eintragen würde. Dann nenne ich den Transportschein, den sie mir ausfüllen könnte. Sie schaut mich etwas verblüfft an und meint daraufhin, dass diese nur von den Ärzten ausgestellt werden können. Wusste ich's doch. Ich nehme Platz und betrachte die Minuten auf der Uhr. 1... 2... 3... 4... 5... 6... 7... 8... oh, das waren ja die Sekunden... Die ersten 5 Minuten sind um, dann 10 Minuten... jemand wird aufgerufen. Hmm. Die nette Rezeptions-Dame läuft durch's Wartezimmer und ruft einen Patienten-Namen. Moment, das war doch Kays Name, mein Bettnachbar #3! Ich schaue mich um und tatsächlich. 10 Meter von mir entfernt, schräg am anderen Ende des Raumes, sitzt er. Schnell stehe ich auf und begebe mich in seine Richtung. Er ist in seinem Buch vertieft, als ich ihn begrüße. Er schaut hoch, überlegt kurz (immerhin sah er mich zum ersten Mal ordentlich gestylt und in Zivilklamotten) und begrüßt mich ebenfalls, worauf hin wir zusammen auf eine Bank nahe der Behandlungsräume wechseln. Wir sprechen ungefähr fünf Minuten über die letzten Tage. Lustigerweise hatte er an diesem Morgen meine erste eMail mit den gesammelten Kapiteln bekommen, weil er im Krankenhaus auf der Station diese auch zu lesen wünschte, ich aber bisher verpasst hatte, ihn in den Verteiler einzutragen. Mitten im Gespräch, wird mein Name aufgerufen. Wir brechen ab. In diesem Moment spüre ich ca. 29 messerscharfe Klingen auf meinem Rücken auftreffen. Mit Blicken, die töten könnten, trifft mich der geballte stille Hass der anderen Patienten, weil vermutlich manche von ihnen schon wieder drei Stunden oder länger da sitzen mussten. Dann kommt da so ein Knilch wie ich daher gelaufen und wird keine fünf Minuten später aufgerufen. Hihihihihi. Ich muss wieder in Behandlungsraum 3 Platz nehmen. Und auch die junge Blonde ist wieder da und sogleich erstaunt, warum ich denn schon wieder da wäre. Ich setze mich - statt auf die Behandlungspritsche auf den Stuhl - und erkläre die Situation. Sie meint, dann könnte sie mir bis zum Erscheinen des Arztes bereits das Rezept ausfüllen. Ich erwähne den Transportschein, doch sie muss teilweise passen, weil sie nicht genau weiß, wie das geht. Wir flirten ein wenig, da höre ich, wie Kay direkt nach mir als nächster Patient in Behandlungsraum 2 gerufen wird. Weitere fünf Minuten vergehen. Der Arzt erscheint. Was zum... ein junger Kerl, vermutlich keine 25 Jahre alt, mit dem perfekten Aussehen eines Arztes aus einer Seifenoper, bei dem sämtliche Mädchenherzen dahinschmelzen und ihm zu Füßen liegen würden, tritt freudestrahlend ein und begrüßt mich. Er betrachtet meine Röntgenbilder, die bisherigen hinterlegten Texte, wir reden über das Rezept, das sein Kollege vergessen hatte und den Transportschein. "Joa, kriegen wir hin." ist seine Reaktion. Dann dreht er sich mit dem Stuhl zu mir, grinst mich verschmitzt an und sagt: "Kann ich's mal seh'n?" Ich lache und erwidere: Ja gerne, ist ja nicht das erste Mal, dass ich hier die Hosen runter lasse. Die Blonde errötet leicht, er grinst. Er drückt vorsichtig an den Narben und dem Tibiakopf herum, schaut wieder auf das Röntgenbild, guckt auf das CT-Bild und meint: "Wow, also bei Ihnen ist ja schon ungewöhnlich viel Metall für diesen Bruch verbaut worden." Ich nicke und erwähne die von anderen Ärzten genannte