Freitag der 13., Kapitel 18: Doppelter D-Arzt Irrsinn³ und Ghostrider - Teil 2 ~ Montag, 20.01.2014. ~ Zurück zum Ursprung mit der üblichen nächtlichen Couch-Bett Wanderei, verlief die Nacht etwas besser. Zudem hatte ich beim Wechsel ins Bett diesmal das angeklappte Fenster komplett angelehnt. Dann, mitten in der Nacht, vermutlich gegen 4 Uhr früh, wache ich einmal mehr auf, um meine Schlaf-Position zu ändern. Ich entschied mich für den Bauch, lege das Kissen dafür unter den Fuß, drehe mich herum und will gerade einschlafen. In genau diesem Moment drückt ein mächtiger Windstoß das angelehnte Fenster komplett auf. Lustiger Zufall, sonst hätte ich mich vermutlich erneut durch die restliche Nacht gefroren. Ein paar Flüche murmelnd, schnappe ich mir eine Krücke und drücke das Fenster wieder zu. Im Laufe des Vormittages wieder zur Physio im 5. OG angekommen, müssen wir ewig nach einem freien Zimmer suchen. Wir gehen schließlich wieder in das Zimmer vom 2. Physio-Termin, wo mittig im Raum in 1,70m Höhe bis zur Decke eine 1m hohe und 3m breite Glasscheibe die einzige Trennung zum nächsten Raum ist. Neu war allerdings, dass alle zwei Minuten irgendwelche anderen neugierigen Therapeuten auf Zehenspitzen über die Scheibe schielten, was bei uns gemacht wird. Mir ging das weniger auf den Keks, als meiner Therapeutin. Sie fauchte nach dem fünften Mal schon leicht über ihre Kollegen. Ich erzählte ihr von meinem Gezittere auf dem Bauch liegend, wenn ich das Bein heben soll, also setzten wir an dieser Stelle zum üben erneut an. Dann muss ich mich auf die rechte Seite legen und wir machen diverse Drehungs-Übungen mit dem Bein, bei denen wohl viele Muskeln zum Einsatz kommen sollen. Außerdem war mir aufgefallen, dass wenn ich auf beiden Beinen stand, den linken Unterschenkel nicht höher als 80 Grad anheben konnte. Echt schlimm. Später warte ich im Foyer auf mein Taxi. Ich kläre noch an der Rezeption, dass ich am folgenden Tag einen weiteren halben Termin haben würde, denn sie hatten meine Karte schon als beendet abgestempelt. Dann setze ich mich hin und erkenne wenig später aus den Augenwinkeln von links eine affenartig gekrümmte Person auf mich zulaufen. Ich schaue hin und die Person bleibt prompt fünf Meter von mir entfernt stehen. Der Ghostrider. Ich erwarte einen Schrei von ihm, doch es passiert nichts. Kennst du die eine Scrubs-Folge, in der Dr. Cox nicht angesprochen will (Staffel 6, Folge 16)? Er hebt dazu seine gestreckte Hand, schiebt sie ruckartig nach vorne, und am Ende der Bewegung zeigt nur noch der Zeigefinger auf die Assistenzärzte. Dazu ein Wuuuooong-Geräusch. Dr. Kelso, der in Ruhe seine Zeitung lesen will und angesprochen wird, macht zwei Szenen später die selbe Handbewegung. Genau diese Handbewegung macht nun dieser räudige Taxi-Schwachkopf, dreht sofort um und läuft weg. Als ich auf dem Hof ankomme, hält er bereits die Tür auf. Schau an, sogar der Sitz ist (eventuell noch immer) nach hinten gestellt. Ich steige ein, er fährt los. Bisher hat er noch keinen Ton gesagt. Er fährt aus dem Metalltor, biegt ab und gibt Gas. Nach 30 Sekunden fällt mir auf, dass ich gar nicht gesagt habe, wo ich hin will. Er hatte auch nicht gefragt, fuhr aber in die richtige Richtung. Wusste er das Ziel etwa noch? Verdammt, also musste ich etwas sagen und nenne nur Straße und Hausnummer. Er reagiert nicht und schiebt einfach sein Schrottschiff weiter durch die grauen getrockneten Flüsse, genannt Straßen. Er hält zielsicher neben meinem Haus, ich steige