Freitag der 13., letztes Kapitel: Weg mit dem Dreck - Das Ende
Freitag der 13., letztes Kapitel: Weg mit dem Dreck - Das Ende --- Moin, da ich aufgrund fehlender Resonanz eurerseits ein großflächig schwindendes Interesse an meinen Kapiteln erkenne, wird dies die vorerst letzte Veröffentlichung. --- ~ Mittwoch 19.02.2014. ~ Der übliche Taxifahrer, die übliche Fahrt, wir unterhalten uns über Verkehrsteilnehmer. In der Physio üben wir weiter aus einer Sitzposition aufzustehen, sowie das Gewicht immer wieder auf das Bein zu legen. Dann muss ich, während ich das Gewicht auf das Knie lege, beide Hände zu einer Faust ballen und vor den Körper halten. Dann drückt die Therapeutin dauernd in irgendeine Richtung und ich muss dagegen halten. Auch wenn das nach nichts klingt, ist die Übung sehr interessant. Weil ich bei jeder Bewegung andere Muskeln benutze, muss ich lachen, weil sich das sehr faszinierend anfühlt. Beim Gerätetraining quatsche ich viel mit den anderen Mithäftlingen... äh, Patienten. Dadurch ging die Zeit schneller rum. Im Alter-G laufe ich ganze 25 Minuten lang! Mittendrin kommt die Dame von der Rezeption hektisch angesaust und teilt mir mit, dass ein Patient abgesagt hat und ich dadurch am Donnerstag statt 18:15 Uhr doch schon 14 Uhr kommen kann. Puuuuuh, das war eine echte Erleichterung. Auf der Rückfahrt hatte ich wieder mal einen neuen Taxifahrer, den ich mit meiner Geschichte volllabern konnte. ~ Donnerstag 20.02.2014. ~ Zwölf Minuten lässt mich der Taxifahrer warten. Als ich gerade in der Zentrale anrufe, kommt er mit ca. 70km/h im 30-Viertel angerauscht. Auf der Fahrt unterhalten wir uns über Transportscheine. Er öffnet sein Portemonnaie und zeigt mir das Geldfach. Dort drin sind über 75% Transportscheine. Davon wäre wohl die Hälfte falsch ausgefüllt, so dass er dauernd den Ärzten und Krankenkassen hinterher rennen muss. Schon stehen wir bei der Physio. Hah... fast... wir stehen vor der Uni. Es ist D-Arzt-Tag! Eine halbe Stunde vor dem Termin, also 10:30 Uhr bin ich schon vor Ort. Grund ist, dass mir die Ober-Ärztin beim letzten Termin schon eine Anmeldung für die Radiologie gegeben hatte, damit ich vor dem Termin bereits das Röntgen erledigen kann. Doch diesmal sitze ich weitaus länger. Nur noch 5 Minuten bis zum eigentlichen Termin. Zu allem Überfluss muss ich noch auf die Toilette. Ich melde mich an der Rezeption ab, dass ich auf die Toilette gehe. Der junge Mann beruhigt mich, denn es wäre noch etwas Zeit, bis ich dran wäre. Als ich die Toiletten betrete, trifft mich fast der Schlag. Dort sah es aus, wie in einer heruntergekommenen Kneipe. Überall im Raum sind Urin und andere Absonderungen verteilt, die Wände siffig, die Waschbecken verdreckt. Dann betrete ich eine Kabine und beginne zu würgen. Die Toilettensitze sahen aus, als wäre da gerade jemand drauf gestorben. Fluchtartig verlasse ich den Raum, ohne etwas anzufassen. Zum Glück war ich beim vorletzten Termin, damals noch recht frisch und unbeholfen auf Krücken, von einer Putzfrau auf die Behinderten-Toilette geführt worden. So stürme ich aus dem Kotz-Klo, biege rechts ab und betrete das Behinderten-WC. Hier war alles sauber und ordentlich. Weil die Anmeldung für den eigentlichen D-Arzt Termin exakt hinter den Toiletten ist, laufe ich anschließend dort hin und sage einer der Damen an der Anmeldung, dass ich bereits da bin, aber noch in der Radiologie warte. Sie trägt mich schon im System als anwesend ein. Na das hab' ich ja wieder mal gefickt eingeschädelt. Zurück in der Radiologie melde ich mich an, setze mich und werde direkt aufgerufen. Damals stationär ganz rechts, bei den letzten Terminen in der Mitte, muss ich diesmal ganz links ins Röntgen-Zimmer. Das erwähnenswerte daran ist, dass in genau dieser Reihenfolge die Qualität der Röntgen-Räume stark abnahm. So kam ich mir vor wie in einem Abstellraum, in dem das 50er-Jahre Röntgen-Gerät