--------------- Gesundes Neues euch Allen! Morgen ist die Schonfrist um! Dann gibt es Bilder. Anschauen auf eigene Gefahr. --------------- Freitag der 13., Kapitel 7 - Stau Es ist Donnerstag, der 19.12. gegen 6:30 Uhr. In gewohnter Manier bin ich bereits wach und erwarte die Ärzte-Schar. Doch sie kommt nicht. Stattdessen können wir bis 7 Uhr schlafen, ehe das übliche Procedere startet. Die Tür fliegt auf und es heißt. GUTEN MORGEN HERR Z... Oh Moment, der Arzt hat ja die Station verlassen. In Folge dessen öffnet sich sanft die Tür und eine nette Ärztin tritt mit einem gehauchten "Guten Morgen" ein. Die übliche Schar aus 5-7 Leuten folgt ihr natürlich trotzdem. Ein paar neue Gesichter sind auch dabei, für mich aber nicht sonderlich von Interesse. Sie fragt wie es mir geht, ich erwidere ein "soweit okay" und sie schneidet währenddessen den Verband ab. Ein großes grünes steriles Tuch - wie vom Vortag - bereits griffbereit, läuft nur minimal Blut aus den Wunden, so dass sie das Bein einfach damit umschlägt. Doch unter dem hellem Licht fällt mir ein gewaltiges Problem auf. Die Größe meines Fußes hatte sich fast verdoppelt und war extrem angeschwollen. Das zeigte ich der Ärztin. Da mir bewusst war, dass sie den Zustand vom Vortag nicht kennen kann, zücke ich geistesgegenwärtig mit der Aussage zusammen mein Handy und zeige ihr ein Foto des Fußes vom Vortag, als ich meine Narben fotografiert hatte. Sie grübelt vor sich hin und fragt: "Haben Sie gestern viel gesessen?" Oh... ich erzähle ihr von meinen mehrmaligen Freudentränen-Märschen, dem TV schauen, Essen am Tisch und dem Rest. Sie nickt: "Dann ist das leider völlig normal. Das Gewebe ist noch zu geschädigt, so dass sich die Flüssigkeiten zehnfach schneller ablagern und stauen, als dass sie wieder zurück fließen. Bei allem Ehrgeiz müssen Sie dem Bein auch die notwendige Ruhe lassen und es regelmäßig in eine erhöhte Position legen, damit der Stau langsam abfließen kann." Sie schaut auf mein Bett, welches völlig gerade ist und meint: "Der Winkel vom Bett ist in dieser Form auch ungünstig. Erst Recht zum Schlafen. Sie müssen das Ende, als auch den Kopf-Teil anheben." Oh... ich bitte sie, das gleich zu tun und sie stellt die Position entsprechend ein. Verdammt, ich hatte mir mit dem Ehrgeiz also selbst geschadet und nahm mir vor, einen Gang zurück zu schalten. Dann kommt die nette Morgen-Schwester und legt mir einen neuen Verba... öhm... nein, sie kommt einfach nur mit drei riesigen Pflastern daher. Diese schneidet sie geschickt ein, so dass das Pflaster sich allen Beugungen, Falten und anderen Unebenheiten perfekt anpassen kann. Auch in der Bewegung versagte es zu keinem Zeitpunkt und lag stets straff an. Derweil machte sich mein Bettnachbar #2, Dominik, bereit zum Auszug. Von der Ärztin, der Schwester und dem Verantwortlichen für Physio-Gerätschaften zur Patienten-Mitnahme bekommt er eine Unterweisung in seine Schulter-Arm-Manschette, so dass er bereits gegen 9 Uhr verschwinden kann und soll. Um 7:15 Uhr erscheint - wie am Vortag angekündigt - dass Physio-Mädel in der Tür. Wobei eine Begleitung fehlte. Denn nach dem Ende unserer Übungen am Vortag hatte sie mich noch gefragt, ob sie für heute Jemanden zum Zuschauen mitbringen kann. Weil ich grundsätzlich immer dagegen bin... kleiner Scherz... selbstverständlich durfte sie. Da die reguläre Physio-Dame vom Vormittag immer die junge große Physio-Griechin im Schlepptau hatte und sie - offenbar in Ausbildung befindlich - sehr aufmerksam alles mitverfolgte, ging ich davon aus, dass nun auch das Physio-Mädel einen Lehrling zur Seite gestellt bekommen hatte. Da stand sie nun allein und wollte anfangen zu üben. Ich gab an, dass ich nach der Visite eben weder die Morgen-Toilette aufgesucht, noch etwas gegessen habe, immerhin kommt das Essen erst gegen 8 Uhr. Guter Einwand meint sie und verschwindet. 