Freitag der 13., Kapitel 13 - Unerwartete Kettenreaktion Silvester, Silvester! 31.12., letzter Tag des Jahres. The Big Boom Theory. Es war schon früh am Morgen schwierig, sich des Themas zu entziehen, denn an allen Ecken wird bereits geböllert. Manchmal knallt es so laut, dass die Scheiben vibrieren. Das sind dann die illegalen Knallkörper aus den umliegenden Nachbarländern. Bereits im Oktober hatten wir bei einem Besuch in Tschechien La Bombas gesehen, die uns heiß angepriesen worden sind. Allerdings bin ich nicht für solche gefährlichen illegalen Knallkörper zu haben. Jedes Jahr lese ich im Anschluss von Unfällen mit den Dingern, bei denen sich Leute bis zum Tod hin selbst verletzen. Muss nicht sein! Nach einem ruhigen Vormittag packe ich meine Hightech-Feuerzeuge aka Mini-Bunsenbrenner ein und lege noch ein paar einzelne Knallkörper zurück aus den Tüten ins Wohnzimmer. Denn an Vulkanen hatte ich mich mit der Internetbestellung und den Käufen auf der Agra leicht übernommen. Die alle krampfhaft abzubrennen, wäre Verschwendung gewesen und hätte dem Zuschauer gegenüber des Effekts irgendwann abstumpfen lassen. Weniger ist mehr. Zur Info: Seit diesen zwei Jahrzehnten, in denen wir jährlich die jeweiligen Straßenzüge unterhalten, ist nach der Silvesternacht bei mir nie(!) etwas übrig geblieben, es wurde stets bis zum letzten Böller alles verbraucht. Doch auch wenn ich es mir versuchte nicht anmerken zu lassen - irgendwie fühlte es sich dieses Jahr für mich halt doch anders an. Das zeigte sich auch darin, weil ich seit effektiv 5 Jahren im Fenster die Kamera ab 0 Uhr aufstellte, um unser Spektakel zu filmen. Ich fühlte in diesem Jahr ebenfalls keinerlei Veranlassung dazu. Weil die Mama eines Freundes einen kleinen Eimer Nudelsuppe für mich gemacht hat, kann ich zwei ganze Teller essen und entspanne anschließend eine Weile. zzzZZZzzz Denn auch das war dieses Jahr anders: Ich musste am letzten Tag des Jahres nichts mehr zuarbeiten. Nach dem Befreien aller Knallkörper aus ihren Verpackungen, dem Freilegen aller Lunten und dem anschließenden Foto, hielt ich die Knallkörper bis zur letzten Minute immer sicherheitshalber bei mir in der Wohnung zurück und musste dementsprechend am letzten Tag die Tüten und Beutel mit den Knallkörpern zusammenstellen. Aber wir hatten am Vortag beim Bretter-bauen bereits 95% der Sachen mitgenommen. 16 Uhr werde ich abgeholt. In den letzten Jahren hatte ich mein Auto immer in Garagen von Freunden in Sicherheit gebracht. Nachdem ich mir da aus Blödheit im vorletzten Jahr die Antenne abgerissen hatte, stellte ich im letzten Jahr mein Auto vor einem Altersheim ab. Gute Entscheidung, denn dort war absolut nichts los in der Nacht. Das hatte ich auch für dieses Jahr geplant, allerdings war die Straße wegen Umbauarbeiten am Altersheim gesperrt, dass wir es abseits eines Viertels abstellen wollten, in dem ebenfalls (hoffentlich) nichts los wäre. Bei mir Zuhause gab es in jedem Jahr ein paar Zerstörungs-wütige Kandidaten, das musste ich weiterhin nicht riskieren, das Auto da stehen zu lassen. Zumal das Auto nach dem Knie-Unfall bereits drei Wochen an der selben Stelle stand. In einigen Landkreisen heißt das für Fahrräder und Autos mitunter, dass sie langsam in ihre Einzelteile zerlegt