stand. Merkwürdig. Ist doch ein- und derselbe Neubau. Na egal. Nach dem Röntgen stehe ich direkt wieder an der Rezeption und frage nach den aktuellen Röntgen-Bildern. Wieder mal schiebe ich die Physiotherapie vors Loch, die die Bilder sehen wollen. "Klar, kein Problem, welche Aufnahmen wollen Sie denn? Alle?" fragte er. Nee, nur die heutigen, erwidere ich. Läuft! Auf auf, zur Rezeption für meinen eigentlichen D-Arzt Termin. Ich nehme Platz. Neben mir hustet eine Frau dauernd in meine Richtung. Ich bin angewidert, sehe wie zwei Plätze frei werden und will mich gerade umsetzen. Nach gerade mal 15 Minuten werde ich bereits aufgerufen und gehe los, es ist 11:25 Uhr. Wieder töten mich die Blicke der umsitzenden anderen Patienten, die vermutlich schon wieder seit Stunden warteten. Auf den Gang zum Behandlungsraum werde ich erneut von der Oberärztin und meiner gestrigen Physiotherapeutin erwartet, die mit Argusaugen jeden Schritt beobachten. Dann biege ich ins Zimmer und erkenne den Reha-Manager. Zudem sitzt noch ein weiterer junger Mann da. Er wird mir als Assistenz des Reha-Managers vorgestellt und ich werde gefragt, ob das für mich okay ist, wenn er anwesend ist. Ich grinse und sage, dass es okay ist, solange es nicht noch mehr Leute werden und es dann so voll ist, dass ich nichtmal mehr Platz nehmen kann. Die Oberärztin lacht und erwähnt, dass sie ursprünglich eigentlich auch noch eine Assistentin dabei haben wollte. Dann untersucht sie mich, ich erwähne das bessere Schlafen, die ewig gleiche schmerzende Stelle im Knie und wie die letzten Wochen in der Physio und generell gelaufen sind. Ich lobe das Alter-G und plötzlich lacht die Therapeutin auf und meint: "Ich habe ihm nicht gesagt, dass er das sagen soll." Ich spreche nochmal mit dem Reha-Manager wegen der Fahrtkostenabrechnungen. Denn ich würde keine weiteren Taxi-Fahrten gesponsert bekommen und müsste entweder öffentliche Verkehrsmittel nutzen (Igitt!) oder mit dem Auto kommen. Also hatte ich mich die letzten Tage mental auf das Autofahren vorbereitet und immer mal wieder trocken-kuppeln geübt. War nicht schön, ging dank des Geräte-Trainings aber schon wieder. Ich erkläre der Oberärztin das mit der rausgedrehten Schraube. Den Satz noch gar nicht zuende gesprochen, hat sie die beiden Bilder aufgerufen, nebeneinander gelegt und bestätigt das. Sie meint, dass wäre unproblematisch, da sie sich auf den letzten Bilder nicht mehr bewegt hatte. Das weitaus größere Problem würde sich wohl eher in 1½ Jahren zeigen. Aufgrund meines Alters und dass alles so gut bei mir verheilte, könnte es eher passieren, dass die Schrauben nicht mehr entfernbar sind. Die Schrauben mit dem großen Gewinde seien unproblematisch. Bei den feinen Schrauben würde dann der Schraubenkopf abbrechen, so dass die Schrauben den Rest meines Lebens drin bleiben müssten. Das wäre wohl aber kein Problem. Hmm. Und deren spitzen Enden schneiden dann für immer in mein Fleisch? Na mal schauen. Dann wird erstmal meine Vollbelastung bestätigt. Außerdem werde ich noch mindestens einen weiteren Monat krank geschrieben. Denn die BG muss offenbar mindestens einen Monat Reha gewährleisten. Ich erwähne stolz, dass ich beim Geräte-Training jeden Tag Gewichte zugelegt habe, doch es scheint niemanden zu interessieren. Ich lasse noch einen letzten Transportschein für die Rückfahrt ausfüllen. Mit dem Ende des Termines nehme ich die Krücken und beginne nach draußen zu gehen. Plötzlich steht die Therapeutin auf und fragt, was das soll... ... ... Vollbelastung...! Ich soll normal laufen. Äääääääh... klar, sage ich. Dazu mache ich mit den Krücken eine Wegwerf-Bewegung und sage, dass ich jetzt sogar nach draußen renne. Alle lachen. Die Therapeutin folgt mir auf den Gang und will mir noch schnell den Gang über Kreuz zeigen. Doch ich kriege das mit der Koordination gerade nicht hin, zu fest war das andere Krücken-Gangbild in meinem Kopf. Sie