Schwere des Bruches. Er nickt ebenfalls und schaut weiter. Er sagt, er käme gleich wieder zum Unterschreiben der Rezepte vorbei und verlässt kurz den Raum. Keine drei Sekunden später kommt eine etwas korpulentere Dame herein, sieht mich mit heruntergelassenen Hosen und faucht mich an: "Ach, ich dachte Sie sind nur hier, um das Rezept abzuholen?!?!" Das war wohl die Dame vom Telefonat und offenbar ging sie davon aus, dass ich mich hatte behandeln lassen und damit einen echten Vorteil gegenüber den anderen Patienten gehabt hätte. Sogleich antworte ich: Ja, daran hat sich auch nichts geändert. Rezept und Transportschein. Allerdings kam der Doktor herein und wollte sich gerne das Bein anschauen. Das wollte ich ihm nicht verweigern. Sie fragt nach: "Also wurden Sie nicht behandelt? Keine Pflaster gewechselt oder sowas?". Ich schüttle mit dem Kopf. Sie beruhigt sich, als die jungsche Blonde die Situation nutzt und von ihr das Rezept kontrollieren lässt und nach dem Ausstellen des Transportscheines fragt. Nach ein paar Detail-Fragen fangen sie an, drei Transportscheine auszustellen. Einen für die Rückfahrt vom Krankenhaus, eine für die Hinfahrt zum nächsten Termin und einen mit 10 Hin - und Rückfahrten zur Physiotherapie. Dann verschwindet die Dame wieder und der Arzt saust herein. Ich nutze die Gelegenheit und frage nach den Röntgen-Bildern. Der Drogen-Arzt vom ersten Besuch hatte bei dieser Frage nur wirres Zeug gestammelt, bei ihm stieß ich aufgrund seines Alters vermutlich auf mehr Verständnis. Und tatsächlich. Er zögert keine Sekunde, fragt, ob einfache Ausdrucke für mich okay wären und druckt nach einem Ja beide Röntgenbilder aus. Jipie! Er fragt nochmal ab, was ich wann wie nehme und spritze, wann ich wieder kommen würde, unterschreibt alles, verschiedet sich und ist wieder weg. Drei Minuten später bin ich angezogen, wünsche 'nen guten Rutsch und gehe. Draußen schaue ich nach Kay, aber da ich insgesamt ca. 20 Minuten im Behandlungsraum saß, ging ich davon aus, dass er bereits wieder weg war. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~ Zeit-Sprung zum Dienstag, 31.12.2013, 08:30 Uhr. ~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Es ist noch der erwähnte frühe Morgen, an denen es bereits an allen Ecken und Enden böllert. In diesem Krawall hatte ich jedoch meinen bereits zweiten Physio-Termin. Ich stellte mich auf anstrengende Übungen ein. Etwas unerwartet, reden wir erstmal, während ich auf der Pritsche liege. Ich erzähle ihr von den Röntgen-Bildern und dass das Knie mittlerweile so gut abgeschwollen war, dass ich die Schrauben und Platten unmittelbar unter der Haut anfassen konnte. Denn an der linken Narbe geht direkt 2mm unter der Haut die erste Schraube los. Dazu machte ich noch ein paar Scherze, dass ich mit einem Schraubenzieher auch von außen die Schrauben festziehen könnte, falls sie sich lockern sollten. Diese Schrauben sind übrigens die Erklärung, warum ich Nachts nicht ordentlich schlafen kann. Sobald ich mich auf die linke Seite drehe, liegt das ganze Gewicht des Beines oder beider Beine auf dem Knie. Da die Schraube nun links (von außen gesehen) der höchste Punkt des Beines ist, liegt das komplette Gewicht dann also auf der Schraube. Diese wiederum drückt auf den Tibiakopf, in den sie geschraubt