Freitag der 13., Kapitel 20: Geburtstag (war: Überraschungsbesuch) --- Hallo liebe Lesefans, aufgrund einer Änderung im Release-Verfahren, hatte ich mit dem letzten Kapitel versehentlich eine teilweise unfertige Textrevision mit Fehlern und Autor-Kommentaren versendet. --- ~ Mittwoch, 29.01.2014. ~ Husch husch, 12 Uhr, ab zum Bewegungsbad. Taxi gerufen, aus der Tür gestürzt, checke ich im Kopf den Inhalt meiner bereits vor zwei Tagen gepackten Badetasche. Badelatschen, Handtuch, Bademantel. Gut, weiter geht's. Zwei Treppen weiter fällt es mir wie Schuppen von den Augen... öhm... eine Badehose...?! Auf dem mittleren Treppenabsatz stehend, öffne ich die Tasche und reiße wild alles heraus. Verdammter Mist, was ist nur mit mir los? Dieses Schmerzmittel macht mich völlig weich im Kopf. Ich stelle mir vor, wie der Taxifahrer schon unten steht, klingelt und wartet, werfe wütend alles auf dem Treppenabsatz in die Ecke und stürze hektisch nach oben zurück in die Wohnung, um vom Wäscheständer im Bad die Badehose zu holen. Was ich nicht im Kopf habe, habe ich jetzt nichtmal mehr in den... Beinen... Ah, wieder der bekannte Taxifahrer, mit dem ich mich auch schon über den Ghostrider unterhalten habe. Er fragt mich, warum der Ghostrider nicht mehr in meiner, von der Zentrale übertragenen, Notiz steht. Ja, gute Frage. Warum steht er denn da nicht mehr drin? Hatte der andere Taxifahrer, mit dem ich ebenfalls über den alten Stinkstiefel unterhalten hatte und dieser meinte er wäre ganz nett, den entfernen lassen? Naja, genau genommen konnte es mir ja egal sein. Denn ich wusste nun, dass er an der Taxi-Zentrale stand. Das heißt es gibt eine 5%ige Chance, dass er mich jemals von Zuhause abholen würde, allerdings eine 89%ige Chance, dass er mich aus der Physio abholt. Darum gab ich in den letzten Tagen beim Abhol-Anruf in der Physio immer den Fahrer 154 mit an, den ich nicht haben möchte. Und das klappte bisher sehr gut. Im Bewegungsbad klappte alles ein wenig besser, da ich weniger aufgeregt war. Nur dem Wechsel der Schuhe vor der Umkleidekabine war ungünstig, denn da stand ich nun, mit den Straßenschuhen vor mir auf dem Boden und wusste nicht wohin damit. In die Badetasche? Nee, nicht mit all dem Straßendreck dran. Einfach in die Hand nehmen und wegtragen? Hah, guter Scherz. Also stelle ich die Krücken in die Schuhe und schlurfe vorwärts. Hmm, das hat etwas von Künstlern auf Stelzen mit so kleinen winzigen Schuhen unten dran. Das muss ich beim nächsten Mal anders machen. Die Umkleide war diesmal leer, also kann ich mich in Ruhe umziehen und gehe durch die Tür mit dem PIN-Code ins Bewegungsbad. 2-3-4-5, wirklich originell. Aber wehe ihr stürmt jetzt mit dem Code das dortige Bewegungsbad! :-P Na gut, ich lege den Bademantel, das Handtuch und den Schlüssel im Fach ab und schlurfe wieder Richtung Sitzbank und setze mich hin. Da sitzt schon eine pfundige Frau und stiert mich ganz komisch an. Kennt die mich? Kenne ich die? Liest du hier mit? Hallo? Einmal klicken für Ja, zweimal für Nein. Zum Glück stiert sie dann auch die anderen zwei Rentner an, die am Beckenrand warten. Und die fünf Leute, die noch im Wasser sind. Die ist doch verrrrrückt! Als die Zeit ran ist und die vorherige Gruppe verschwindet, stelle ich meine Krücken wieder in die Ecke, mache den gewohnt langen Arm und hüpfe leicht an die Metallstangen der Eingangsstufen des Beckens. Dann ziehe ich die Badelatschen aus. Ähm, zumindest versuche ich das. Ich kann doch im Stehen nicht beide Schuhe ausziehen! Links ist kein Problem, ich stehe ja auf dem rechten Bein. Aber wie soll ich den rechten Schuh ausziehen? Rausspringen? Keine gute Idee am nassen Beckenrand. Also stemme ich mich mit beiden Händen an der rechten Metallstange hoch und wackle den Schuh vom Fuß. Das muss ich beim nächsten Mal anders machen.