aus, er hält mir die Krücken hin und mir entfährt aus Versehen ein Danke. Verdammt, mein drittes Wort auf dieser Fahrt! Er... reagiert nicht. Dieser alte Esel hatte tatsächlich vom Start bis zum Ziel, die ganze Fahrt über, nicht ein einziges Wort gesprochen!!! Das muss man in einem Dienstleister-Job erstmal bringen! ~ Dienstag, 21.01.2014. ~ Ich rufe am frühen Morgen ein Taxi. Außerdem frage ich die Dame am Telefon, ob es möglich ist, einzelne Taxifahrer abzulehnen. Sie gibt an, dass sie das dazuschreiben kann, bei der Abholung müsste ich das jedoch immer wieder angeben. Na gut, besser als nichts: Ich will, dass mich Taxi 154 NIE WIEDER fährt! Zumindest glaube ich, dass diese Taxinummer auf der Blanko-Quittung stand, die ich am Vortag unterschrieb. Etwas in Sorge wegen dem Glatteis, begebe ich mich auf den Hof. Hmm, kein Eis. Vor der Haustür auch nicht. Ein bereits bekannter Taxifahrer hält vor meiner Tür. Mit ihm war ich schon vier Mal gefahren. Nach dem Einsteigen und Losfahren, erwähnt er überraschend den Taxifahrer, mit dem ich nicht mehr gefahren werden will. Soso, die in meinem Profil hinterlegte Angabe bekam er also auch geschickt. Wir reden kurz über den Kollegen und er bestätigt mir, dass dies ein alter mürrischer Mann ist. Passte also. An der Rezeption der Physio frage ich nach dem Stundenzettel für meine zweite Physio-Welle mit den nächsten 10 Behandlungen. Ich erhalte den Zettel, fahre ins 5. OG und bin etwas überrascht, was da steht. Oben angekommen, gehe ich in den Wartebereich und nehme Platz. Einer der Therapeuten unterhält sich mit einer Patientin, geht anschließend zum Fenster, setzt sich auf das tiefe Fensterbrett, zieht schwarze Stoffhandschuhe an und zieht eine Art große umgekehrte Schüssel zu sich hin. Später erfuhr ich, dass es Hang genannt wird. http://de.wikipedia.org/wiki/Hang_%28Musikinstrument%29 Dann fängt er plötzlich an zu spielen. Das klang atemberaubend. Insgesamt 15 Minuten erfreute er uns mit dessen Klängen. Währenddessen checke ich nochmal den Stundenzettel. Mist, ich habe auch an meinem Geburtstag einen Termin. Aber egal, mir ist gerade eh nicht nach Geburtstag. Viel interessanter ist jedoch, was am Anfang des Stundenzettels steht. Dort ist für heute 8 Uhr ein Termin beim Bewegungsbad in der Außenstelle eingetragen. Genau wie gestern. Was soll denn das? Mir wurden nun doch in die laufende Physio die Bewegungsbad-Termine eingetragen, aber ich nicht darüber informiert? Geil. Außerdem stand für den morgigen Mittwoch ebenfalls ein Termin drin. Jedoch würde ich da bereits wieder stundenlang beim D-Arzt meine Zeit im Wartezimmer verschwenden. Der Weg nach der Physio war also klar: Das Terminvergabe-Zimmer. Gesagt, getan, bin ich 12:22 Uhr vor der Terminvergabe. "Aus aktuellem Anlass, ist die Terminvergabe heute bereits ab 12 Uhr geschlossen." Schön. "Termine können an der Rezeption angepasst werden." An der Rezeption aufgeschlagen, frage ich nach den neuen Terminen, sie gibt mir allerdings nur eine Visitenkarte mit der Telefonnummer der Terminvergabe. Nach dem Rufen des Taxis nehme ich Platz, stehe wieder auf und lasse mir noch die Nummer der Außenstelle geben. Im Briefkasten finde ich einen Brief mit der Vorladung zum D-Arzt am 23.01.! Also zwei Tage hintereinander den Mist aushalten? Wieder Zuhause, rufe ich bei der Außenstelle an und erkläre den Sachverhalt. Die Dame am anderen Ende stimmt mir Vorbehaltlos zu. Ich erwähne den Termin für morgen und ob sie den streichen kann. Gerade will ich mich