ist und löst nach kurzer Zeit einen fürchterlichen Knochenschmerz aus. Zwar trifft das nicht auf die rechte Seite zu, dort ist aber der Fall, dass durch das Ablegen des Beines auf der rechten Seite sich die (durch den Muskelschwund verkleinerte) Verkapselung im Bein durch das Ablegen zu bewegen beginnt, was zu einer leichten Verdrehung des Beines, der Platten und Schrauben führt und dadurch einen weitaus stärkeren Knochenschmerz auslöst. In Erwartung auf lockernde Übungen, beginnt sie wieder die Narben zu massieren. Anschließend geht sie über auf die Kniescheibe, schiebt und drückt an ihr herum. Wieder muss ich die Kniescheibe anspannen und lösen, anspannen und lösen. Gefolgt von akrobatischen Ballett-Einlagen im Liegen, bei denen ich Bein, Fuß und Knie in immer gleich Bewegungsabläufen benutzen muss. Ich stelle mich soweit ganz gut an, so dass sie wieder beginnt zu massieren, bzw. wie ich mich belehren lassen musste, zu mobilisieren, denn eine Massage war das wohl keineswegs. Vielmehr Mobilisierungs-Übungen. Anschließend die Lymph-Drainage, bin ich nach den üblichen 60 Minuten wieder draußen und bereit für den langen Tag. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~ Zeit-Sprung zum regulären Erzählstrang, Freitag 03.01.2014 ~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Und täglich grüßt das Physio-Murmeltier. Heute war mit 10:30 Uhr der Physio-Termin später angesetzt als sonst. Diese Uhrzeit konvergiert so auch besser mit dem Mittags-Catering, welches stets bereits zwischen 8-9 Uhr geliefert wird. Die Nacht wie üblich, vor Schmerzen kaum zur Ruhe gekommen, bestelle ich das Taxi und lasse mich hin fahren. An der Rezeption wird wieder mein Rezept nicht gefunden, ich solle doch extra das BG erwähnen... Entgegen den letzten beiden Male musste ich diesmal nicht ins 5. OG, mit den großen weiten Wohnungs-ähnlichen Räumen, sondern ins 2. OG. Dort befand sich ein langer schmaler Gang, dessen Ende in einem kompletten Fitnessstudio mündete. Also genau genommen sind es alles Physio-Gerätschaften. Ich nehme auf den Stühlen des schmalen Ganges Platz, denn hinter der angrenzenden Mauer mit Glastür befinden sich viele Kabinen, durch große Vorhänge abgetrennt. Wenige Minuten später nimmt mit meine neue Physiotherapeutin in Empfang. Zwei Köpfe größer als ich, brünetter Kurzhaarschnitt, sehr elegant, hat was von einem Vamp. Auf Anhieb verstehen wir uns und kommen ins Gespräch. Über den Unfall, Fahrradfahren, Sport, Brüche in der Jugend, Handicap und vieles mehr. Parallel machen wir Übungen. Immer wieder dehne und strecke ich das Bein und erzähle ihr von meinen aktuellen Empfindungen. Denn mit dem offensichtlich vollständigen Abschwellen des Knies, hatte sich etwas Neues ergeben: Ich kann das Bein zwar problemlos strecken - wenn auch nur langsam, schnelle Bewegungen gehen gar nicht. Ich kann es ebenfalls ohne Probleme anwinkeln, auch wenn sich dann der Fuß teilweise nach innen dreht. Mein Problem sind die Abschnitte dazwischen. Denn nach jeder Beugung fühlt sich das Bein jetzt wie ein altes rostiges Scharnier an, wenn ich es strecken will. Erst mit unglaublich viel Kraft löst es sich und lässt sich strecken. Umgekehrt, war das Empfinden noch anders. Wenn ich von einer längeren Streckung zurück in die Beugung wechsle, fühlt