² Wir machen viele neue Übungen, auch wenn der junge Mann das Physio-Programm völlig desinteressiert abspult. Wenn man die drei Rentner sieht, die die Anweisungen laufend nicht kapieren und falsch umsetzen, eigentlich kein Wunder dass er da resigniert. Was zum... die Pfundige stiert mich auch die ganze Zeit während der Übungen an. Hui, wir sollen auf Zehenspitzen springen. Fühlt sich unangenehm aber interessant an. Wir laufen und drehen uns, machen Ausfallschritte, gehen seitwärts und alles sowas. Schließlich sollen wir auf einem Bein stehen und den Fuß kreisen. Danach ein Bein auf 90 Grad anwinkeln und den Unterschenkel kreisen. Das sind die ersten zwei Übungen, die ich bewusst links nicht mitmache, denn das sind Bewegungen, die ich weder machen kann, noch darf. Er merkt es nichtmal. Nach 30 Minuten ist die Gruppentherapie vorbei. Doch es ist keine neue Gruppe zu sehen. Während drei Damen die Gelegenheit nutzen und sich an der Whirlpool-Funktion ergötzen, die man als Patient eigenständig im Becken aktivieren kann, laufe ich auf und ab. Auf und ab. Auf und ab. Fühlt sich schon immer besser an. Insgesamt 15 Minuten laufe ich herum, dann fangen die Damen an das Becken zu verlassen. Ich folge ihnen, die Pfundige wartet, bis ich mich heraus gehievt habe und humpelt hinter mir her. Ich hebe mich wieder in die Schuhe, da spricht sie mich an und fragt, wie lange es her ist. Während meiner Antwort mustere ich sie und erkenne an ihrem rechten Knie ähnliche Narben. Bei ihr wäre es wohl sechs Monate her. Hmm, na so wie sie, will ich nach der Zeit nicht mehr humpeln. Außerdem war ihr linkes Bein meines Erachtens nach geschwollen. Oder einfach nur... ähm... pfundiger als das andere. Geht das? Hmm. Wir reden noch einige Sekunden, dann geht's zum Umziehen und zurück nach Hause. Zwei Stunden später bin ich bei Vicky. Die Schmerzen sind ziemlich brutal, wenn sie auf das Metall kommt. Dann massiert sie die Narben, während wir darüber sprechen, dass sie ein eigenes Pferd hat, mit dem sie Sonntags immer ausreitet. Ich drehe mich auf den Bauch und sie massiert die untere Narbe mit Öl und dann seitlich die Wade. Die Schmerzen sind anders, aber irgendwie trotzdem unerträglich. Da lenken mich unsere Gespräche übers Dschungelcamp auch nicht mehr wirklich ab. Bei der manuellen Lymph-Drainage kann ich dann wieder etwas entspannen. ~ Donnerstag, 30.01.2014. ~ Hello again, Vicky. Nach der gestrigen Massage hat sich die wurstige untere Narbe deutlich geglättet. Das gefällt uns Beiden, also lege ich mich im Zuge der Behandlung wieder auf den Bauch. Dann krallt sie ihre Finger in die Wade und macht genaaAAAHU da weiter. Der Schmerz ist teilweise so stark, dass ich mich davon wie bei einem Reflex auf de Pritsche aufrichte. Sie lässt dann kurz locker und ich kann mich wieder hinlegen. Uff. Wieder reden wir über ihr Pferdchen, was für eine Tortur Silvester trotz allen Spaßes für mich war und wie meine Pläne für Ende 2014 aussehen. Vicky fällt auf, dass die linke äußere Schraube weit aus dem Bein schaut. Ohje, dreht sie sich etwa heraus? Muss ich sie mit dem Schraubenzieher nachziehen? Vom