bedanken und auflegen, da frage ich noch fix, ob sie auch den Termin aus der Zentrale ändern kann. Sie bejaht. Laut ihrer Aussage hat sie fünf Jahre in der Zentrale gearbeitet und hätte kein Problem damit. Als neuen Termin für das Bewegungsbad schlägt sie Freitag vor. Passt. Am Freitag würden wir dann schauen, wie wir die zwei verhauenen Termine noch bis Ende Februar an die anderen Termine hängen können. ~ Mittwoch, 22.01.2014. ~ Die Nacht etwas ruhiger, mache ich mich bereit für den nächsten D-Arzt Irrsinn. Erneut etwas zu trinken und ein paar Kekse eingesteckt, schneide ich mir noch etwas Obst auf. Anschließend mache ich mich bereit zum Aufbruch, lade dieses Mal noch Handy und Handheld auf und warte darauf, dass das Catering vorbeischneit. Erst 09:12 Uhr ist es soweit, dann rufe ich umgehend das Taxi. Unten angekommen, fährt das Taxi bereits vor. Der Fahrer sieht vertrauenswürdig aus, also gehe ich zur Haustür und frage ihn, als er mir entgegen kommt, ob er meinen Abfall, der noch an der Krücke hängt, hinten wegwerfen kann. Denn genau genommen hatte ich etwas Angst, den nassen verschneiten Hof in meiner üblichen "das-Taxi-ist-schon-da!!!"-Hektik zu betreten, auch wenn dieser bereits beräumt war. Er macht's. Dann fahren wir los und er beginnt zur erzählen, dass er mich bereits aus Erzählungen der Kollegen kennen würde. Hihi, meine Geschichte machte also tatsächlich schon die Runde. Ich rechne derweil in Gedanken... 9:45 Uhr dort... plus sechs Stunden... ohje, dann ist es bereits dunkel, wenn ich da wieder raus komme... In der Uniklinik eingetroffen, "laufe" ich "zügig" zum Wartezimmer und die Rezeption. Dort erkenne ich einen übervollen Raum und zusätzlich eine Warteschlange von zehn Leuten. Ach du meine Güte. Schnee und Eis, eine Unfallchirurgie; keine gute Kombination! Das werden wohl locker 8-9 Stunden Wartezeit! Schnell angestellt, stehe ich rund zehn Minuten und bemerke, dass es personelle Änderungen gab. Nur die Nette mit der Brille ist noch da, die Dicke und die Dünne haben keinen Dienst. Ich werde von einer kleinen Dame in Empfang genommen, die mich ganz lieb angrinst. Ich gebe an, dass ich bestellt bin und sie schaut in ihren Computer. Es bilden sich Falten auf ihrer Stirn und sie sagt, dass sie keinen Termin für mich finden kann. Ich erwidere, dass wir diesen Tag beim letzten Besuch so ausgemacht hatten, weil ich gestern meinen letzten Physio-Termin der ersten Welle hatte. Hmm, kurzes beiderseitiges Grübeln. Mir fällt ein, dass auf der Physio-Verordnung der heutige Tag angegeben war. Aber die hatte ich abgegeben. Mist. Der Transportschein mit dem ich her kam! Dort war der heutige Tag vermerkt. Das reichte ihr auch als Bestätigung. Gleichzeitig entdeckt sie, dass ich am morgigen 23.01. mit einem Termin hinterlegt bin. Während ich dabei bin mich zu ärgern, weil sie es nicht hinbekommen hatten, den Termin in den Rechner einzutragen, weicht der Ärger plötzlich einer Überraschung, weil sie mich unerwartet fragt, warum ich mir denn das heute antun wollte? Denn wenn ich am 23.01. einen Termin mit fester Uhrzeit und einer Oberärztin hätte, könnte ich ja meinen heutigen Untersuchungs-Termin damit verbinden, anstatt nun stundenlang warten zu müssen. Was zum... das kann doch nicht... ist das ihr... meint sie das etwa... JA!!! Gerne! Juhuuuu! Aber ich brauchte *knirsch* neue Thrombose-Spritzen. Und zwei neue Transportscheine für die Rückfahrt und die morgige Hinfahrt. "Ja, kein Problem, mache ich Ihnen fertig." Was zum... das kann doch