lacht und meint, dass das dann nachher gleich noch intensiver geübt würde. Dann laufe ich in Richtung Taxistand, als mir gerade noch die CD mit den Röntgen-Bildern einfällt, die ich noch abholen muss. Gesagt, getan. Nach dem Mittagsessen Zuhause, geht es zum 14 Uhr-Termin in die Physio. Dort liegt schon meine freigegebene Vollbelastung vor. Das Geräte-Training läuft erstmal wie üblich. Überraschend erscheint die Oberärztin vom Morgen im Trainingsraum und lässt sich das Alter-G zeigen, in dem gerade ein anderer Patient läuft. Leider bin ich zu dem Zeitpunkt in der Beinpresse. Denn es wäre schon cooler gewesen, wenn sie mich direkt mal hätte laufen sehen können. Nach drei Minuten bricht sie wieder auf. Dann komme ich zu einer neuen Therapeutin, bei der ich bisher noch keine Stunde hatte. Yvonne. Sie duzt mich sofort. Statt die manuelle Therapie wie üblich auf der Pritsche zu starten, gehen wir in einen bisher ebenfalls unbekannten Trainingsraum, der einer Aula glich. Sprich Schränke, Banken und Bälle an den Seiten. Zusätzlich ein paar Spiegel. Wir üben direkt das Stehen an einer Sprossenwand. Ohne Krücken. Dann üben wir wieder das Gewicht auf das Bein zu legen. Sie steht derweil hinter mir und hält mich am Becken fest. Das klappt in alle Richtungen recht gut. Dann soll ich das erste Mal kontrolliert eine Schrittbewegung mit dem rechten Fuß machen, also auf dem linken Bein stehend den Schritt machen. Wow, sehr anstrengend, fühlt sich aber gut an. Die 20 Minuten gehen sehr schnell um. Kurz vor deren Ende üben wir den Kreuzgang mit den Krücken. Das funktionierte erstaunlich gut und tat auch gar nicht weh, wenn ich das Gewicht drauf legte. Yvonne musste lachen, denn ich lief in einem fürchterlichen Roboter-Stil über den Gang. Ist halt eine Frage der Übung. Dann sagt sie, dass meine Therapeutin morgen mit mir ohnehin den Gang völlig ohne Krücken üben würde. ~ Freitag 21.02.2014. ~ Wieder mal taucht ein bekannter Taxifahrer auf, der immer irgendwelche spastischen Zuckungen in der Schulter hatte. Sonst ganz nett, ist er aber recht infantil. Ich erzähle davon, dass das heute meine letzte Fahrten werden. Da erwidert er doch glatt, dass er das schon wisse, denn es hat sich bereits herumgesprochen. Was zum... sichtlich überrascht murmle ich vor mich hin: Aha, da wird also bei euch über mich gesprochen. Dann fährt der Gute wieder extrem unkonzentriert durch die Stadt, stellt sich an einer Ampel wieder mal in die falsche Spur zum Rechtsabbiegen, obwohl wir geradeaus mussten. Dieses Mal erwähne ich es jedoch, weil die Zeit schon knapp war. Kurz vor der Physio setzt er dann eine Straße zu früh den Blinker und will abbiegen. Wieder korrigiere ich ihn. Taxifahrer sind halt doch irgendwie hohl. Auf die manuelle Behandlung wartend, kommt die Therapeutin vom D-Arzt Termin auf mich zu und fragt, was ich noch mit den Krücken will. Mein Herz pocht stark vor Aufregung. Denn ich stehe auf, stelle die Krücken in der Ecke ab und sage: Weg mit dem Dreck! Dann setze ich meine ersten Schritte an und laufe sehr "souverän" in den Behandlungsraum. Die Therapeutin staunt nicht schlecht. Hihi, ich hatte schließlich den ganzen gestrigen Nachmittag bis tief in die Nacht hinein die Bewegungen und ein wenig das Laufen geübt! Wir machen wieder die Aufsitzübungen, Gewichtsverlagerungen nach vorne, sie drückt wieder dagegen und ich halte. Dann soll ich mich auf die Zehenspitzen stellen. Da ich das die letzten zwei Wochen auf dem Stepper geübt hatte, war das problemlos möglich. Also ändert sie die Übung. Nur mit dem rechten Fuß auf dem Boden, soll ich mich auf die Zehenspitzen stellen. Dann setze ich den linken Fuß auf den Zehenspitzen auf und lege langsam das Gewicht nach links. Dann sollte ich den rechten Fuß heben und über links langsam nachgeben. Ach du meine Güte, das ist enorm schwer und schlaucht extrem. Später im Trainingsraum, soll ich erstmal auf