7:25 Uhr steht unverhofft die Essens-Ausgeberin im Zimmer. Ohne Wagen vor der Tür. Sie sagt: "Sie sollen heute eher Essen bekommen." Ich erwidere: Na gut, dann los. Sie steht, schaut mich an wie ein Eichhörnchen, wenn es blitzt und hinter ihren Augen erkenne ich ein TILT. Ein Heuballen rollt durchs Zimmer. Worauf wartet sie...? Sie rümpft die Nase und gibt nach 20 Sekunden ein "Naaaaaa, was wollen Sie denn?" von sich. Ich frage: Naaaaa, was haben Sie denn?. Sie wieder: "Na, was wollen Sie denn?" Ich: Na, was haben Sie denn? Ich bemerke, dass ich gerade von einem Stein Antworten zur Entstehung von Sonnenprotuberanzen erwarte und lenke ein: Sie haben keinen Wagen dabei. Ich kann also nicht sehen, was Sie anbieten. Damit ich aus ihrem *hust* reichhaltigen Angebot wählen kann, müssten Sie einmal grob aufzählen, was Sie heute Morgen anbieten. Stille. Ich bin mir nicht sicher, ob das Geräusch des fallenden Tropfens mit den satten Klangerlebnis einer Tropfsteinhöhle aus dem Bad kommt, oder ihrer Schädelhöhle. Sie spannt die Lippen. Jaaaa, sie hat eine Antwort und die Zutaten-Liste! Weit gefehlt: "Sgleichewiegestorn." Ah ja, das Gleiche wie gestern... welch' Überraschung. Sie macht sich also nicht einmal mehr die Mühe so zu tun, als gäbe es etwas Frisches. The same procedure as every day, Miss Essen-Schubse: Zwei Brötchen, Konfitüre, Marmelade, drei Scheiben Putenbrust, drei Scheiben Salami, drei Scheiben Leberkäse. Etwas Gurke, etwas Tomate, kein Paprika. Keine Butter, kein Joghurt. Einen Hagebutten-Tee. In ihrem Kopf rattert es deutlich sichtbar. Dominik lacht sich im Bett nebenan kaputt. Sie geht. Er prophezeit, sie hat sich von meiner Liste nur folgendes gemerkt: "Zwei" Sie kommt mit einem Teller wieder und stolziert herein. Zwei Brötchen, ein helles, ein Vollkorn. Gut, das war meine Schuld, hatte nicht explizit nach zwei hellen Brötchen verlangt. Kirschkonfitüre. Keine Erdbeermarmelade. Zwei Scheiben Schinken. Eine Scheibe Salami. Eine kleine knubbelige Leberwurst (IGITT!). Zwei Stücke Butter. Drei Gurken-Scheiben. Keine Tomate. Drei Stücke Paprika. Joghurt. Wie immer ohne Löffel. Keine Ahnung, wie das die anderen Joghurt-essenden Patienten machen. Sie stellt es ab, ich raune ein "naja, fast..." hinter ihr her. Dominik gluckst in seinem Bett, so dass sie ihn mit weit erhobener gerümpfter Nase und ihrer roten Duschhaube betrachtet und in Richtung Tür gehend, keine Sekunde aus den Augen lässt. Sie schließt die Tür und wir brechen in schallendem Gelächter aus. Eigentlich ist das unfair, sich so über die Leute lustig zu machen, aber die komplette Essens-Crew auf der Station B3.1 - bestehend aus 4 wechselnden Damen - hatte (alle addiert!) einen geschätzten IQ von 70. Die ganzen letzten Tage schon offensichtlich, sollte sich das bereits kurz später, und bei jedem einzelnen Auftritt erneut bestätigen. Dann verging die Zeit. Dominik machte sich bereit, wir verabschiedeten uns ausführlich und er verschwand. Keine 5 Minuten später kommt einer der Pfleger und reinigt ca. 30 Minuten den kompletten Schlaf-Platz mit allen zugehörigen Apparaturen bis hin zur letzten Schraube im hintersten Winkel. Ich gehe ins Bad, lege dann nach meiner Rückkehr brav den Fuß hoch und zocke ein bißchen. Erst gegen 9 Uhr geht die Tür auf und das Physio-Mädel kehrt zurück. Im Schlepptau hat sie einen