nicht... ist das ihr... meint sie das etwa... möchten Sie meine Frau werden? Tatsächlich fängt sie direkt vor mir an, zwei Transportscheine und ein Rezept auszufüllen. Ich träume doch?! Dabei sichert sie sich mehrmals ab, stellt mir Fragen und schaut dabei in den Computer. Aber es passt ja alles. Dann soll ich Platz nehmen. Hmm. Ach stimmt, sie muss es ja unterschreiben lassen. Ich krame mein Handy aus der Hose um ein paar Nachrichten zu schreiben, da ruft die Nette aus Richtung des Behandlungsraum-Ganges meinen Namen. Schon habe ich alle Scheine unterschrieben in meiner Hand und verlasse nach insgesamt 20 Minuten das Krankenhaus. Obwohl... das ist doch Quatsch! Ich muss auf dem Hinweg gestürzt, mit dem Kopf aufgeschlagen und jetzt dem Tod nahe, halluzinieren. Das kann doch nicht wirklich passiert sein?! Na egal, am Horizont erkenne ich Taxis stehen. Also lasse ich mir mal eine dieser Fata Morganas rufen. Die letzten Tage hingelaufen, sah mir dieser Weg vorm Krankenhaus zu eisig und glatt aus. Sollen die doch zu mir kommen. Ich nehme neben einem Kerl im Foyer Platz, der sich - wie viele andere die ich in den letzten Tagen getroffen habe - auch schon aufgegeben hat. Ein Taxifahrer stürmt durch den Haupteingang, guckt mich an, guckt das Häufchen Elend neben mir an, läuft zielsicher auf ihn zu und fragt ihn mit meinen Namen... Grmpf. Der Fahrer kommt mir irgendwoher bekannt vor. Aber mir fällt nicht ein, woher. Ich laber ihm auf dem Rückweg ein kaputtes Knie an die Backe und wir fahren am Reichsgericht zu unserer Linken, vorbei in Richtung Park. Rechts neben uns fuhr eine Dame in türkiser Jacke auf der Straße. Von rechts kommen in ca. 50 Meter Entfernung ein paar Autos, darum gibt der Taxifahrer etwas Gas und wir sausen über die Kreuzung. Er schaut in den Rückspiegel und bekommt mit, wie die Radfahrerin ebenfalls über die Kreuzung will. Aber anstatt anzuhalten und den Autos die Vorfahrt zu gewähren, fährt sie einfach weiter und es kommt, wie es kommen muss. Einer der Autofahrer erfasst sie und sie fliegt durch die Luft. Der Taxifahrer sagt mir das, ich schau in den Seitenspiegel und sehe sie gerade noch so als kleinen blauen Punkt auf der Straße liegen. Wir waren allerdings schon mindestens 50 Meter entfernt, also fährt er weiter. Déjà-vu! Na gut, bei mir war der Fall schon komplett anders. ~ Donnerstag, 23.01.2014. ~ Oh! Wir sind in der Gegenwart angekommen. Erstmals schreibe und veröffentliche ich ein Kapitel an dem Tag, von dem es handelt. Dadurch werden nun leider die Abstände bis zu neuen Kapiteln etwas größer. Schön nach dem Dschungelcamp noch etwas SternTV geschaut, schlafe ich gegen 0 Uhr auf der Couch ein. Nach dem ersten schmerzhaften Aufwachen um 0:44 Uhr wechsle ich in Richtung Bett, ziehe mich um und... och nööö... bin komplett wach. Na toll... ich lege mich auf den Bauch und versuche zu schlafen... nix... das Herz pumpt... rechts... nix.... links... nix. Was ist denn los? Bin ich vor morgen aufgeregt? Aber warum? Naja, wenigstens bemerke ich dadurch mal, dass wenn ich bewusst diese Stellungen einnahm, ohne zu schlafen, sie nicht länger als 5 Minuten aushielt, dann wurden sie nervig und ich musste mich bewegen. Unschön. Neuer Morgen, neues Rrrrrrring... gnaaa, das Catering. Die Zeit flog zügig dahin. 11:00 Uhr ist der Termin. 