werden. Bei einem Fahrrad hatte ich das, ein Viertel weiter, bereits erlebt. Aus dem Keller holen wir noch einen Stuhl für mich, so dass ich beim Feuerwerk etwas zum hinsetzen haben würde. Dann fahren wir mit meinem Auto los. Ungewöhnlich, denn seit über 7 Jahren saß ich zum ersten Mal wieder auf dem Beifahrersitz meines Autos. Wir stellen es ab und ich muss 10 Minuten bis zur Wohnung humpeln. Ganz schön anstrengend. Benötige... viele... Pausen... zum... atmen... Wir verbringen einen lustigen Nachmittag und Abend, dekorieren dabei. Ich pumpe die Luftballons auf. Laufend kommen Freunde vorbei und verschwinden wieder. Ich lümmelte fleißig auf der Couch herum und musste mich von Bowlen, Kurzen, Trockenen und anderem Alkohol fernhalten. Wobei mir das gar nicht schwer fiel, denn auch danach war mir dieses Jahr nicht zumute, obwohl dadurch schon irgendwas fehlte. Schließlich heißt es bei den Öffentlich Geschlechtslosen wieder "The same procedure as every year, James." - Dinner for One. Für diese 15 Minuten am Jahresende zahle ich doch gerne ein ganzes Jahr Rundfunkgebühren... Die Kinder drehen wieder voll auf, so dass ich prophezeie, dass diese genau 0 Uhr wegnicken würden. Ab 19 Uhr sind wir auch in diesem Jahr wieder zu jeder kommenden vollen Stunde unten und zünden kleine Batterien, Schwärmer, Bengalsticks, Wunderkerzen, Mini-Vulkane und andere Kleinigkeiten für die Kinder. Wobei... ich... dieses Mal immer nur vom Balkon zuschaue und gezündete Böller runter werfe... *seufz* Zwischendrin spielen wir Spielchen, lachen, trinken und haben einfach jede Menge Spaß. Auch in der Wohnung ließen sich einige (dafür vorgesehene) Sachen zünden. Die selbst-leuchtenden Schnapsgläser kommen auch dieses Jahr wieder sehr gut an. Es ist 22:30 Uhr, als der Kleine schlapp macht. Mit seinen 9 Jahren hatte er seit fünf Jahren in Folge Silvester verschlafen. Seine 4-jährige Schwester hielt dagegen das zweite Jahr in Folge eisern durch. Als die Uhr 23:30 Uhr anzeigt, beginne ich mich vorzubereiten. Ich hatte in diesem Jahr Vorkehrungen getroffen, die meinem körperlichen Befinden angemessen erschienen, um die Angelegenheit sicherer und erträglicher zu machen. Ohrstöpsel gegen den Krach, die Bauschutzbrille gegen unseren abgefeuerten Dreck der von oben regnen würde und eine zweite Hose gegen das Auskühlen meines Beines in der Kälte, sowie dicke Winterstiefel. Die dicke Jacke trug ich ohnehin jedes Jahr, weil sämtliche Taschen sonst immer bis zum Bersten von mir mit Blitzknaller gefüllt wurden. Auch darauf musste ich allerdings dieses Jahr zugunsten meines Gleichgewichts verzichten und steckte nur die Feuerzeuge ein. 00:00 Uhr, wir stoßen aufs neue Jahr an. Ich nippe am Sekt. Gute Vorsätze fürs neue Jahr hatte ich mir nicht ausgedacht. Ich war gedanklich einzig bei dieser Nacht angekommen, die ich zum Einen entsprechend genießen, zum Anderen aber auch einfach nur hinter mich bringen wollte. Denn ich fühlte mich bereits Bett-reif, unterdrückte das jedoch. Als Erster angezogen, stehe ich in der Tür und warte 7 Minuten, bis alle aus'm Arsch kommen und wir endlich runter gehen. Die Kumpels holen aus dem Keller die Bretter, die Mädels tragen die einzelnen Beutel mit den großen Batterien, Raketen und Böllern. Das meiste davon, von mir. Außer