Gefühl her, wenn ich die Narbe entlang streiche, fühlt es sich aber wie immer an. Die einzige Änderung scheint zu sein, dass mein Knie in den letzten Tagen recht gut abgeschwollen ist. Vermutlich durch das Bewegungsbad. Später am Tag bin ich wieder in besagtem Bewegungsbad. Das Laufen im Wasser fühlt sich dabei fast wieder wie normal an. Ich könnte heulen vor Freunde. Aber das Schwimmbad war schon voll mit fremden Tränen zerstörter Träume. Nichts für mich. Wir üben mit Badeschlangen, auf die wir uns draufstellen und mit ihnen diverse Übungen machen. Klappt bei mir besser, als bei den Rentnern. Am Ende der Trainings-Einheit schießt meine Schlange aus dem Wasser und klatscht mir voll ins Gesicht. Dann kommt auch die Badeschlange aus dem Wasser. Sorry, diese Zote bot sich einfach an. :-) Jedenfalls schießt die Badeschlange vor mir aus dem Wasser und donnert mir fast die Brille aus dem Gesicht. Volltreffer, aber ich muss drüber lachen. ~ Freitag, 31.01.2014. ~ Für den Freitag gab es keine Trainings-Termine, doch ich hatte Großes vor. Denn ich habe mir eine Liste mit Zielen vorbereitet, die es zu besuchen gilt. Dazu hatte ich diverse Dokumente vorbereitet, die es abzugeben oder abzuholen gab. Zum Glück hatte einer meiner Kumpels Urlaub und sich dazu bereit erklärt, mich zu fahren. Es ist 9:45 Uhr, als wir starten. Auf zu Party Nummer Eins. Wir besuchen eine Freundin und ich gebe schnell etwas ab. Auf zu Party Nummer Zwei. Der ADAC neben dem Petersbogen. Das war allerdings nicht mein Ziel, ich ging nur mit. Als wir das ADAC-Gebäude verlassen, und ich mich zügig vorwärts bewege, ruft mein Kumpel von hinten: "Hey warte mal, nicht so schnell." Wir bleiben beide stehen und lachen uns kaputt. Wow, das hatte lange keiner mehr zu mir gesagt. Weil er zur Post musste, betreten wir Karstadt. Dort ist eine Post-Filiale im Kellergeschoss. Und da stehe ich... vor einer Rolltreppe... ich zögere kurz und versuche mich der Frequenz der Treppe mit dem linken Bein anzupassen... setze auf, mittig zwischen zwei Stufen... aaargh... für eine Sekunde stolpere ich und lege übermäßig viel Gewicht auf das linke Bein. Ein stechender Schmerz durchzuckt meinen Körper von unten bis oben, verschwindet aber sofort wieder, als ich mich stabilisiere. Das war keine gute Idee. Runter steigen geht besser. Mit der nächsten Rolltreppe auf dem Rückweg nach oben fahren ging auch besser. Auf dem Rückweg gehe ich unsere nächsten Ziele durch und was ich dafür alles benö... SCHEISSE... das kann doch nicht wahr sein?!?!? Ich habe den Rucksack zuhause vergessen. Und dabei hatte ich den fünf Minuten vorher noch extra im Korridor platziert. Ich muss diese Schmerzmittel absetzen, bevor ich noch irgendwo meinen Kopf liegen lasse. Super, also wieder nach Hause... prompt rennen wir im Parkhaus in die falsche Etage. Naja, laufen macht Spaß. Zuhause springt mein Kumpel schnell hoch in die Wohnung. Auf zu Party Nummer Drei! Juhu, die Universität. Dort musste ich ein Dokument für die Krankenkasse von der behandelnden Ärztin ausfüllen lassen. Die kommunizieren alle digital untereinander. Wieso muss ich als Patienten-Opfer im Jahr 2014 da immer noch schriftlich und per Post Sachen ausfüllen und rumschicken, die die ohnehin haben und jederzeit abrufen können? Das ist doch widersinnig. Ich lasse mich zum Eingang fahren und gebe meinem Kumpel Tipps, wo er parken kann. So stehe ich also ein weiteres Mal an der Rezeption und trage mein Anliegen vor, dass