eine Art Erdbeben-Gerät. Dabei stehe ich auf einer beweglichen Platte, die nur von ein paar Federn gehalten wird. Man muss sozusagen das Gleichgewicht halten, sonst würde man zu sehr darauf herumschwingen. Ich bekomme die einfachste Einstellung, bei denen die zwei Federn etwas festgestellt werden. Dann muss man dreimal mit den Füßen auf die Platte tapsen und dann für 1-3 Sekunden auf einem Bein stehen bleiben. Abwechselnd links und rechts. Bei dem linken Bein muss ich mich noch an den Haltestangen festhalten. Die Benutzung der restlichen Gerätschaften lief wie immer, wenn mir auch alles etwas schwerer fiel, nun da ich in den Physioräumen nur noch ohne Krücken laufen durfte, darum lief auch das Alter-G anfangs etwas unangenehm. Zum Ende des heutigen Termines lief ich ohne Krücken zurück, ziehe mich um und wollte mich gerade an der Rezeption anmelden. Der Therapeut aus dem Trainingsraum steht ebenfalls dort und beobachtet etwas skeptisch meinen Gang. Denn offenbar knickte ich so stark nach links weg, dass das auf Dauer extrem Hüft-schädigend wirken würde. Er schiebt es allerdings auf die Erschöpfung und zeigt mir, dass ich die rechte Krücke wie einen Gehstock nutzen soll. Geht ganz gut so. Mein dann kommender Taxifahrer sieht aus wie Heinz Erhardt. Obwohl er mich schon einmal gefahren hat, erinnert er sich nicht mehr an mich, also kann ich ihm nochmal die ganze Story erzählen. Bei anderen Fahrern, dämmerte immer spätestens dann, dass sie mich schon gefahren hatten, denn das Haus Auensee und der Kniebruch waren ja doch recht markant. Aber er rafft es bis zum Ende nicht. Lustig. ~ Samstag 22.02.2014. ~ Oh verflixt. Meine Einkaufscrew ruft mich früh am Morgen an, dass sie nicht können, weil ihr Auto entgegen der Werkstatt-Aussage doch nicht am Samstag Morgen abholbereit ist. Na super. Und nun? Andere Freunde kann ich so kurzfristig nicht um zwei Stunden ihrer Zeit bitten. Also fasse ich den Entschluss, das erste Mal wieder alleine einkaufen zu fahren! Ab Montag müsste ich ja eh selbstständig in die Reha fahren. Alles zusammengepackt, nehme ich nur eine Krücke mit. Zwei würden mich eher aufhalten, denn den Wagen konnte ich so nicht schieben. Aufgeregt sitze ich im Auto und fahre los. Viel besser ging das mit dem kuppeln nicht, musste aber gehen. Im Supermarkt angekommen, humple ich ohne die Krücke aufzusetzen zu den Wagen, nehme mir einen und schiebe ab. Zweieinhalb Stunden dauert meine Einkaufstour. Immer wieder wechsle ich zwischen schiebe-humpeln ohne alles, schieben auf einer Krücke und schieben, während ich mich auf den Wagen auflehne. Am Ende habe ich für die erste Methode allerdings null Kraft mehr und kann kaum noch ordentlich den Fuß abrollen. Die letzten Anlaufpunkte, an denen ich die Melone, mein Mittag für heute und morgen holen wollte sowie einem Kiosk, wurden dann zur echten Tortur. Denn ich war kaum noch in der Lage vernünftig den Fuß abzusetzen und sogar mit der Krücke und auf dem Wagen herumlungernd, knickte das Becken immer fürchterlich nach links ein. Ich war nichts weiter mehr, als eine weiche Gummimasse in Klamotten. Die Tüten mühsam im Kofferraum verstaut, schaffe ich den Wagen weg und lasse mich ins Auto fallen. Ich bin im Arsch. Wie gut, dass es kein Flintstones-Auto ist, auch wenn die Fahrt deutlich schwerer fällt. Auf halbem Weg nach Hause, stehe ich an einer Kreuzung zum rechtsabbiegen und fahre los. Irgendwer vor oder hinter mir hat einen getunten Auspuff. Es röhrt so tief und laut, dass mein Auto förmlich mitbebt. Ich grinse bloß und fahre weiter. Fünfzig Meter weiter stehen wir alle an der nächsten Kreuzung. Als es grün wird, röhrt es wieder auf, diesmal nervt es mich aber eher. Ich schaue hinter mich. Hmm, der Wagen steht noch. Ich schaue vor mich, das Auto ist 20 Meter vor mir. Was zum.... links von mir ist keiner... mir dämmert's... das bin ich!!! Eine Ahnung habend, dröhne und röhre ich mich nach Hause, parke direkt vor der Haustür ein, lasse mich aus der Tür fallen und gucke unter das Auto... nee halt, ich versuche es. Denn ich komme nicht so wirklich auf den Boden, um unter das Auto zu schauen. Hin hocken kann ich mich noch nicht. Auch hinknien funktioniert so nicht. Ich mache mit der Krücke ein paar Verrenkungen und sehe die Bestätigung. Die Mittelaufhängung ist gebrochen. Super. Es ist ja nicht so, dass ich das Auto ab Montag dringend brauche. Ich checke den Terminkalender, wann die Reha startet. 