Freitag der 13., Kapitel 12 - Tradition vs. Handicap --- Das nächste Bildmaterial wird ab morgen veröffentlicht. --- Der große Tag war endlich wieder gekommen. Der Knie-Bein-Fuß-Stresstest. Also eher Samstag, der 28.12., besser bekannt als: Erster Tag des Feuerwerk-Verkaufs im Jahr 2013! Seit zwei Jahrzehnten schon von uns in Tradition genutzt, um auf der Suche nach dem besten Feuerwerkskörper von früh Morgens an durch die Stadt zu ziehen. Seit diesen zwei Jahrzehnten war ich Hauptorganisator und Hauptpyrotechniker, eine ganze Straße würde sich auf mich verlassen. Ich konnte nicht einfach Zuhause sitzen und mich bemitleiden! "V: Ich will nur eins wissen: Gibt es für unsere Liebe eine Chance? B: Ich fände es schön. Aber der Knall ist irgendwo dort draußen, ich muss den Kampf aufnehmen!" Wer den Film errät, kriegt 'nen Keks. Bereits seit Weihnachten hatten wir die Werbungen der einzelnen Supermärkte und Discounter gesammelt und ausgewertet. Denn für diesen Tag erstellen wir extra jährlich einen minutiös durch-organisierten Fahrplan mit allen Anlaufstellen für die perfekte Auswahl an günstigen aber guten Feuerwerkskörpern. Außerdem mussten wir gerade bei den Discountern gegen den Ausverkauf der Waren ankämpfen, der mitunter schon 9 Uhr erreicht war. Bei LIDL gibt's z.B. immer eine kleine billige sensationell ausschauende Batterie namens "Laser", bei Netto gibt's eine 720-Schuss Batterie, auf der Agra die Top-Vulkane usw.! LIDL ist allerdings einer von den Discountern, die teilweise 8 Uhr schon ausverkauft sind, was die guten Sachen angeht. Zusammen mit den Geheimtipps, hatten wir auch in diesem Jahr wieder insgesamt sieben Anlaufstellen, dazu 1-3 Märkte, die zwar mit auf dem Weg lagen, in die wir aber nur reinschauten, weil sie entweder neu waren und wir das Angebot checken wollten. Oder aber, weil wir uns nur über deren utopische Preise lustig machen wollten. Real,-, Obi, Aldi und ehemals Praktiker sind/waren solche Kandidaten. Wobei ich auf die Lacher dieses Jahr verzichten musste. Unsere Tour würde mich so oder so völlig auslaugen. Um 06:55 Uhr werde ich nach einer weiteren Scheiß-Nacht abgeholt. Lustigerweise konnte mein Kumpel vor Aufregung ebenfalls nicht schlafen. Erster Halt, LIDL. Obwohl sie laut Werbung extra 07:00 Uhr öffnen sollen, werden erst 07:10 Uhr die Türen geöffnet... eine Frechheit! :-) Nächster Halt: Netto. Direkt daneben, Penny. Was zum... die öffnen dieses Jahr erst 8 Uhr...? Das zerschlug etwas unseren Plan, aber wir mussten weiter. Würden wir uns halt ein anderes Penny auf dem Weg suchen. Immer wieder nehme ich hinten im Wagen Platz, um die Beine ausstrecken zu können, damit sich bloß nicht zuviel Flüssigkeit staut. Nun waren wir bei Pfennigpfeifer. Nebenan bei Norma sehen wir eine Schlange stehen (Norma gehört übrigens zu den geächteten Läden), so dass wir kurz verunsichert sind und davon ausgehen, dass Pfennigpfeifer ebenfalls unüblicher Weise noch geschlossen hat. Plötzlich erkennen wir an den Kassen Bewegung... natürlich haben sie doch geöffnet... schnell huschen wir rein. Und verlassen den Laden wenige Minuten etwas desillusioniert wieder. Aus dem ehemaligen Nummer Eins-Geheimtipp war dieses Jahr eine unwürdige geringe Ansammlung kleiner überteuerter Knallkörper geworden. Auf dem Rückweg fiel uns der kleine freie Baumarkt auf, in dem wir letztes Jahr auch waren, also