die Ärztin bitte die fünf Zeilen Text für die Krankenkasse ausfüllen möchte. Als Antwort erhalte ich ein: "Nehmen Sie doch bitte Platz, das kann etwas dauern." HAH! Diese Antwort hatte ich erwartet. Denn ich hatte bereits das von mir fertig ausgefüllte dreiseitige Schreiben mit. Dazu einen Briefumschlag mit Fenster und eine Briefmarke. Darum erkläre ich ihr, dass ich nicht warten kann, weil jemand auf mich wartet. Ob sie bitte das Dokument ausfüllen und mit den zwei anderen Seiten zusammen in den Briefumschlag stecken, die Briefmarke drauf kleben und es in die Post stecken kann. Denn die Krankenkassenanschrift war schon so drauf gedruckt, dass sie im Fenster zu sehen wäre. Vier Mal muss ich die Vorgehensweise mündlich wiederholen, bevor sie rafft, was ich will. Schließlich sagt sie zu. Puuuh, hoffentlich klappt das. Ich werde dieser Tage mal bei der Krankenkasse anrufen und das checken. Auf dem Weg raus rufe ich meinen Kumpel an, dass er mich direkt wieder abholen kann. Er lacht, denn er suchte noch einen Parkplatz. Wir fahren drei Straßen weiter und stehen vor meiner zukünftigen Reha-Stelle. Sehr ungünstig gelegen, über einem Edeka. Der Innenstadt entsprechend, war der winzige Parkplatz knackevoll. Wenn jemand wegfährt, wollen sich drei Autos rein drängeln. Nervig, ich lasse mich absetzen und laufe zur Haustür. Diese ist offen, hat aber einen Pfeil: "<== Eingang" Also laufe ich um die Ecke zu einer weiteren Tür, gehe hindurch und... habe rechts von mir die erste offene Tür... toller Scherz Leute... Grmpf. Auf dem Schild steht dritte Etage. Der Aufzug ist winzig, reicht für 1-2 Personen und fährt nicht an oben, er springt, ruckelt und zuckelt vorwärts. Macht ja alles einen tollen professionellen Eindruck. Oben sieht's ein wenig besser aus. Obwohl... es ist nur eine Etage. Einige Patienten laufen umher, auch Therapeuten. An der Rezeption sitzen zwei Damen. Ich war vor Ort, um mir die Trainingsdaten für die nächsten Wochen zu holen, um ein wenig besser vorbereitet zu sein. Ich soll Platz nehmen und bekomme einige Minuten später meinen Trainingsplan. Ui, jeden Tag zwei Stunden Physio für insgesamt zwei Wochen, bis die Reha startet. Das hat ja schon Reha-Ausmaße. Und alle Termine von 11-13 Uhr. Was soll das? Die Reha-Termine gehen von 11-14 Uhr. Was soll das? Gönnen die mir kein Mittagessen? Denn eine Kantine gab es hier nicht. Zum Glück stand auf meinem Reha-Plan nur Training, nicht so komisches Zeug wie bei Kay in Kapitel 18. Bisher hatte ich keinen guten Eindruck, begebe mich in Richtung Aufzug, will meinen Kumpel anrufen, dass ich unterwegs bin, da geht die Aufzugtür auf und da steht er. Auf zur Party Nummer Vier. Der Arbeitstitel dieses Kapitels hier lautete ursprünglich Überraschungsbesuch, weil ich damit mein viertes Ziel ankündigen wollte. Denn wir sind zu mir auf Arbeit gefahren, damit ich den Kollegen mal wieder Hallo sagen kann. So fahre ich mit dem Aufzug hoch und stehe sogleich im Büro. Mit großen Augen werde ich in allen Zimmern empfangen, ich erzähle bei mir im Büro ein wenig und begrüße neu hinzugekommene Kollegen. Mein Chef grüßt mich über das Telefon, während er mit einem anderen Kollegen telefoniert. Sieht alles noch aus wie vorher, nur mein Arbeitsplatz ist ein wenig verstaubt und auf dem Telefon sind hundertachtzigtausendmillionenundfünf verpasste Anrufe. Oder so. Oh, aus den angekündigten 10 Minuten sind schon 20 Minuten geworden. Also sause ich los auf die gegenüberliegende