10 Uhr. Hmm, es läuft also darauf hinaus, 8 Uhr bei der Werkstatt zu sein, damit ich dann die Straßenbahn so erwische, um 10 Uhr dort zu sein. Scheiß öffentliche Verkehrsmittel. Dann nehme ich die drei Tüten aus dem Kofferraum und trage sie nach oben. Ähm... Moment mal... wie kriege ich den Einkauf nach oben getragen??? Ich probiere mit einer Krücke und einer Tüte vorwärts zu kommen und breche dabei ab. Zum Glück kommt ein Nachbar, den ich dann bitte, mir die drei Tüten hochzutragen. Glück gehabt. Völlig erschöpft, esse ich etwas, lasse die Tüten so wie sie sind stehen und schlafe drei Stunden. Der Rest des Tages war damit gegessen. ~ Montag 24.02.2014. ~ Erster Tag der Reha. Wie ungewöhnlich, fühlt sich an wie ein normaler Arbeitstag. Ich stehe 6:30 Uhr auf, dusche, esse und mache mich bereits zum Aufbruch. Pünktlich 8 Uhr starte ich, steige ins Auto und lasse es an. Augenblicklich dröhnt es mir im Gehörgang, die Karosserie vibriert. Wie am Samstag, röhrt er im ersten Gang extrem auf und wird vom zweiten zum dritten Gang immer leiser. Ich fahre über die erste Kreuzung und bemerke, dass er nun ständig dröhnt, egal was ich mache. Außerdem höre ich Metall auf der Straße schaben. Scheiße! Ich fahre rechts ran, steige aus und verrenke mich, um unter das Auto zu schauen. Bravo, die Mittelaufhängung ist nun komplett gebrochen, das Ende vom Kat setzt fast auf dem Boden auf. Der hintere Teil wird aber noch auf halber Höhe gehalten. Ich überlege, was ich tun kann. Hmm, den Kat anheben kann ich nicht. Der dürfte jetzt eh schon zu heiß sein. Jemanden zum abschleppen rufen? Dauert zu lange. So entscheide ich, mit schleifendem Kat weiterzufahren. Allerdings dürfte ich unter keinen Umständen rückwärts fahren, sonst könnte ich mir den Unterboden noch aufreißen. Und ich musste hoffen, dass der hintere Teil auf halber Höhe hängen bleibt. Mit 30km/h und genau auf die Schleifgeräusche achtend und Unebenheiten umgehend, tuckere ich zur (eigentlich) drei Minuten entfernten Werkstatt. Endlich angekommen, stelle ich mich nicht in eine Parklücke, sondern bleibe halb auf der Einfahrt stehen, damit die Monteure nicht rückwärts fahren müssten. Dann schaue ich drunter. Gut, war nicht schlimmer geworden. Ich gehe rein und höre dass draußen ein Auto kommt. Es ist der Meister mit seiner Frau. Ich erkläre die Situation und er meint, dass er von hinten schon das Problem sehen konnte. Ich erwähne das Knie und bitte um zügige Bearbeitung. Er verspricht, es bis Dienstag zu reparieren, allerdings würde er das Auto nicht vor 16 Uhr auf die Rampe zum Check bekommen. Macht nur, solange es schnell geht. Ich bitte darum, ob sie mich zur nächsten Straßenbahnhaltestelle zu fahren. Machen sie natürlich. Dann beginnt meine Odyssee. Denn nun musste ich aus der Nähe des Sportplatzes - vom Quadcopter-Video aus dem vorletzten Kapitel - nach Hause laufen. Nach drei Minuten kehre ich nochmal um, gehe zum Konsum und kaufe mir eine Straßenbahnkarte. Uff? 10 Euro für 4 Fahrten...?! Nach 15 Minuten bin ich wieder Zuhause. Es ist 08:56 Uhr. Perfektes Timing. Zehn Minuten später starte ich zur Reha, nachdem ich nochmal meinen Fahrplan gegoogelt und überarbeitet hatte. Also, erstmal auf zur Straßenbahnhaltestelle. Sechs Minuten später bin ich vor Ort. Die Bahn kommt erst in acht Minuten. Das wird recht knapp. Da ist sie. Ich steige ein. Sofort steht eine Frau in