10:15 Uhr rufe ich das Taxi. Ah, wieder ein Fahrer, der mich schon mehrmals gefahren hat. Ich steige ein, wir fahren los und er fragt mich direkt, was denn mit Fahrer 154 vorgefallen sei, dass er in meiner Ignore-Liste steht. Und so erzähle ich. Mittendrin lacht er wieder und wieder, weil ich mit den Aussagen wohl immer den Nagel auf den Kopf treffe. Am Ende meint er, dass er für den Kollegen trotzdem mal eine Lanze brechen müsste. Dieser sei einer der ältesten Fahrer und er würde sich oft über seine Fahrgäste aufregen und sei ein alter Brummbär. Tatsächlich müsste man aber erstmal einen Weg zu ihm finden, dann wäre er ganz nett. Ja schön, aber wie soll ich denn einen Weg zu ihm finden, wenn er mir als Fahrgast nichts anbietet, frage ich ihn. Erneut lacht er und meint, ich solle ihm die Taxi-Nummer und seinen Namen sagen und angeben dass ich von ihm weiß, dass er ganz nett sein soll. Ah ja... weil man ja als Wärter auch in Löwenkäfige springt, nachdem man die Löwenbabys gepflegt hat. Getreu dem Motto: Ich kenne jemanden aus deinem Rudel! Aber warum kommst du denn auf mich zugespruaaaaargh... 10:45 Uhr stehe ich an der Rezeption, das Wartezimmer leicht leerer als gestern. Vor mir in der Warteschlange nur drei Leute. Als ich dran bin, sitzt da wieder die Kleine und grinst mich an. Ich öffne gerade die Futterluke, da sagt sie: "Der VBG-Termin?". Etwas verdutzt sage ich: Äh... ja... wow, richtig! Dass sie sich das gemerkt hatte, war anhand der Patienten-Menge schon erstaunlich. Ich halte nach einem Doppelplatz Ausschau, setze mich hin und packe direkt mal das Bein hoch, damit die anderen sehen, wie der Hase läuft. Wieder glotzen einige blöd. Nach einer Minute hat sich das aber gegeben. Weil ich ein wenig mitgedacht habe, hatte ich keine fetten Stiefel oder Schuhe mit dicken Profil an, sondern die leichten Treter. Die letzten Tage hatten mir dahingehend gezeigt, dass ich im T-Shirt hätte rausgehen können, da ich von der warmen Wohnung ins warme Taxi, rein ins warme Wartezimmer in keinster Weise mit der Kälte in Berührung kam. Der Handheld soweit bereit, schnappe ich doch wieder das Handy und schreibe das heutige Kapitel bis zum jetzigen Punkt. Also diesem Punkt hier. Nee, dem hier. Oder war's der hier? Ach Mist, das war ein Fragezeichen. Nach ein paar Minuten wird eine Dame direkt neben mir aufgerufen. "Frau Knie in Behandlungszimmer 3." Ich muss lachen und kann es mir gerade noch verkneifen, laut loszulachen. Die kann doch nicht einfach so heißen, wie das, was ich gerade habe. Schade, dass sie zu alt war, um noch einen Herrn Bruch heiraten zu können. Der reinste Schenkelklopfer. Es ist 11:30 Uhr, als ich aufgerufen werde. Zimmer 1. Ich marschiere langsam, aber ordentlich los. Den Gang zu den Behandlungsräumen entlang laufend, biege ich nach links zu den Behandlungsräumen 1-3 ab. Was zum... da stehen fünf Leute. Gebannt schauen sie auf mich. Hinter mir ertönt ein Chor mit dem Duel of the fates (Star wars). Ich zupfe das Kleid und die Frisur zurecht, ziehe schnell den Lippenstift nach und schreite elegant aus der Hüfte heraus den Catwalk entlang. Äh... oder so ähnlich. Während ich ordentlich den Fuß abrolle und auf die Leute zulaufe, checke ich die Personen durch. #1 - Ohje, der Doktor, der am ersten Tag nach meiner OP das Bein hochgerissen hat und den ich bei Dr. Hepp verpfiffen habe. Eventuell ist das ja sogar der Prof. Josten, nach dem diese Praxis hier benannt ist? #2 - Eine Dame mit schwarzen kurzen Haaren und Brille, im weißen Kittel, unbekannt, bestimmt die Doktorin aus dem Termin-Schreiben. #3 - Eine Dame, rotes Haar, grüne Augen, unbekannt. Kein Kittel, weiße Hose, grüner Pullover, bestimmt die Dame aus der ambulanten