Seite des Gebäudes, zu unseren indirekten Kollegen, die auch unsere Kunden sind. Auch da hole ich mir große Augen ab, erzähle und zeige einigen Kollegen, die nicht in diesem Verteiler hier stecken noch Narben- und Röntgen-Bilder. Denn eine Kollegin hatte einen Kreuzbandriss und zeigte mir in ihrer, am Knie geschlitzten Jeans, ihre Narbe eines alten Kreuzbandrisses, sie kannte solche Bilder also schon. Die anderen wollten lieber nicht hinschauen. Wieder sind 10 Minuten um, ich verabschiede mich und fahre wieder runter. Selbstverständlich mussten wir noch einen Abstecher ins Kaufland machen und mir eine Melone kaufen. Alleine kriege ich die ja aktuell nicht transportiert. Auf dem Rückweg zum Auto treffe ich im Vorbeigehen nochmal drei Kollegen, die gerade Mittag machen. Dann fahren wir erstmalig am Unfallort vorbei, an dem ich zuletzt auf der Straße herumlungerte. Ein mulmiges Gefühl überkommt mich. Auf zur Party Nummer Fünf. Das Krankenhaus, in dem ich direkt nach dem Unfall aufgenommen und geröntgt wurde. Die haben dort an der Anmeldung direkt eine CD-Ausgabe, an der ich vor einigen Jahren schonmal unkompliziert eine CD erhalten hatte. Also begrüße ich die Damen, nenne den genauen Röntgen-Zeitpunkt und andere Daten und frage, ob ich eine CD davon bekommen kann. Für "Wozu?"-Fragen hatte ich mir bereits Antworten zurecht gelegt, bei denen sie keine Chance gehabt hätten es zu verneinen. Doch sie erwidert nur: "Ok, bitte nehmen Sie Platz, wir rufen Sie, wenn es fertig gestellt wurde." 15 Minuten warten wir, dann treten wir den Rückweg an. Ab nach Hause. 14 Uhr ist es mittlerweile, ich esse etwas, schlafe auf der Couch keine drei Minuten später ein und wache erst 16 Uhr wieder auf. 17:30 Uhr wollten mich die nächsten Freunde zum Einkaufen abholen, weil sie Samstags keine Zeit haben würden. 17:45 Uhr starten wir zum ersten großen Einkaufscenter und arbeiten größtenteils meinen Einkaufszettel ab. Ich laufe immer fleißig, schwitze aber leider viel, da ich dummerweise vom Vormittag noch lange Unterhosen an hatte. Diese hatte ich angezogen, weil der linke Unterschenkel recht schnell auskühlt. Für den Vormittag war das eine sehr gute Entscheidung. Für den Nachmittag und der Tatsache, dass wir von der Wohnung ins Auto ins beheizte Einkaufscenter und den Supermarkt wechselten, nicht. Aber egal, war nun nicht zu ändern. Nach einiger Zeit sind wir raus, laufen ins Parkhaus und dort beginne ich sofort zu frieren. Narf. Schnell ins Auto. Wir fahren zum nächsten Supermarkt, bei dem meine Freunde ihren Haupteinkauf tätigen wollen. Hmm, der Hähnchenverkäufer draußen schloss gerade seine Pforten. Der Döner-Stand, der China-Stand und er Kiosk waren noch offen, die wollte ich nach dem Einkauf noch ansteuern. Quasi als Mittag für die nächsten zwei Tage. Wir laufen und kaufen und saufen und raufen... äh... oder so. Ich nahm noch ein bißchen Obst und Gemüse für mich mit. An der Kasse nehmen wir eine saubere Warentrennung vor. Während sie noch kassiert werden, laufe ich schon los. Was zum... der China-Stand ist schon dunkel und unbesetzt... der Kiosk ebenso... nur noch am Döner-Stand ist jemand da, aber der Spieß war nur noch 1cm dick und was da lag, sah ziemlich unappetitlich auch. Das betraf auch das restliche Gemüse. Wieso machen die alle schon so früh die Schotten dicht? Der Bäcker und der Fleischer hatten schließlich auch noch offen. Hmm, der Florist hat aber auch schon abgeschlossen. Auf dem Rückweg denke ich drüber nach, wie spät es sein könnte, schaue aber nicht nach. Ich gehe von 19 Uhr aus. Nachdem alles hoch getragen ist, schließe ich auf, trete in die Wohnung und werde von einer großen Uhr empfangen, die da anzeigt: 21:05 Uhr. WAAAAS? Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren! Kein Wunder, dass die Stände alle schon geschlossen hatten. Schnell was gegessen, alles ausgepackt und verstaut, lege ich mich fürs Dschungelcamp auf die Couch und kann mich dadurch knapp davon abhalten einzuschlafen. Dann folgt Meilenstein #1. Weil ich nach der Sendung müde genug bin und ich vom Couch-liegen und Couch-schlafen durch deren leichte Schräge im Zuge der letzten Tage langsam Rückenprobleme bekam, brach ich mit der Tradition und wollte fortan wieder normal im Bett schlafen. Das Einschlafen fiel mir allerdings ohne Fernseher mittlerweile ungewöhnlich schwer und dauerte einige Zeit. ~ Samstag, 01.02.2014. ~ Doch irgendwann bin ich dann weg und schlafe erstmals wieder über acht Stunden (natürlich mit denn halb-stündlichen Unterbrechungen). Als ich aufwache, mal wieder ungewöhnlich erholt bin und mich im Bad anziehe, fällt mir etwas auf. Die Schwellung im Knie, dem Unterschenkel und dem Fuß war über Nacht um mindestens 75% zurückgegangen. Faszinierend, was das Gelaufe am Vortag da für eine entscheidende Wirkung hatte. Das es so schnell ging, überraschte und freute mich enorm. Leider schaut die linke Schraube nun noch mehr raus und bildet einen noch größeren Huckel. Egal. Es folgt Meilenstein #2. Ich entscheide mit sofortiger Wirkung das Schmerzmittel abzusetzen. Denn ohnehin war ich ENDLICH bei meiner letzten Thrombose-Spritze für den Abend angekommen. Der Tag lief soweit ganz gut, ich fühlte mich insgesamt klarer und alle Bewegungen liefern nun mal ein authentisches Gefühl am Knie. So schießen den Tag über immer wieder kurze Schmerzimpulse durch das gesamte Bein, die mir mehr oder weniger meine Grenzen aufzeigten oder einfach nur bei An- oder Entspannung auftraten. Denn ich legte nun den ganzen Tag über immer wieder beim Laufen erstmals Gewicht auf den Fuß in der Abrollbewegung. Außerdem wog ich mich mehrmals auf der linken Seite und kam als Rekord auf 25 Kilogramm. Denn ohne das Schmerzmittel fühlte sich das kontrollierte Stehen nochmal völlig anders an, lies mich aber ein viel besseres Gefühl dafür entwickeln. Zumal der Schmerz immer erst einsetzte, wenn ich das Gewicht von der linken Seite wieder wegnahm, nicht während ich drauf stand. Schließlich beginne ich damit, die Wohnung aufzuräumen - erstmals alleine. Ich schnappe mir den Staubsauger, stelle eine Krücke weg und laufe mit Krücke auf einer Seite und Staubsauger auf der anderen Seite durch die Wohnung. Immer wieder muss ich mich setzen und mich oder den blöden Staubsauger neu positionieren, der sich immer an allen möglichen Ecken und Kanten verkeilt. Was für ein Kraftakt, schnell steigt in mir die Hitze auf und ich muss das T-Shirt ausziehen. Drei Stunden bin ich damit beschäftigt, was vorher nur 30 Minuten gedauert hätte. Das war intensiver als jedes Training. Denn immerhin erwartete ich am Abend zum Dschungelcamp-Finale eine ganz liebe Freundin, da musste ich mich natürlich anstrengen. Und schon war es auch soweit. Während wir essen, wird Jochen der erwartete Dritte. Die Spannung steigt.... jaaaaa, Melanie gewinnt verdient. Wieder einmal hat in einer Reality-Show ein Ossi gewonnen. Wir sind einfach unschlagbar. Hihi. Gemeinsam feiern wir den