das Raketen-Zeug. Ich trage... mich... Zur Info: Ich habe seit über 15 Jahren keine einzige Rakete gekauft, denn vom Preis-Leistungs- bzw. vom Preis-Dauer-Effekt-Verhältnis her, sind diese nach wie vor nur eins: Unwürdig. Auf der 1m hohen Mauer der gegenüberliegenden Straßenseite stellen wir die Bretter auf. Brett #3 und Brett #1 nebeneinander. Brett #2 im 90 Grad-Winkel zu #1. Am rechten Ende der Mauer, bei #1, stellen wir den Stuhl für mich ab, daneben die Tüten und Beutel. Unsere Freunde stehen bereits abseits und warten. Dann zünde ich Brett #1. Obwohl bei der Zündschnur-Länge improvisiert, brennt nahezu alles perfekt nacheinander ab. Der Vulkan, das Bengalfeuer, die Rauch-Kassette, dann starten die ersten Batterien. Endlich kann ich einfach mal nur daneben stehen und selbst das Spektakel genießen. Mit einer Zündung hatte ich 7 Minuten Feuerwerk ausgelöst. Einfach sensationell. Am Ende des Brettes zündet ein Power-Vulkan. Fünf Meter schießt eine grelle Fontäne empor und zerschneidet die Dunkelheit, Funken fliegen in alle Richtungen. Etwas besorgt betrachte ich den daneben stehenden Stuhl und den darunter liegenden Beutel mit ca. 2,5kg Böllern und einigen kleinen Batterien. Ein Lava-Fluss an Funken ergießt sich in einem 3-Meter Radius über den Beutel und den Stuhl. Verdammt. Außerdem sehe ich, dass die Funken bis zu Brett #2 heranzureichen scheinen. Ich erwähne bei den Kumpels meine Befürchtung, als bereits die Kettenreaktionen startet. Brett #2 wird durch den gewaltigen Funken-Flug gezündet. Zum Glück genau am geplanten Zündpunkt. Schon brennt Brett #2 mit einem ähnlichen Spektakel ab. Wieder staunen alle Minutenlang. Mittlerweile hatte ein Kumpel aus dem Keller meine letzten zwei Beutel mit den richtig harten Sachen gebracht. Eine Freundin weist mich auf einen glimmenden Beutel unter dem Stuhl hin. Argh, den hatte ich völlig vergessen! Das war der mit den Böllern. Ein weiterer Power-Vulkan startet und weitere Funken-Ströme ergießen sich über der Mauer, dem Brett und der Erde. Egal, der Beutel muss da weg. Durch das Flammenmeer humpelnd, schnappe ich den Beutel, ziehe ihn zwei Meter weg und räume eilig alle Böller in eine andere Tüte. Keine Sekunde zu früh, augenblicklich fängt der Beutel Feuer und ich werfe ihn zurück ins Flammenmeer. Zwischenzeitlich zünden wir Brett #3, dann folgen die großkalibrigen Batterien und die Mehrfachschuss-Salvetten. Nach 45 Minuten haben wir alles verfeuert, die Straße glüht, hinter uns schlagen die Flammen auf den Brettern in die Höhe und ich nehme erstmals auf dem Stuhl Platz. Meine Kumpels böllern noch fleißig ihre Vorräte raus. Da lag auch noch meine Tüte mit 75% der ursprünglichen Böller. Normalerweise laufen wir am Ende des Feuerwerks jedes Jahr zu einer Kneipe mit Freunden, die dort den DJ machten. Wir nennen das unseren Neujahrsspaziergang. Dabei werden alle restlichen Böller in die Jacken gepackt und dann auf dem Hin- und Rückweg alles gezündet. Doch ich würde nicht dabei sein und hatte auch keine Lust, jetzt einfach sinnlos die Böller zu verfeuern. Als Premiere ließ ich in diesem Jahr die Böller zurück in den Keller tragen, bevor die Kumpels abzogen und ich mit den Mädels zurück in die Wohnung ging. Wir unterhielten uns eine Stunde, dann kehrten sie zurück. Die Mädels waren müde, machten Druck und langsam verschwanden alle. Konnte mir nur Recht sein, es war 02:30 Uhr. Ich habe das Wohnzimmer für mich und schlafe direkt ein. Mittwoch. 