Reha. Erinnert mich an die Mutter von Molly aus der Serie Mike&Molly bei Pro7. #4 - Ein großer junger Mann mit schwarzem Haar, mindestens zwei Meter groß, überragt alle, unbekannt. Der Herr von der Berufsgenossenschaft? #5 - Er.. sie... ist...? Wo ist Nummer 5 hin? Da war doch gerade noch jemand... ah, rechts in Behandlungsraum 2 entschwunden. Ich biege links in Behandlungsraum 1 ab. #2 und #3 folgen mir. Meine Vermutung war also teilweise richtig. Der Doktorin entfährt ein "sieht ja sehr gut aus". Im Raum sitzt auch bereits der Herr von der Berufsgenossenschaft. Keine Ahnung, wofür dann #1 und #4 da standen. Wir nehmen alle Platz, alle stellen sich vor. Dann soll ich wieder mal die Hose runter lassen. Schön. Ich setze mich auf die Pritsche, ziehe mich aus und sehe aus den Augenwinkeln, wie der Doktorin, als auch der Reha-Dame das Kinn auf die Tischkante fällt. Naja, mein Sexappeal ist einfach... äh Moment... ich hatte irgendwas gemacht, was sie überrascht hat. Aber was? In dem Moment sagt die Ärztin: "Das ist ja der Wahnsinn!" und die Reha-Dame nickt ihr mit offenem Mund zu. Häää??? Ich gucke an mir herunter und sehe, dass ich die Hose am linken Bein bereits abgestreift und das Bein dann auf der Pritsche abgestellt habe, um die Hose auch rechts abstreifen zu können. Dabei hatte ich das Knie so angewinkelt, dass die Wade fast den Unterschenkel berührte - wie ich es also seit zirka Neujahr schon wieder konnte. Da das für mich wieder völlig normal war, realisierte ich gar nicht, dass die Beiden total erstaunt waren, dass jemand fünf Wochen nach der OP schon wieder intuitiv diesen Bewegungsablauf benutzt. Hmm. Na dann kann ich noch Einen draufsetzen. So strecke ich das Bein noch komplett aus. Wieder offene Münder. Dabei gebe ich an, dass ich beim Stehen das linke Bein noch nicht komplett durchdrücken kann, auch wenn es jetzt beim strecken geht. Dann zeige ich es ihnen. Die Hose weggelegt, lege ich mich auf die Pritsche, soll beide Beine gerade ausstrecken und die Oberärztin legt ihre Hand unter meine linke Kniekehle. Dann soll ich nach unten drücken. Wieder ist sie erstaunt, sagt den Anderen, es ist eine komplette Streckung. Sie klärt mich auf. Das was ich bemängele, ist quasi die Überstreckung des Knies, was ich ohne weitere Übung noch nicht hinbekommen kann. Nachdem sich die allgemeine Begeisterung gelegt hat, erklärt man mir den weiteren Ablauf. Dass ich noch Physio mache und dann ins ambulante Rehazentrum wechseln muss, da diese den direkten Draht zum Krankenhaus und der Berufsgenossenschaft haben. Schade, das war's dann wohl mit Vicky. Dann erwähnt die Reha-Dame noch, dass sie am 10.02. eine Gravity-Schaukel bekommen werden, in die ich eingespannt werde und dann den ordentlichen Bewegungsablauf mit langsamer Gewichtszugabe üben kann. Klingt cool. Aber halt... 10.02.? Da habe ich einen Termin bei Vicky und die nächsten 3 Tage auch noch, bis zu 14.02.! Gestrichen! Oh... Am 20.02. wieder bei der Ärztin zugegen, würde dann am 24.02. die Reha starten, die 4 Wochen dauert, wovon ich jeden Tag 2-5 Stunden üben werde. Danach wäre ich wohl wieder soweit fit, auf Arbeit zu können. Das klang sehr gut. Endlich wieder eigenständig sein können und ohne Krücken... Dann arbeite ich meinen Zettel mit den Fragen und den Medikamenten ab. Sie untersucht das Bein und den Fuß, tastet und will nach meinen Angaben den Fuß sicherheitshalber röntgen lassen. Beim Thema Thrombose-Spritzen gibt sie an, dass wenn ich immer schön mit dem Fuß pumpe (Gas-geben-Bewegung), wir