sich das Bein nun so an, als würde das Knie jeden Moment mit einem gewaltigen Ruck brechen und die Kniescheibe mit einem Überschallknall weg fliegen. Auch hier muss ich mit dem Gefühl eines alten festgefressenen Scharnieres in Zeitlupe bis zu einem gewissen Winkel richtig viel Kraft investieren, bevor es leichter und angenehmer wird. Wie sollte ich denn so in absehbarer Zeit wieder flüssig laufen? Oder Fahrrad fahren? Sollte das bei jedem Schritt so bleiben? Für eineinhalb Jahre?! Ein weiteres Problem war der Fuß. Da ich diesen effektiv nicht mehr nutzte, wollte die Flüssigkeit darin nicht komplett abfließen. Außerdem schmerzte jede Berührung tief im Inneren. Das lag wohl auch daran, dass die Hämatome, die nach dem Unfall an den Fersen erschienen sind, sich nun durch das Fußinnere bewegten. Aktuell waren sie an den Zehen angekommen und an deren Enden hatte sich eine Tinten-artig blaue Stelle gebildet. Unschön. Als ob das noch nicht genug wäre, fühlte es sich bei Bewegungen oft so an, als würden im Inneren des Knies irgendwo Muskelstränge oder Fleisch reißen. Oder als ob die Schraubenenden im Fleisch herumstechen würden - was sie zweifellos auch tun, wenn man die Röntgen-Bilder betrachtet. Es war halt alles noch relativ frisch. Sie hört es sich an, lässt sich aber vorerst nicht zu Aussagen über Schwere, Dauer oder Heilung hinreißen. Als sie fertig ist, erscheint ein junger Mann zur Lymph-Drainage. Auch wenn sich das etwas homophob anhören mag, war mir das unangenehm, dass da nun ein Mann saß und mich vom Fuß bis zum Unterschenkel in die Leistengegend massierte. Aber ich hielt mich einfach daran fest, dass die Wirkung entscheidend wäre und ich schließlich wieder auf die Beine kommen wollte. Um mich selbst ein wenig zu entspannen, stellte ich daher viele Fragen, erzählte ausführlich vom Unfall und was mich aktuell störte; seien es die straffen Schmerzen bei Bewegungen, die allgemeine Eingeschränktheit in allen Lebenslagen, als auch die Schlaflosigkeit. Und dann konnte ich doch noch etwas mitnehmen, denn der junge Mann hatte nämlich gute Tipps, was die Schlafposition auf der rechten Seite und auf dem Bauch anbelangte. So sollte ich mehr mit den Kissen arbeiten, wie ich es schon vereinzelt tat. Außerdem äußerte er sich - entgegen seine Kollegin - etwas zum weiteren Ablauf der nächsten Zeit und dass es nicht nur Fortschritte geben würde. Die Stunde war um, ich schlurfte nach draußen und begab mich in die Etage für die Physio-Terminplanung. Denn erst am Morgen hatte ich entdeckt, dass ich einen Physio-Termin für den 08.01., 14:20 Uhr in meiner Liste stehen hatte. Wenn du dich an die letzten Kapitel erinnerst, weißt du ja, was da ansteht: Der D-Arzt!!! Obendrein hatte ich über das Wochenende Post von der Polizei bekommen. Ich sollte zur Zeugenaussage gegen 17:30 Uhr in Paunsdorf bei dem Herren erscheinen, der meinen Fall aufgenommen hatte. Wenn man mal bedenkt, wo der Unfall geschah, schon leicht behämmert. Aber Hauptsache noch mehr Wachen werden geschlossen. Wer braucht schon einen Freund und Helfer in der Nähe? Reicht doch, wenn er psychisch anwesend ist... oder war... oder sein könnte... oder so... Schnell ist ein neuer Termin für den 09.01. gefunden. Erst da fällt mir auf, dass fast alle folgenden Termin am frühen bis späten