streng blickenden Mann dabei. Zwei Köpfe größer als sie, sportlich aber schlank, der mit verschränkten Armen sein Klemmbrett umklammert, nichts sagt, sich an das Fenster rechts neben meinem Bett begibt und hinsetzt. Hmm, der war doch schon bei der Visite dabei. Sie stellt ihn mir vor. Herr Soundso. Ist heute dabei, um zuzuschauen. Merkwürdig. Aufgrund seines Erscheinungsbildes würde ich ja eher vermuten, dass er der Lehrer und sie die Schülerin ist. Wir beginnen die Trockenübungen im Bett, sie ist sichtlich erstaunt, als ich ihr von meinen Spaziergängen und dem körperlichen Schub nach unseren Übungen vom Vortag erzähle. Ich erwähne den Fuß. Mitten in den Übungen pausiert sie kurz, um zur manuellen Lymph-Drainage anzusetzen. Anders als bei Drainagen über Schläuche, ist in dem Fall die Massage der betreffenden Lymph-Knoten und des ganzen Lymph-Systemes im Bein gemeint. Sie setzt an, beginnt fest zu massieren und von der Seite donnert es ein: "STOP". "Warum machen Sie das jetzt so?" Sichtlich irritiert, erklärt sich das Physio-Mädel dem jungen Mann und bestätigt meine Vermutung. Er ist ein Prüfer der Physiotherapeuten-Vereinigung in Leipzig und nimmt heute final ihre Arbeit ab. Er erklärt die Sanftheit des Lymph-Systemes und sie massiert ganz sanft weiter. Im Laufe der Stunde unterbrach er sie dann noch mehrfach, gab ihr aber stets nur kleine Verbesserungen und hilfreiche Tipps, angepasst an das Training mit einem sportlichen jungen Mann, statt den üblichen Stations-Greisen, die mental schon abgeschaltet haben. Mitten in den Übungen tauchte bereits Bettnachbar #3 auf, legte sich aufs Bett und schaute bei meinen Übungen zu. Ich konnte ihm erstmal keine Beachtung schenken. Nun wollte das Physio-Mädel sehen, wie gut ich denn nach meiner Prahlerei laufen kann und wir gingen zu dritt nach draußen. Der junge Mann gab mir noch viele hilfreiche Tipps in Sachen Körperhaltung, die beim laufen noch zu wünschen übrig ließ, da ich auf der linken Seite wie ein Roboter eher nach hinten zu kippen schien, statt den Schwerpunkt wie gewohnt nach vorne zu legen. Irgendwann kamen wir bei den Treppen an. "Jetzt lernen Sie, wie man Treppen steigt." Hoppla, die wollten ja direkt aufs Ganze gehen! Ich erfahre, dass Beide davon wissen, dass ich in der 4. Etage ohne Aufzug wohne. Dementsprechend wichtig war es, das direkt zu üben. Sie erklären wie es funktioniert und ich mache ordentlich mit. Er gibt noch Tipps und ich beginne leicht zu schnaufen. 30 Stufen abwärts in die Etage drunter, umdrehen, 30 Stufen aufwärts. Puuuuh, was'n Stress. Oben angekommen, bin ich erschöpft, aber glücklich. Wir bewegen uns zurück ins Zimmer. Es ist 11 Uhr, ich schlafe 45 Minuten. Dann kommt das Essen. Mein Bettnachbar stellt sich vor: Kay, 44 Jahre. Ist im Krankenhaus wegen Splittern in der Schulter, die er sich von einem unbehandelten Snowboard-Unfall vor 20 Jahren zugezogen hat. Erst jetzt fingen diese an zu schmerzen. Da er den operierenden Oberarzt kennt, solle das Ganze recht zügig über die Bühne gehen, so dass er am Freitag Morgen schon wieder gehen kann. Essen darf er deshalb jetzt nichts. Wir verstehen uns auf Anhieb. Prompt habe ich allerdings wieder das falsche Essen unter der Abdeckung. Obwohl ein Zettel daneben liegt, auf dem das richtige Essen notiert ist. Tüüüüt, tüüüt, muss der Pfleger antanzen und das richtige Essen besorgen. Ich beginne Kay die Leidensgeschichte mit den offensichtlich strunzdummen Essens-Schubsen zu erzählen, die sich bei jeder Runde immer wieder zum Ei machten. Kochschinken, den sie nicht von luftgetrocknetem Hinterschinken auseinanderhalten