ihren Fünfzigern auf und bietet mir ihren Platz an. Ääääh, wie ungewöhnlich! Am Leuschner-Platz angekommen, steige ich aus, laufe querfeldein über den großen Parkplatz. Statt auf die nächste Bahn umzusteigen und eine Haltestelle weiter zu fahren, näherte ich mich dem Reha-Zentrum quasi von hinten. Nach 15 Minuten Marsch, bin ich im Arsch. Und endlich angekommen. Sogar pünktlich. Bereits komplett erschöpft, fahre ich den Aufzug nach oben - zum Glück waren dessen angekündigten Wartungsarbeiten bereits beendet. Nach dem Umziehen erhalte ich an der Anmeldung einen neuen Hefter für die Reha. Als nächstes soll eine beruflich abgestimmte Ergotherapie erstellt werden. Dazu muss ich in einen Raum, der von den anderen Patienten "Die Kammer des Schreckens" genannt wird. Darin sieht es aus wie auf einer Baustelle. Eine Schubkarre, Dachpappe-Rollen, ein Sandkasten, ein Kieskasten, ein voller Bierkasten, ein Weg mit Unebenheiten, diverse Steine, Gewichte, Flaschen und allerlei anderer Kram. Alles das wurde regelmäßig miteinander kombiniert und musste von den Patienten über den Flur oder im Raum herum getragen werden. Auf dem Weg dahin sage ich der jungen Dame, dass das bei mir recht schnell gehen würde. Schließlich sitze ich den Großteil des Tages. Sie nimmt nochmal die Daten des Unfalles auf. Drei Minuten später bin ich wieder raus. Damit ist die Kammer des Schreckens für mich gestrichen. Es folgt der normale Sport. Statt den üblichen 45 Minuten habe ich jetzt jedoch 90 Minuten Sport. Der Therapeut fragt mich sofort, warum ich die Krücken noch mitgebracht habe. Ich erzähle von meinem Morgen und dass ich zuletzt selbst für den Kreuz-Gang zu erschöpft war. Zu meiner Überraschung berücksichtigt er im Laufe der Einheit diese Anekdote. Wir beginnen mit der Erdbeben-Maschine. Dort wackle ich einige Minuten darauf herum. Weiter geht es auf dem normalen Ergometer, ich fahre mal wieder Fahrrad. Zehn Minuten trete ich da herum, in der Hüfte knackt dabei links immer etwas. Der Therapeut zeigt sich besorgt, ich solle das beobachten. Während ich da so radle und merke dass das recht gut geht, schreibe ich einem meiner Kumpel eine SMS. Er arbeitet bei Little John Bikes und ich möchte gerne ein neues Fahrrad haben. Dann könnte ich zur Reha fahren, würde dabei gleich trainieren und dazu Sprit sparen. Win-Win. Die Beinpresse: Der junge Therapeut fragt mich, wo ich Gewichte-mäßig stehe. Bei 20kg? Pfffff. Ich grinse und sage bei 50kg! Er ist erstaunt, meint aber, dass dabei so oder so zuviel Gewicht auf der gesunden Seite landen würde. Auf die Diskussion meinerseits, dass ich versuche das auszugleichen, lässt er sich gar nicht ein. Stattdessen stellt er 10kg ein, ich soll mich reinsetzen und den rechten Fuß unten abstellen. Nur mit dem linken Fuß stemme ich mich gegen das Gewicht. Uuuurgh. Ich brech' ab. Nur unter größter Anstrengung kann ich das Gerät bewegen. Der Therapeut grinst. Ich schiebe es auf die Werkstatt-Erschöpfung. Wir kommen auf die 50kg zu sprechen, dass ich dann ja mit einem Fuß 25kg stemmen müsste. Ich schau ihn an und Barney Stinson-like sage ich: Diese Herausforderung nehme ich an! Er schüttelt mit dem Kopf und meint "Mach das nicht!". Aber ich muss es versuchen. Wieder sagt er: "Nein wirklich, mach das nicht." Nachdem er es ein drittes Mal wiederholt hat, lenke ich ein und stelle nur auf 20kg. Er hält die Hand vors Gesicht, ich presse. Uuuuuuuuuuuuuuuuuuuurgh. Ich gebäre! Oder so ähnlich. Vermutlich treten alle Adern auf meiner Stirn hervor. Und dort, wo ich gar nicht wüsste, dass da welche sind. Dreimal schaffe ich es, das Gewicht zu stemmen. Dann ist meine Kraft aufgebraucht und ich mache die restlichen drei Durchgänge á 15 Wiederholungen mit 10kg. Denn nach dem initialen Wegstemmen des Gewichtes waren die folgenden Wiederholungen dann immer etwas einfacher. Anschließend stehe ich im Hüftstrecker und kriege das Gewicht kaum