gingen wir fix rein. Wir wurden positiv überrascht, dementsprechend ist er schonmal fest in der Liste für nächstes Jahr eingetragen. Dann wagen wir einen kurzen Abstecher ins neue Obi und verlassen den Baumarkt laut lachend nach fünf Minuten wieder. Teuer, winziges Angebot, ein doppelseitiger A4-Flyer und trotzdem fehlten Preise zu Artikeln und Artikel selbst. Außerdem begann das Personal noch großkotzig mit uns zu diskutieren, ob wir nicht in der Lage wären, die Preise von den Kartonwänden und Flyern abzulesen. Also mussten wir es ihnen beweisen. Das war... erbärmlich! Auf dem Rückweg - mittlerweile nach 08:00 Uhr - halten wir nochmal beim Penny und sind entsetzt. Nur ein Tisch stand da, mit der Hälfte des ausgewiesenen Sortiments. Ohne etwas mitgenommen zu haben, fragen wir an der Kasse nach, wo die ganzen Sachen aus der Werbung sind. Die Dame meint daraufhin: "Wir haben erst vor einer Stunde überraschend Feuerwerkskörper bekommen und haben erst die Hälfte ausgepackt. Den Rest packen wir im Laufe des Tages aus." Kopfschütteln unsererseits. Die Arme wurde vermutlich bereits am 6. von Nikolaus und am 24. von Weihnachten überrascht... und bei Regen von Nässe... oder tagsüber von Helligkeit... in Büchern von Schrift... von ihrem eigenen Geburtstag...! Unterwegs zum nächsten Ziel fällt uns ein Penny auf, welches bereits seit 7 Uhr geöffnet hat, daneben ein REWE. Wir holen endlich unsere Artikel aus dem Penny und ich nehme wieder im Wagen Platz, bitte aber darum, dass mein Kumpel mal bei REWE reinschaut. Sekunden später kommt er mit großen Augen wieder heraus und bemerkt, dass ich mir das doch mal besser selbst anschauen solle. Kurz darauf befand sich REWE auf der Liste für Ende 2014. So hatten wir auch gleich ein neues 7-Uhr-Penny. Auf zu Thomas Philipps, dem am weitesten entfernten Ziel. Unterwegs nicke ich vor Erschöpfung fast ein paar Mal weg. Anschließend sollte es zur Agra gehen, dem letzten Geheimtipp mit dem größten Sortiment - leider in einigen Bereichen überteuert. Auf dem Weg dahin - mir fehlen ungefähr 5 Minuten Erinnerung - biegen wir die letzte Straße vor der Agra ein... und stehen in einem endlosen Stau. Meinem Kumpel fällt es wie Schuppen von den Augen... der Antik-Flohmarkt... war heute ebenfalls auf dem Gelände... d'oh... hunderte Flohmarkt-Verrückte schießen über das Gelände und blockieren alles und Jeden. Alle angrenzenden Viertel sind Parkplatz-technisch dicht. Nach zirka 15 Minuten Warterei fahren wir endlich auf dem Gelände ein und ich sehe eine Warteschlange von 100 Leuten vor der Feuerwerks-Halle. Na hervorragend. Letztes Jahr waren wir einfach angekommen und konnten direkt rein. Weil wir nicht wussten, wie schnell die Schlange sich fortbewegen würde, parken wir und stellen uns an. Nach fünf Minuten wird es mir zuviel und ich gehe völlig erschöpft zum Wagen zurück. Weitere zehn Minuten später ruft mein Kumpel an, dass sich die Schlange nur fünf Meter bewegt habe. Es ist 12 Uhr, wir entscheiden abzubrechen. Zuhause lasse ich mir alles hoch tragen, im Korridor abstellen, doch entgegen der letzten Jahre schwindet umgehend mein Interesse für die Feuerwerkskörper. Ich lasse alles stehen und und liegen, begebe mich auf die Couch und schlafe zwei Stunden. Danach esse ich sehr spät und bin glücklich, trotz des Handicaps die Tradition fortgesetzt zu haben. Der pyrotechnische Wahnsinn