Sieg, dann macht mein Besuch los. Es ist spät geworden, kurz vor 2 Uhr, da plane ich zu Bett zu gehen. Auf der Couch sitzend, schaue ich auf den Karton mit der letzten Thrombose-Spritze. Es folgt Meilenstein #3. Keinen Bock mehr auf die mistige Spritzerei! Wenn ich schon das Schmerzmittel abgesetzt habe, ist heute auch mit der Spritze Schluss. Auf diese eine kommt es nun ohnehin nicht mehr an. ~ Sonntag, 02.02.2014. ~ Es wird Sonntag sein. Es ist Sonntag. Es war Sonntag. Es wird wieder Sonntag werden. Außer Sonntag, der 2. Februar im Jahre 2014, der kommt nie wieder. Hmm, bringt mich jetzt zu keiner besonders tiefgründigen Erkenntnis, symbolisiert aber hoffentlich, wie der Tag verlief. Also bis auf die Tatsache, dass ich nur von 02:30 bis 06:30 Uhr schlafen konnte und deshalb den ganzen Tag immer wieder wegnickte und fürchterlich gerädert bin. Aber da du das in dieser oder ähnlicher Form in meinen Kapiteln vermutlich schon genau 20 Mal gelesen hast, dürfte das langsam langweilig werden. Darum fahre ich mal fort mit: Ich erreiche mit der linken Körperhälfte 29 Kilo auf der Waage und somit exakt die Hälfte meines Gewichtes. ~ Montag, 03.02.2014. ~ Happy Birthday to... me! Ich fühle mich überhaupt nicht nach Geburtstag. Der Morgen ist ungewöhnlich ruhig...? Keiner meldet sich, dabei ist es bereits 9 Uhr. Haben mich alle vergessen? Oder gelöscht? Oder ignoriert? Ich war doch brav! Ich checke das Handy und stelle fest... es ist über Nacht gestorben. Gutes Timing. Schnell an den Strom gehangen, beginnen kurze Zeit später die Anrufe, Whatsapps und Co.! Wie ich bereits angekündigt hatte, wird es in diesem Jahr allerdings keine Geburtstagsparty bei mir geben, das hebe ich mir für den 13. Dezember auf. Übrigens habe ich heute auch einen Physio-Termin. Dieser findet allerdings erst 17:25 Uhr statt. Das ist neuer Rekord! Doch mir kam das ganz gelegen, denn ich erwartete heute ein ganz wichtiges Paket. Ein großes wertvolles Geburtstags-Geschenk, das ich mir selbst geleistet habe. Da die Post gegen 10-13 Uhr kommt und ich in der Zeit unterwegs war, hatte ich den ersten Zustellungs-Termin verpasst und einen zweiten Zustellungs-Versuch initiiert. Und dieser sollte genau heute sein. Perfektes Timing! Sowohl vom Tag, als auch vom späten Physio-Termin. Exakt 12 Uhr klingelt die Post. Juhu! Ich reiße das Paket auf, protokolliere zur Sicherheit alles mit der Kamera. Und schon geht's los. Dann fliegen die Stunden nur so dahin und ich muss mich aufraffen, um den Physio-Termin nicht zu verpassen. Doch ich komme pünktlich an und sehe erstmals das Haus im Dunkeln in voller Reklame-Beleuchtung. An der Rezeption werde ich begrüßt, die Dame legt meine Verordnung zur Unterschrift hin, erkennt das Datum auf dem Zettel und gratuliert mir. Ich muss lachen. Im 2. OG angekommen, bin ich etwas überrascht, denn im Physio-Raum 2 ist es dunkel. Hmm, aber eine Frau sitzt vor der Tür. Vielleicht hatten sie einfach nur das Licht ausgelassen, damit es ein wenig schummriger wirkt. Bei Vickys Abteil war der Vorhang zugezogen, aber ich konnte keine Bewegung erkennen. Oh, noch 15 Minuten Zeit. Aus purer Neugier gehe ich ins Licht. Also... äh, nicht *dieses* Licht. Am Ende des langen Ganges war es hell erleuchtet und ich war diesen noch nie entlang gegangen. Also laufe ich los, vorbei an den Ultraschall-Abteilen und komme in den Raum, der wie ein Fitness-Studio wirkt, mit all seinen Trainingsgerätschaften für verschiedene Körperbereiche. Ich