01.01.2014. Gesundes neues Jahr. Urgh... 7:30 Uhr ist meine Nacht zuende. Leider war diese nicht besonders erquickend. Laufend wache ich auf und winde mich vor Schmerzen. Im Wohnzimmer läuft in irgendeinem Gerät eine Festplatte, deren Umdrehungen mich die letzte Ruhe kosten. Ich gehe auf Toilette, der Hund bellt kurz, da bekommt mich der Kleine im Kinderzimmer mit. Er ist nach dem verschlafenen Silvester putzmunter, stürmt zu mir ins Wohnzimmer und will, dass ich ihm bei seinem Mario-Spiel helfe. Erst 10 Uhr kommt langsam wieder Leben in die Bude. Manchmal stößt wieder jemand an mein linkes Bein, also stoße ich einen lauten Schrei aus. Es erschrecken alle und schon achtet wieder jeder drauf. Als mein Kumpel mit dem Hund vom Gassi gehen wieder kommt, berichtet er davon, wie Polizei an unserer Mauer anhält, aussteigt, Fotos macht und wieder verschwindet. Welche Spaßbremse sich da wohl beschwert hatte? Oder ob die checken wollten, ob da illegales Feuerwerk im Spiel war? Na wie auch immer. Wir brauchten die Bretter so oder so für Ende 2014 und für den Nachmittag war geplant, sie deshalb wieder in den Keller zu bringen. Wir frühstücken gegen 12 Uhr. Erste Reste der Konfetti-, Tischfeuerwerk-, Luftballon,- Wohnungsdeko- und Sprayschlangen-Schlacht werden weggeräumt. Gegen 13 Uhr möchte ich mit meinem Auto (welches die Nacht gut überstanden hatte) nach Hause gefahren werden, denn ich hatte nur noch für den Morgen Medikamente. Zuhause angekommen, bemerke ich, dass ich mich mit den Schmerzmittel verrechnet hatte, denn ich konnte nicht den zweiten Teil in der Verpackung anbrechen, die Verpackung war leer! Verdammt, ich musste bis zum Folgetag 18 Uhr ohne Schmerzmittel auskommen. Den Rest des Tages gibt es nichts erwähnenswertes, denn 50% davon verschlafe ich, um etwas Ruhe nachzuholen. Den anderen Teil entspanne ich und achte darauf, dass das Bein ruhig und erhöht liegt. Schon ist der zweite Tag im neuen Jahr erreicht, Donnerstag der 02.01.2014. Die Nacht ohne Schmerzmittel wieder richtig Kacke überstanden, gebe ich bei meiner Apotheke telefonisch das Rezept als Bestellung ab. 18 Uhr würden sie wieder liefern. Naja, würde ich aushalten (müssen). Nennenswertes passierte dann im Laufe des Tages nicht, ich war viel mit dem Schreiben der nächsten Kapitel beschäftigt, weil ich endlich langsam mal in die Gegenwart aufholen wollte. Außerdem entschied ich mich, die Kapitel mal mit ein paar Bildern aufzupeppen. 20 Uhr kamen die Medikamente. Schnell die Schmerzmittel eingeworfen, tat dann auch die Thrombose-Spritze nicht so weh. Denn gestern Abend hatte ich zusätzlich zum fehlenden Schmerzmittel offenbar noch einen Nerv getroffen, so dass das spritzen erstmals richtig doll weh tat. Mist, blöder. Wenn ich da schon gewusst hätte, dass ich am nächsten Tag unerwartet erneut beim D-Arzt sitzen würde, um mir des Irrsinns zweiten Teil anzutun... ich hätte die anschließende Nacht wohl noch schlechter geschlafen... To be continued... nächstes Kapitel: D-Arzt Irrsinn Light, nur 2 Kalorien -- Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850