hatte über das temporäre Gebrechen triumphiert. Es ist ungefähr 17 Uhr, als die Tür aufgeschlossen wird und ich liebevoll dem Schlaf gerissen werde... äh... ich meine... vom ruhigen entspannten Kapitel schreiben! Anlauf Nummer 2 für die Agra! Der Antik-Flohmarkt war bereits weg, das Gelände leer und vor der Feuerwerks-Halle nur noch 15 Leute in der Schlange. Nach fünf Minuten lässt uns der Türsteher rein. Mein Kumpel schlägt nochmal richtig zu, ich hole unter Anderem meine Batterie mit dem größten Kaliber in diesem Jahr. Und natürlich die Power-Vulkane. Endlich daheim, endlich fertig, gleich nochmal eine Runde schnarchen. Mission abgeschlossen. 21 Uhr klingelt es an der Tür: "Flexpress-Kurier, schönen guten Tag. Wir haben hier Ihre Lieferung." Juhuuu, da war auch die Lieferung meiner Internet-Bestellung von Ende November. Früher als erwartet. Ich sage an der Wechselsprechanlage: Bringen Sie sie bitte hoch. Kurz Stille, dann sagt die Dame: "Nee, kommen Sie bitte runter." Ich grinse und antworte: Das geht leider nicht, ich bin auf Krücken unterwegs. Erneute Stille, dann antwortet sie zügig, als ob sie meine Antwort erwartet hätte: "Gut, geben Sie uns ein-zwei Minuten, wir müssen einen Parkplatz suchen." Einige Minuten später steht die Dame mit einem Klemmbrett vor mir, während ihr Kollege unter lautem Schnaufen das 150x50x20cm große Paket mit seinen 30kg nach oben wuchtet. Muhahaha, arme Sau. Der 29.12. verlief ruhig mit viel Schlafen und Schreiben, ohne nennenswerte Ereignisse. Außer den dauernd umfallenden Krücken, den Stößen gegen das Knie, dem Gestolper wenn ich versuchte schnell zu machen und meinem Gefluche, wenn dem Rolltisch beim Fahren über Kanten mal wieder eine Rolle abhanden kam, der Tisch dadurch kippte und mitunter was herunter fiel. Und vielleicht noch die eMail gegen 11 Uhr von Flexpress, dass sich mein Paket jetzt in Zustellung befinden würde und bald bei mir eintreffen müsste. Interessant. Ich war gespannt, ob noch ein zweites Paket kommen würde. Es war Montag, der 30.12. und die erste freie Physiotherapie stand an. Mit dem Taxi genau vor der Tür abgesetzt, wurde ich an der Rezeption initial aufgenommen. Wirkte alles leicht chaotisch, aber ich schob es eher auf die Brückentage. Dann musste ich in die fünfte Etage. Doch statt Physio nahm die Dame erstmal den kompletten Unfall mit meinem derzeitigen Status auf. Nur gut 10 Minuten machten wir dann diverse Übungen, bei denen es zum Beispiel darum ging, die Kniescheibe anzuspannen oder die Narben zu massieren, damit diese nicht fest werden. Iiiih. Das war äußerst merkwürdig, denn die letzten Tage hatte ich es eher vermieden, sie überhaupt anzufassen. Auch das Kniescheibe anzuspannen war ungewohnt, denn wann macht man sowas als normaler Mensch schonmal? Und wenn doch, dann eher unbewusst. Anschließend bekam ich die manuelle Lymph-Drainage. Nach einer Stunde war ich wieder raus. Zuhause das übliche Erschöpfungsschläfchen, danach etwas essen und wieder schlafen und weiter schreiben. Doch dann musste das jährliche Bild mit allen Silvester-Artikeln geschossen werden. Wie in den letzten Jahren, hatte ich mir bereits im November ein Thema ausgedacht... doch das entpuppte sich durch das Handicap schnell als nicht-umsetzbar. Schon das Auspacken, Sortieren und Aufstellen der Feuerwerkskörper brachte mich an meine Grenzen und dauerte fast zwei