noch weggedrückt. Mein Akku ist erschöpft. Ich bin breit. Am Stepper schaffe ich es kaum hochzukommen. Nach den ersten 15 Wiederholungen erlöst mich der Therapeut. Ich solle noch meine paar Minuten im Alter-G leisten und dann würde er für heute auch erstmal reichen. Dank des leichten Gewichtes konnte ich im Alter-G sogar leicht regenerieren. Danach bietet er mir an, dass er mir auf der Pritsche im Trainingsraum einen kühlenden Verband anlegen könnte. Dabei wird das Bein von einem Klett-Verband umschlossen, an dem ein Schlauch angeschlossen wird. Unten steht ein Behälter mit einer Pumpe und Wasser darin. Diese pumpt das kühle Wasser durch den Verband. Ich schlafe fast ein. Nach 10 Minuten schmerzt das Bein vor der Kälte. Die übliche glühende Stelle am Knie ist immer noch warm. Die ersten Schritte fallen mir sehr schwer und fühlen sich genau wie das "Eisbein" an. Doch die Hitze dominiert nach kurzer Zeit. Ich stecke wieder bei der manuellen Therapie und erzähle ebenfalls vom Werkstatt-Besuch und wie fertig ich bin. Außerdem erwähne ich ihm gegenüber die ewig gleich wehtuende Stelle, die mich nach dem Sitzen bei den ersten 5-10 Schritten stets in den Wahnsinn treiben. Also massiert er diese Stelle und wir üben Drehungen des Gelenkes. Bisher sollte ich dabei den Fuß oder Bein nicht drehen. Das hob er nun auf und zeigte mir diverse Übungen dazu. Dazu massierte er, drückte, drehte und zog. Mit dem Ende der Einheit hatte ich als nächste Einheit eine Fango-Packung auf dem Plan stehen. Ahja, eine heiße Schlammpackung für mein bereits glühendes Knie. Gute Idee. So lassen wir die Einheit kurzerhand fallen. Auch den danach folgenden weiteren Sport erließ man mir, als ich erwähnte, dass ich aufgrund des Nachhause-Weges nun ohnehin nochmal 30-40 Minuten laufen müsste. 12:30 Uhr verlasse ich das Gebäude und kaufe mir auf dem Rückweg einen BigDöner für 3 Euro. Ungewöhnlich günstig, gerade für die Innenstadt. Die Straßenbahnfahrt verläuft komplikationslos, auch der restliche Laufweg. Wobei ich nur noch über den parallelen Krückengang im Stande bin, mich vorwärts zu bewegen. Das ganze Ausmaß zeigt sich dann an der Treppe. Nun... ich habe in den letzten Kapitel öfters geschrieben, dass ich erschöpft wäre, aber so etwas hatte ich noch nicht gefühlt. Am liebsten wäre ich auf allen Vieren die Treppe hoch gekrochen. Auf dem Zahnfleisch komme ich oben an. Ich lasse mich aus den Klamotten fallen, esse den Döner und falle in einen komatösen dreistündigen Schlaf. Es ist 18 Uhr, als ich den Anruf der Werkstatt bekomme, was getan werden muss und dass das Auto morgen fertig sein würde. Klingt sehr gut. ~ Dienstag 25.02.2014. ~ Eine Stunde vor dem Reha-Beginn starte ich. Verdammte öffentliche Verkehrsmittel. An der Straßenbahnhaltestelle stehend, klingelt das Telefon. Die Krankenkasse. Ich schiele auf die Anzeigetafel. Die Bahn kommt in 0 Minuten. Super... da kommt sie auch schon. Ich beschleunige das Gespräch und kann es in genau dem Moment beenden, als ich die Stufen der Tatra hoch steige. Koordinativ habe ich die Situation allerdings recht gut im Griff, stemple das Ticket ab und setze mich. An der Ziel-Haltestelle angekommen, steige ich unter einem strahlend blauem Himmel aus dem Wagon. Die Sonne scheint mir ins Gesicht, da rennt mich fast einer meiner Arbeitskollegen über den Haufen, der versucht seine Bahn zu erwischen, die hinter meiner Bahn gehalten hatte. Verwundert, dass er mich in seiner Hektik nicht erkannt hatte, schaute ich auf die Uhr: 10:15 Uhr. Gleitzeit ist doch was tolles. Wie gestern auch, humple ich den gleichen Weg zur Reha. Allerdings nutze ich eher den parallelen Krücken-Gang, um mich nicht vor der Reha schon wieder auszupowern. Im Aufzug hoch, umgezogen, stehe ich an der Anmeldung und muss meine täglichen fünf Unterschriften leisten. Hirnlos-überflüssige Bürokratie. Anschließend gehe ich in Richtung Sportraum. Eine Therapeutin