das auslaufen lassen können und ich nur noch die frisch bestellten zehn Einheiten nutzen sollte... JUHUUUUUU!!! Bei meinen Angaben für den Transportschein und der Erklärung, dass ich Physio in der Zentrale und das Bad in der Nebenstelle machen müsste, werden sowohl der BG-Mann als auch die Oberärztin etwas zickig. Ich schiebe es auf die Klinik. Und auf die sind sie dann auch sauer. Muhahaha. Ab zum röntgen. Dort aufgeschlagen, gehen mir die Worte des letzten Radiologie-Besuches durch den Kopf, also frage ich an der Rezeption nach einer CD. "Ja, kein Problem, kommen sie einfach nach dem aktuellen Röntgen nochmal vorbei." Uiuiui. Ich setze mich hin und werde 11:53 Uhr herein gerufen. Ein Fuß- und ein Knie-Foto später, stehe ich wieder an der radiologischen Rezeption und frage erneut. "Welche Aufnahme wollen Sie denn?" Ich erwähne die erste Unfallaufnahme vom 13.12., doch bei denen geht's erst am 17.12. los. Mist, die hatten also die Aufnahme vom Diako nicht. "Ach, ich mache Ihnen einfach alle Aufnahmen drauf!" Uiuiui. Damit ist sogar das CT drauf. Ausgezeichnet. Bilder folgen. Um das Bruch-Bild kümmere ich mich noch. Ich melde mich wieder an der Rezeption der Chirurgie an und bin nach 10 Minuten erneut im Behandlungszimmer 1. Am Fuß ist auf den Bildern an den schmerzhaften Stellen nichts zu erkennen, betrifft also wohl doch nur das Gewebe. Das Knie zeigt an den Bruchstellen eine dunklere Färbung, wodurch sie besser sichtbar werden. Das ist laut Oberärztin wohl im Heilungsprozess normal. Dann kommen wir wieder zum Transportschein. Etwas zerknirscht geht die Ärztin mit zwei Scheinen aus dem Zimmer. Der BG-Mann erklärt, dass er die 2x7 Hin+Rückfahrten genehmigt hat. Wir reden noch über den weiteren Verlauf, ich stelle Fragen und die Ärztin kommt wieder. Genervt sagt sie, wieviel Zeit das Ausfüllen dieser Scheine koste und dass es dann kein Wunder sei, warum das Wartezimmer so voll ist. Genauuuuu, liegt alles nur an den bösen bösen Scheinen! Wayne interessierts? Soll sie es halt lernen. Oder wen anders machen lassen. Sie gibt noch an, dass ich bei der Klinik mal einen schönen Gruß sagen soll, dass deren Termin-Planung Mist ist. Ich muss mir ein Grinsen verkneifen. Außerdem habe sie die Rückfahrt Krankenhaus-Wohnung und nächste Hinfahrt Wohnung-Krankenhaus gleich auf einem Schein erfassen lassen. Ich seufze und sage, dass das sicher Schwierigkeiten gibt. Weil ich sie nicht noch mehr nerven will, gebe ich mich aber zufrieden, verabschiede alle und gehe. Draußen im Taxi sagt die Fahrerin, dass das Schwierigkeiten geben wird. Die ganze Fahrt berät sie mich, wie ich das lösen soll. Nach 10 Minuten geht's mir auf den Keks. Kaum in der Wohnung, rufe ich in der Zentrale an. Die Antwort: "Nee, das gibt keine Schwierigkeiten." 18:43 Uhr klingelt der Lieferdienst der Apotheke. Die letzten 10 Spritzen! Die halte ich nun auch noch durch. Außerdem läuft das Dschungelcamp ja noch 8 Tage! Jedoch wusste ich da noch nicht, was mich die nächsten Tage erwarten sollte... denn... To be continued... nächstes Kapitel: Unbekannt - Working title: Gegenwart -- Mit freundlichen Grüßen Carsten Zinke - xRes Support - ________________________________________________________ TraSo GmbH Georg-Schumann-Str. 294 D-04159 Leipzig Tel.: +49 341 909 87 45 / Fax: +49 341 909 87 49 E-Mail: c.zinke@traso.de Internet: http://www.traso.de ________________________________________________________ Geschäftsführer: Haiko Gerdes Handelsregister: Amtsgericht Leipzig, HRB 21850