Stunden. Zudem konnte ich immer nur ein Foto machen, bevor die Akkus ausstiegen und ich in die Küche humpeln musste, um das nächste fast leere Akku-Pack zu holen. Grrr, ich hätte das Zeug mal laden sollen. Viermal musste ich das Spielchen mitmachen und war nur noch am zetern, schwitzen und schimpfen. Schließlich war es fertig und es konnte an die Bildbearbeitung gehen. Der ablenkende Hintergrund musste verschwinden und dazu der Gesamtpreis aufgelistet werden - Tradition ist Tradition. Es wurde alles etwas knapp, denn es war schon 16:50 Uhr. Gegen 17 Uhr würde mich mein bester Kumpel abholen, damit wir unsere Feuerwerks-Bretter bauen konnten. Im letzten Jahr bereits mit einem kleinen Brett getestet; hatten wir in diesem Jahr 20 Meter Zündschnur gekauft, um was richtig Großes zu bauen. Mir konnte das ja nur zugute kommen, zu später Stunde weniger stehen und laufen zu müssen... doch bauen mussten wir sie trotzdem noch. Kjeld? Benny? Zuhören, ich brauche für den großen Coup: Einen Stuhl, eine Heißklebepistole mit 5 Stäbchen, 5m Flachkreppband, 5m normales Klebeband, eine Schere, Alufolie, einen Seitenschneider, drei Bretter á 3m lang, ein Feuerzeug und 35 Feuerwerkskörper. Mächtig gewaltig, Egon! 18:30 Uhr holte er mich schließlich ab, so saß ich nun in seinem Keller und begann am ersten Brett zu basteln. Zuerst die Aufstellung der jeweiligen Batterien, Vulkane, Rauchkörper und Bengalfeuer. Ich musste improvisieren, denn ursprünglich war geplant anhand der Brennzeiten kalkuliert, die Position und Länge der Zündschnur zu bestimmen. Keine Zeit, nix gemacht, los geht's. Ich stelle auf, schiebe herum, wir beraten uns, nochmal umgestellt... fangen wir an die Sachen anzukleben, ich verkable derweil die Zündschnüre.. manchmal reißt wieder ein Teil ab... nachkleben... die Zündschnur löst sich... stärker wickeln... und nach einer Stunde ist das erste Brett fertig. Zwischendrin testen wir im Kellergang die Brenngeschwindigkeit zweier verschiedener Zündschnüre. Unsere normale grüne, wie sie standardmäßig überall verwendet wird, gegen eine gelbe mit Drahtgeflecht, welche sich viel besser biegen ließ. Leider brannte die dreimal schneller ab und war auch noch teuer. Nun roch der gesamte Keller nach abgebranntem Feuerwerk. Sehr gut. Hoffentlich würde das keiner mitbekommen, nicht dass die noch die Feuerwehr rufen. Weiter geht's mit Brett Nummer 2. Nochmal das selbe Spielchen mit anderen Teilen. Dann möchte mein Kumpel Brett Nummer 3 - mit seinen Sachen - selbst bauen. Und schon legte er los. Ich übte derweil im Kellergang laufen und rollte meinen Fuß ordentlich ab. Die eigentlich Bewandtnis war aber, dass von meinem Knie bis zum Fuß, durch die fehlende ordentliche Durchblutung, nach zwei Stunden alles ausgekühlt und dadurch fürchterlich verkrampft war. Am schlimmsten merke ich das in der Wade. Mir tut alles weh. Ich werde wehleidig. Ich will nach Hause! Eine halbe Stunde später bin ich erlöst und werde nach Hause gefahren. Uff, es ist schon 21:37 Uhr. Ich esse einen Happen und schlafe umgehend ein. Trotz der üblichen nächtlichen Scherereien, wälze ich mich vor Erschöpfung bis 8 Uhr im Bett herum. Nun gab es nur noch eine große Herausforderung für's Durchhaltevermögen in nächster Zeit: Silvester. To be continued... nächstes Kapitel: Unerwartete Kettenreaktion -- Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850