Nachmittag stattfinden würden. Ich favorisiere ja eher den Morgen. Den Rest des Tages entspanne ich, erwähnenswerte Sachen passiere keine. Wichtiger war die Nacht. Samstag, 04.01.2014. Wie üblich, völlig zertreten, wandere ich gegen 1:30 Uhr von der Einschlaf-Knie-Überhang-Couch ins Bett. Dort lagen auf der Matratze neben mir mittlerweile drei verschiedene Kissen und zwei Holzstücke für die Stabilisierung. Wieder verspüre ich den Drang, mal auf einer anderen Seite schlafen zu wollen. Nein, zu müssen. Mir fallen die Worte des Therapeuten ein, ich schnappe ein Kissen, klemme es zwischen die Unterschenkel, entlaste das Knie und lege es an einer bestimmten Stelle über das andere Knie. Uh, ah, oh... eine perfekte Position... und schon schlafe ich ein... nach drei Wochen endlich mal wieder auf der rechten Seite. Als ich eine halbe Stunde später wieder aufwache und das Knie unangenehm schmerzt, erinnere ich mich an den Tipp zur Bauchlage. Ich wuchte mich völlig unnatürlich auf den Bauch, das linke Bein hängt sinnlos durch und stelle den Fuß auf die Zehen an, so dass die Ferse nach oben zeigt. Dann bugsiere ich das Kissen mit dem rechten Fuß unter die Kuhle, die sich bei der Stellung zwischen Beinende und Fußanfang bildet. Ich lasse den Fuß locker... oooh, eine perfekte Postion... und schon schlafe ich ein... nach drei Wochen endli... naja, du weißt schon. Zwar hielt auch das nur kurz, aber es war einfach schön. Einige Stunden, nachdem meine Freunde wieder mit meiner Einkaufsliste den Wocheneinkauf für mich erledigt haben, erscheint eine Freundin bei mir, die ich gebeten hatte, mit mir die Wohnung endlich mal wieder auf Vordermann zu bringen. Von 15-18 Uhr sind "wir" mit Putzen beschäftigt, wobei ich zu 90% vorgab, was wo zu tun wäre. Die anderen 10% lag ich auf der Couch. Nein, Ernst beiseite, ich machte schon ein ganz klein wenig mit. Die Toilette putzte ich zum Beispiel allein, denn das wollte ich ihr nicht zumuten. Insgesamt waren wir ein sehr gutes Team und so waren wir nach den drei Stunden ordentlich geschafft. Also... ich ja eher alle 10 Minuten. Sonntag, 05.01.2014. Holla die Waldfee. Ich habe seit Langem mal wieder von 1 Uhr bis 7:30 Uhr geschlafen. Davon je eine Stunde links, eine Stunde rechts und eine Stunde auf dem Baum. Den Rest natürlich auf dem Rücken. Selbstverständlich mit vielen kleinen Unterbrechungen und teilweisem Winden vor Schmerzen. Aber die Dauer zählt. Sonst passierte nichts den Tag über. Komischerweise war ich von der Nacht extrem erschöpft und schlafe im Laufe des Tages noch sehr viel. Montag, 06.01.2014. Nanu, keine Termine. Kein Catering (weil ich den Bestellschluss verpasst hatte). Kein Besuch. Nichts stand an. Aber heute war etwas Anders. Während ich mich langsam aber bedacht durch die Wohnung von Punkt A nach B bewege, fällt mir auf, dass dies der erste Tag ist, an dem das Sitzen angenehmer als das Liegen ist. Wenn jetzt noch das Laufen und Stehen angenehmer wäre, als das Sitzen, wäre es perfekt. Aber dass überhaupt irgendetwas angenehm war, sollte sich am darauf folgenden Tag schnell ändern... To be continued... nächstes Kapitel: Terminator-Mobilisierung des Nemesis' beim D-Arzt -- Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850
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Carsten Zinke