geht an mir vorbei, ich grüße, sie grüßt zurück. Dann schaut sie mich an und fragt, warum ich die Krücken nutze. Ich schau an mir herunter... oh verdammt... ich hatte mich tatsächlich wie bei einem Reflex in die Krücken begeben. Etwas verschämt erwähne ich das mit dem Reflex, nehme die Krücken in die Hand und suche das Weite. Los ging's mit dem Erdbeben-Gerät. Das lief heute besser, weil ich mehr kontrollierte nicht nach links wegzufallen. Erneut fahre ich zehn Minuten Fahrrad und stelle nach sieben Minuten sogar eine Stufe höher. Nach der Übung stehe ich am Tresen und erzähle dem Therapeuten von meinem Plan vom Vortag, diese oder nächste Woche ein neues Fahrrad zu kaufen, um dann hergefahren zu kommen. Es bilden sich einige Falten auf seiner Stirn. Offenbar wäre ich gerade dabei, es zu übertreiben. Er rät mir dringend davon ab, das zu tun, weil am Gerät zu trainieren nichts gegen den Straßenverkehr mit Bordsteinkanten, Steigungen, schnellen Manövern und allerlei anderem Kram ist. Und in der Tat hatte ich erst gestern Nachmittag herausgefunden, dass es stark im Knie schmerzte, wenn ich mal mit Schwung auftrat, dass der Fuß auf den Boden klatschte - ähnlich einem Sprung. Dann erwähnte er noch, dass ich vor fünf Tagen noch komplett an Krücken gegangen sei und darum mal ein wenig Ruhe walten lassen sollte. Mist... macht aber Sinn, was er sagte. An der Beinpresse nutze ich wieder nur das links Bein, das rechte baumelt in der Luft. Obwohl ich das gleiche Gewicht wie gestern drauf habe, breche ich fast ab vor Anstrengung. Danach geht es auf's Alter-G. Dort bringe ich es auf 18 Minuten, als ich vor Schmerzen abbreche. Hüftstrecker und Stepper nutze ich auch wie immer, bevor es auf die Pritsche geht und das Bein gekühlt wird. Während ich da die 15 Minuten herum liege, albere ich mit vier anderen Patienten herum, halte sie vom Training ab und wir lachen uns kaputt. Heute war der Trainingsraum mal ungewöhnlich voll. Mit mir sechs Männer und drei Frauen. Es folgt eine Massage des Knies beim Vater-Figur Therapeuten. Ich erzähle ihm unter Anderem, wie nervtötend ich es finde, dass dauernd die Therapeuten wechseln und ich dann jedes Mal bei Null anfange zu erklären, wo ich bin und was gemacht werden muss. Er kann natürlich nichts zur Terminplanung sagen und gibt an, dass sie alle über das gleiche Know-How verfügen würden. Wie auch immer. Dann habe ich bei seinem Kollegen - den ich bisher nur als Therapeuten im Trainingsraum kannte - die manuelle Therapie. Offenbar hatte er unser Gespräch mitgehört und fragte mich direkt, wo ich denn vom Stand her bin und ob ich Defizite habe. Schnell erwähne ich das Treppensteigen und die Überstreckung, so dass er erst ein wenig an der Überstreckung arbeitet und wir dann zum hinteren Treppenhaus gehen, wo ich dann anhand einer Stufe 15 Minuten lang fast vor Kraftlosigkeit verrecke, weil mir der Muskel fürs Treppensteigen fehlt. Das muss ich öfter üben! Völlig erschöpft ziehe ich mich um, kaufe mir noch im Edeka ein paar Erdbeeren und breche auf. Auf dem Rückweg ruft mich die Werkstatt an. Das Auto ist fertig. Juhu! Am späten Nachmittag lasse ich mich deshalb von einem Freund zur Werkstatt fahren und kann endlich wieder mein Auto in Empfang nehmen. Dann tauschen wir noch etwas Schaumstoff aus, der für die gefahrlose Verpackung meines Quadcopters dienen wird. Zuhause angekommen, mache ich den Kofferraum auf. Da liegt neben dem Schaumstoff plötzlich eine Packung Kiwis?! Muhahaha, am Samstag war die Packung wohl aus den Tüten gefallen und exakt so hinter die Notfallkoffer-Kiste gefallen, dass sie erst jetzt wieder zurück gestürzt war. Sahen noch gut aus, also nehme ich sie mit und damit war der Tag wieder mal gelaufen. Für den morgigen Mittwoch habe ich viel geplant. To be continued...? -- Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850
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