konnten. Bierschinken, den sie als Bierwurst ausgaben. Kasseler-Aufschnitt und/oder Lachsschinken, den sie für Putenbrust hielten. Pausenlos vertauschte oder falsche Essen. Aussagen über Essen, die sie sich - mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege - nicht 5 Sekunden lang merken konnten. Nase rümpfende, skeptische Blicke, wenn wir mit Hexenwerk wie Smartphones auf den Betten saßen und tippten oder am Netbook Filme schauten. Unverständnis, wenn ich aufgrund von Unverträglichkeiten etwas ablehnte. Keine Löffel zu Joghurts und Kiwis ohne Nachfrage. Die sich beschwerten, wenn die Lade von Nachttisch voll mit Medikamenten und Geschirr von zuvor waren, statt es einfach abzuräumen - war schließlich ihre Aufgabe. Die meinen Besuchern auf Nachfrage einen Kaffee gaben und Freundlichkeit heuchelten, sich dann aber im Nachhinein vor mir aufplusterten, dass sie SOWAS NIE WIEDER TUN WERDEN! Und vieles mehr. Alleine diesen Essens-Damen könnte ich ein ganzes Kapitel widmen. Tue ich aber nicht. Vielleicht 1-2 Erwähnungen noch. Dumme Hühner. Ich beobachte, wie die Schwestern sich Kay gegenüber völlig anders verhalten und vermute ihn als Privat-Patient, was sich auch kurze Zeit später bestätigt. Nur die Essens-Damen waren gleich hohl ihm gegenüber, dazu später mehr. Er warnt mich davor, dass er starker Schnarcher ist. Es ist nun 13 Uhr, als die Vollgeheult-Schwester auftaucht und Kay zur OP abholt. Er sieht wie Kay mit dem Smartphone hantiert und belehrt ihn sogar noch über seinem Hab- und Gut, was er vorher sichern sollte und schielt dabei auf mich. Idiot! Kay lacht und meint, dass ich schon darauf aufpasse. Keine fünf Minuten später steht die Vormittags-Physio-Dame auf der Matte und schließt mich an die Automatik-Schiene an. 86 Grad Bein-Beugungswinkel erreiche ich heute! 30 Minuten soll die Automatik ihre Arbeit verrichten, dann würde sie wieder kommen. Sie erwähnt noch, was das für eine Ehre für mich am Morgen war, dass das Physio-Mädel zwei Stunden mit mir trainiert hat. Immerhin hat eine Therapeutin nur 20 Minuten Zeit pro Patient! Uff. Gut für mich! Wenn die anderen nur rumsabbern, selber Schuld. *Surr* *Surrrrrrr* Als nach 45 Minuten keiner kommt und die Tackerklammern an den Nähten durch die Bewegung zu schmerzen beginnen, lasse ich sie ausrufen und wir stellen das Gerät ab. Gegen 16:30 Uhr kommt Kay wieder. Er ist groggy und schläft. Sein Schnarchen hält sich in Grenzen. Der Rest des Abends verläuft ruhig, Kay gibt einige Anekdoten zum Besten. Wir lachen so heftig und viel, dass die Schwestern als auch die Essens-Damen stets völlig irritiert sind, wenn sie herein kommen. Die Nacht lassen wir mit einem Best-Off bei ProSieben ausklingen, bevor wir gegen 23 Uhr das Licht löschen. Mitten in der Nacht wache ich auf und bin erstaunt über Kays Geschnarche. Er hatte nicht übertrieben, in der Lautstärke toppte das tatsächlich alles, was ich bisher kannte. Gestört hat es mich allerdings nicht, so dass ich weiter schlief. Zwar war ich Etappen-weise wach, das lag aber eher daran, dass ich erstmalig versuchte mich auf eine Seite zu drehen und das nicht wirklich klappte (rechts) oder nur 5 Minuten funktionierte (links), bevor es unangenehm wurde. An auf dem Bauch schlafen, war nicht zu denken. Der Morgen dämmert. Da... ist etwas... im Bett. Es... lebt! Ich schaue es an. Es bewegt sich! Es ist riesig und kommt direkt auf mich zu! Aaaaaaah! To be continued... nächstes Kapitel: Kleine Quantensprünge -- Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850
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Carsten Zinke