habe noch gar nicht richtig den Fuß im Raum abgesetzt, da werde ich bereits begrüßt und gefragt, wie man mir helfen könne. Ich erwidere schnell, dass ich nur mal rumschaue und schon verschwindet sie nach hinten. Nach ein paar Minuten schaue in den Gang. Oh, da kam gerade ein Patient aus der Tür. Da die Frau weiterhin da sitzt, schlussfolgere ich aufgrund der Zeit, dass das Vickys Patient gewesen sein könnte und begebe mich auf den Rückweg. Und in der Tat, genau so war es. Vicky ist bereit und schon bin ich dran. Sie beginnt wieder mit der Mobilisierung der Kniescheibe, der Narben und des Wadenmuskels. Währenddessen erzähle ich vom perfekten Timing der Post und meines Geschenkes. Dadurch kommt sie auf meinen Geburtstag und gratuliert mir ebenfalls. Beim schmerzhaften durchkneten in den nächsten Minuten, kann ich es mir nicht verkneifen sie zu ärgern und sage: Hey, ich dachte du bist wenigstens an meinem Geburtstag mal zärtlich zu mir. Sie stockt kurz. Stille. Wir schauen uns beide an und fangen an zu lachen. Nix da, das muss wieder werden, da macht dieser überhypte Tag keinen Unterschied! Die folgenden Übungen strengen mich diesmal ordentlich an, auch wenn es nur darum geht, das linke gestreckte Bein mit nach unten gedrückter Ferse von der Ausgangsstellung nach rechts oben zu bewegen. Dann wieder zurück, aber ohne abzusetzen gleich wieder hoch. Schließlich holt sie Thera-Band (ein Gummi-Band für Physiotherapie, das mit verschiedenen Farben einen jeweiligen Kraftaufwand erfordert), schnallt es mir um die Füße, setzt sich an mein Fußende einen Meter entfernt ab und zieht das Band straff. Dann soll ich an der Stelle treten. Ich sage zu ihr: Hmm, interessant, wo das hier hin führt. Ich spüre eine gewisse Tendenz zu Fesselspielchen. Sie grinst. Ich beginne zu treten und es klappt sehr gut, so dass sie das Band noch straffer zieht. Geht immer noch gut. Jaaaa, da zahlen sich meine stundenlangen Übungen auf der Couch aus. Wenigstens ein kleiner Teilerfolg, bei dem ich mich mal nicht blamiere. Das lässt sie natürlich nicht auf sich sitzen und holt ein weiteres Thera-Band, was sie unter der Pritsche an beiden Seiten fest macht und mir über die Oberschenkel schnallt. Ich kann es mir natürlich nicht verkneifen und mache ein paar weitere schlüpfrige Anspielungen. Vicky wird rot, lacht verschämt und meint zur mir, dass sie hoffentlich nicht einen gewissen Ruf wegbekommt. Ich grinse nur. Trotz des zusätzlichen Widerstandes klappt das treten immer noch gut. Am Ende unserer Übungen erwähne ich noch die 29 Kilo, die ich auf der linken Seite erreicht habe und frage bei der Gelegenheit gleich mal nach, ob damit eigentlich die immer benannte Vollbelastung gemeint ist. Sie verneint, denn mit Vollbelastung ist gemeint, dass ich tatsächlich das gesamte Körpergewicht auf das Bein lege. Oh... Später am Abend wird es aufgrund der vielen Gratulanten nochmal sehr hektisch, weil ich meine Aufmerksamkeit eigentlich mehr meinem Geschenk widmen will, parallel in Pausen am Kapitel schreibe, während neue Folgen von Die Simpsons und The Big Bang Theory flimmern, die ich fast vollständig verpasse. Erst als weitaus später alle weg sind und allgemein wieder Ruhe einkehrt, schaue ich die Wiederholung. Oh verdammt, es ist schon 01:30 Uhr und ich hatte am nächsten Morgen um 08:15 Uhr einen Termin im Bewegungsbad. To be continued... nächstes Kapitel: Der LICON-Tag und ein Abschied -- Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850